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7 Mai 2011, 18:21

Ein Film über Menschen, die Hitler besiegt haben

Ein Film über Menschen, die Hitler besiegt haben

Im Russischen Haus in Berlin wurde der neue russische Dokumentarfilm „Die Alliierten – Wahrheit und Ehre“ mit Erfolg vorgeführt.

Im Russischen Haus in Berlin wurde der neue russische Dokumentarfilm „Die Alliierten – Wahrheit und Ehre“ mit Erfolg vorgeführt. Unser Korrespondent in der deutschen Hauptstadt, Alexander Donskoi berichtet:

(O-Ton russisch)

"Ich will es auch gleich sagen: der einstündige Film des Regisseurs Sergej Saizew, nach meiner Ansicht ein würdiges und notwendiges Werk, besonders in unserer unruhigen Zeit, wird unbedingt noch mehrere Male in Deutschland gezeigt werden. Insbesondere sind seine Vorführungen an Gedenkorten des Zweiten Weltkrieges geplant: in Torgau, wo die berühmte „Begegnung an der Elbe“ der sowjetischen und amerikanischen Soldaten stattgefunden hat, und im Museum Seelower Höhen, wo die sowjetischen Truppen auf dem Wege nach Berlin eine blutige Schlacht ausgefochten haben. Der Film „Die Alliierten – Wahrheit und Ehre“ handelt von den Amerikanern, Engländern, Franzosen als Verbündeten der UdSSR während des Großen Vaterländischen Krieges. Sie teilen ihre Erinnerungen mit. Aber ich möchte auch von meinen Erinnerungen aus der Kriegszeit und den ersten Nachkriegsjahren sprechen, als ich noch ein ganz kleiner Junge war. In Erinnerung habe ich ein paar Sachen, die wir im Rahmen des Leih- und Pachtgesetzes bekommen hatten. Behalten habe ich bequeme Kinderstiefel, Eipulver und unglaublich leckeres Schmalzfleisch in Dosen, aber auch Studebaker-Lastkraftwagen, Fords und die grünen Dodge-Geländewagen in den Straßen von Moskau. Die Erwachsenen um mich sagten, daß diese Unterstützung von dem uns verbündeten Amerika kommt, mit dem Präsidenten Roosevelt an der Spitze. Sie sagten, daß die Amerikaner und Engländer uns Flugzeuge, Panzer, Waffen liefern und viel zu unserem Sieg über dieses Ungeheuer von Hitler beitragen, daß sie auch selbst gegen ihn kämpfen. Interessant ist, sagt weiter Alexander Donskoi, daß im Film „Die Alliierten“ auch Deutsche zu Wort kommen, die in der Wehrmacht gedient haben. Aber davon etwas später".

(O-Ton russisch)

"Wovon handelt eigentlich der Film? Er enthält dokumentäre Bilder zum englischen Konvoi, dessen Schiffe in Nordeuropa und im Raum Murmansk gegen die deutschen U-Boote gekämpft haben, sowie zur Begegnung der Alliierten an der Elbe, u. a. Wochenschauen und Fotochroniken aus dem letzten Krieg. Vor diesem Hintergrund hört man bewegte Erzählungen alter Menschen, Kriegsveteranen, die gegen die Faschisten gekämpft und bis in unsere Tage überlebt haben. Allerdings leben inzwischen nicht alle, sagte in seiner Rede vor Beginn der Vorführung im Russischen Haus der Regisseur Sergej Saizew. „Während der Arbeit an dem Film sind einige Menschen aus dem Leben geschieden. Die Veteranen sind jetzt nämlich weit in den 80er, einige sogar 90 Jahre alt. Da sind sie: der schottische Seemann Jock Dempster, der von der erstaunlichen Standhaftigkeit des russischen Volkes spricht. Der amerikanische Offizier William Carter, der eine dankbare Erinnerung an die sowjetischen Soldaten bewahrt hat. Er lebt nicht mehr. Der Franzose Maurice Cardie, Teilnehmer der über den Ärmelkanal vorgetragenen Landeoperation der Alliierten und der Offensive der Truppeneinheiten des Generals de Gaulle auf Paris, das sich gegen die deutschen Besatzer erhoben hatte. Im Film kommen auch Auswanderer vor – Russen, Ukrainer, Juden, die früher in der Sowjetischen Armee gedient haben. Der Regisseur Sergej Saizew betonte in seiner Rede an die Zuschauer im Russischen Haus, daß unsere Vergangenheit, unsere Geschichte nicht in Vergessenheit geraten darf. Und der Produzent des Films Alexander Smolko sagte zu mir im Interview, daß seiner Meinung nach der Streifen gut gelungen ist.

