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3 September 2010, 19:25

Wenn das Brot für viele zu teuer sein wird

Ein nicht geringer Teil der Erdbevölkerung wird sich auf Hunger einstellen müssen. Die Nahrungsmittel werden in aller Welt beharrlich teurer - zusammen mit dem Bevölkerungswachstum und der Abnahme der landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Ein nicht geringer Teil der Erdbevölkerung wird sich auf Hunger einstellen müssen. Die Nahrungsmittel werden in aller Welt beharrlich teurer - zusammen mit dem Bevölkerungswachstum und der Abnahme der landwirtschaftlichen Nutzflächen.  Eine solche Prognose gab der Experte der deutschen „Commerzbank" Eugen Weinberg im Interview für den Rundfunksender „Deutsche Welle". Auf die sich abzeichnende Tendenz einer Erhöhung der Nahrungsmittelpreise in aller Welt weist auch die FAO hin - die Organisation der UNO für Nahrungsmittel und Landwirtschaft.

Die Perspektive ist für die Hungernden in den traditionellen  Notstandsgebieten, vor allem in Afrika, besonders unerfreulich. Wegen der Preissteigerungen kann es passieren, dass sie nicht einmal mehr das Brot bezahlen können.  Dann würden immer mehr Menschen den Hunger-Epidemien zum Opfer fallen. Ist eine solche Prognose real?

Diese Frage beantwortet unser Experte, der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Leonid Cholod, ehemals stellvertretender Minister für Landwirtschaft, jetzt - Berater des Vorsitzenden des Föderationsrates der Russischen Föderation:

„Im Zusammenhang damit, dass in den führenden Getreideanbauländern die Ernte geringer sein wird als im vergangenen Jahr, kann sich in den Haupthungerherden der Welt das Problem verstärken. Natürlich, wenn aus den Vorjahresreserven die Hilfe für sie nicht erweitert wird."

Ein weiterer negativer Faktor ist die Bevölkerungszunahme, die in einzelnen Weltregionen in geometrischer Progression erfolgt. Wird das nicht zu einer wesentlichen Zunahme der Armee der Notleidenden  und folglich zu Konflikten und sogar zu Kriegen um Nahrungsmittel führen? Dr. Leonid Cholod meint, ein derartiges Szenarium könnte eher das Produkt von Futurologen sein:

„Was das Bevölkerungswachstum auf dem Planeten betrifft, so übersteigt es tatsächlich die Produktionszunahme in der Landwirtschaft. Doch die Menschen mit ihren Technologien suchen das abzufangen, es taucht eine Nachfrage nach Genmodifikationen auf, die eine Erhöhung der Ernteerträge bewirken. Aber im Prinzip stimmt es, die Bevölkerungszunahme in Indien und China führt zu einem höheren Nahrungsmittelverbrauch, zu einer höheren Nachfrage. Bleibt die Produktionszunahme in der Landwirtschaft zurück, so gelangen immer weniger Nahrungsmittel in die traditionellen Hungergebiete in Afrika und in anderen Regionen."

Wie wird sich diese Situation auf die wohl situierten Staaten auswirken? Diese Frage beantwortete Dr. Leonid Cholod so:

„Nicht besonders. Die Festigkeitsreserve an den Märkten, die Festigkeitsreserve der Einkommen ihrer Bevölkerung ... Es kann eine Preiserhöhung geben, aber sie wird für die Wirtschaftssysteme dieser Länder nicht so katastrophal sein. Eine Konkurrenzwirtschaft ersetzt die einen Waren durch andere, am Markt gibt es keinen Mangel. In einer Gegend der Erde gibt es eine Missernte, woanders ist das Gegenteil der Fall. In diesem Jahr ist die Ernte insgesamt schlechter als im vergangenen Jahr. Wer kann sagen, ob sie im kommenden Jahr nicht besser ausfallen wird? Es gibt Reserven aus den vergangenen Jahren. Das heißt, irgendwelche ernsthaften Erwartungen  bezüglich eines Anstiegs der Lebensmittelpreise in Europa gibt es meines Erachtens nicht. Auch nicht in den Vereinigten Staaten."

Der anfangs erwähnte Experte der „Commerzbank"  Eugen Weinberg warnt, dass  am stärksten die Preise für Erzeugnisse der Viehzucht steigen könnten,  und das besonders in den Entwicklungsländern. Dr. Leonid Cholod ist mit dieser Einschätzung solidarisch:

„Beliebige Preissteigerungen für das Viehfutter multiplizieren sich in den erzeugten Produkten.  Und manche Arten - so Schweinefleisch und Geflügel - hängen zu 60 Prozent vom Preis  der verbrauchten Getreideprodukte ab.  Steigen die Preise für Futtergetreide wesentlich, so wird sich das in den Fleischpreisen multiplizieren. Doch Fleisch ist ein Produkt mit mehr flexibler Nachfrage, deshalb werden die durch die Nachfrage bedingten Einschränkungen den Preisanstieg etwas bremsen. Ich denke nicht, dass der Preisanstieg bei Fleisch den Preisanstieg für Getreide und  Futtergetreide übersteigen wird."

Resümieren wir: Die internationalen Experten erwarten keine ernsthaften Erschütterungen in der Welt wegen eines Nahrungsmittelmangels. Obwohl Millionen Menschen in den Hungerzonen nach allem zu urteilen mit noch härteren Prüfungen werden rechnen müssen. Zusätzlich zur chronischen Unterernährung erwartet sie das Problem des physischen Überlebens. Die ganze restliche wohl situierte Welt ist über diese Situation bestens im Bilde, und irgendwo  auf Konferenzen bekundet sie diesbezüglich ihr Erschrecken darüber und schwört, den Notleidenden zu helfen. Nur sind bisher keinerlei grundlegende Veränderungen zum Besseren hin zu beobachten.

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