(O-Ton russisch)

„Die ganze Zeit spürt man eine gewisse Verschweigung bezüglich des vergangenen Krieges“, sagt Alexander Smolko. „Uns, dem Volk wird etwas verheimlicht. Dabei könnten meines Erachtens gerade die Kriegsteilnehmer, diejenigen, die diesen Krieg miterlebt haben, die echte Wahrheit von ihm sagen. Besonders wichtig ist das jetzt, da die Erinnerungen dieser Zeugen einer Beichte, einem Testament gleichen, wenn man so will. Man kann nicht umhin, ihnen zu glauben. Der Beichtende lügt nicht. Die Alliierten haben sehr viel für den Sieg über Deutschland gemacht. Es ist wichtig, das zu wissen. Stimmt schon, jedermann hat seine eigene Wahrheit, darum soll jeder diese eigene Wahrheit auch sagen, und das Volk wird sie beurteilen. Die Hauptsache ist aber, daß alles in einem Fokus zusammenläuft – in der aktiven Ablehnung des Krieges, der den Menschen Untergang und Leiden bringt", sagt Alexander Smolko".

(Musik)Mit wem hatten Sie es leichter bei der Arbeit: mit den Veteranen der Alliierten Mächte oder mit denen, die in Hitlers Armee mitgekämpft hatten? fragte unser Korrespondent den Regisseur Sergej Saizew.

(O-Ton russisch)

 „Für mich sind die Dreharbeiten immer eine Schufterei. Das war der Fall, als wir sowohl die ehemaligen Wehrmachtsoldaten, als auch die Veteranen aus Rußland und den Mitgliedsstaaten der Anti-Hitler-Koalition filmten. Ich mußte stets daran denken, welche von diesen Erzählungen ich in den Film aufnehmen sollte. Manchmal kommt etwas ganz anderes heraus als was man möchte, man quält sich mit jeder Episode ab. Was die deutschen Veteranen angeht, sprachen sie darüber, wie schwer es im Kriege gewesen war, was sie durchgemacht hatten. Ich wollte von ihnen hören, wie sie die Ereignisse der Vergangenheit heute beurteilen. Überhaupt überkamen mich Zweifel, ob ich den Film mit „Die Alliierten“ richtig betitelt hatte: Was für Alliierte sind sie denn, die ehemaligen Soldaten Nazi-Deutschlands? Aber ich kam zur Überzeugung: Doch, ich kann den Film so betiteln. Denn nach den vielen vergangenen Jahrzehnten denken diese Menschen nicht mehr als Gegner, sondern als Verbündete – unsere Verbündeten gegen den Krieg. Nicht zufällig äußert sich im Film einer von diesen Veteranen, Antonius Schneider, in dem Sinne, daß man bitte Mittel finden soll, mit den Kriegen Schluß zu machen, daß man eine gemeinsame Sprache finden soll, da man nicht weiß, wofür und für wen man sein Leben gelassen hat. Hören Sie dieser Beichte aufmerksam zu, die voller tragischer Untertöne ist, diesem Flehen, daß dies sich nie mehr wiederholen möge“, sagt abschließend der Regisseur Sergej Saizew.



Nun wollen wir aber einem anderen Veteranen zuhören. Nein, er kommt im Flim von Saizew nicht vor. Er ist ein Zuschauer, hat im Volkssturm gekämpft, im sowjetischen Kriegsgefangenenlager mehrere Jahre verbracht. Ihn kennen alle: Es ist Hans Modrow, einer der letzten Führer der ehemaligen DDR, der übrigens im Unterschied von Erich Honecker die Reformen von Gorbatschow aktiv unterstützt hat.

(O-Ton deutsch)

Hier aber die Meinung der jungen Zuschauer. Jekaterina Wassiljewa hat ihren Hochschulabschluß in Deutschland gemacht, arbeitet bei einer Firma, die Flugtickets verkauft, und lebt seit drei Jahren in Berlin.

(O-Ton deutsch)

 In den Maitagen von 2011 feiern Rußland und andere Länder Europas sowie die USA und Kanada den 66. Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland. Im Juni jährt sich zum 70. Mal der Beginn des Großen Vaterländischen Krieges. Im Vorfeld dieser denkwürdigen Tage stellt die Erscheinung des Dokumentarfilms von Sergej Saizew „Die Alliierten – Wahrheit und Ehre“ kein geringes Interesse dar, schließt seinen Bericht unser Korrespondent in Berlin Alexander Donskoi.

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