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31 August 2012, 14:40

Extreme Eisschmelze als Abschiedsgruß der Klimaerwärmung

Extreme Eisschmelze als Abschiedsgruß der Klimaerwärmung

Die arktische Eisdecke ist nach US-Angaben gering wie nie seit Beginn der Satellitenbeobachtungen und könnte vollständig schwinden. Russische Forscher sind skeptisch: Das Packeis werde nur „jünger“ und die Klimaerwärmung sei bald zu Ende.

Das US-amerikanische National Snow and Ice Data Center (NSIDC) bestätigt: Die Gesamtfläche der arktischen See-Eisdecke ist auf ein Rekordtief von 4,1 Millionen Quadratkilometer geschrumpft. Das ist 70.000 Quadratkilometer weniger als der bisherige Rekord aus dem Jahr 2007. Laut ausländischen Prognosen könnte die arktische Eiskappe gegen 2040 vollständig verschwinden.

Die Arktis ist eine „Wetterküche“ für den ganzen Planeten. Seit 1979 finden bei der Forschung Satellitenbilder Anwendung. Experten des in St. Petersburg ansässigen Forschungsinstituts für Arktis und Antarktis greifen außerdem auf ihre äußerst reichen Erfahrungen in Sachen Feldforschung zurück. Dr. habil. Genrich Alexejew sagte der Stimme Russlands, es gehe eher um eine saisonbedingte „Verjüngung“, als um einen Schwund des arktischen Packeises:

Im Sommer schmilzt das Eis, im Winter entsteht es wieder. Das eisbedeckte Wintergebiet verändert sich wenig und schrumpft sehr langsam. Das im Winter gebildete junge Eis wird innerhalb eines Jahres ein Meter dick“.

Das Küsteneis werde innerhalb eines Jahres sogar zwei Meter dick, so Alexejew weiter. Der sommerliche „Rückzug“ der Eisdecke im Nordpolarmeer erfolge außerdem nicht gleichmäßig. Die für Russland transportrelevanten Meeresgebiete seien im laufenden Jahr sogar stärker als gewöhnlich mit Eis bedeckt. In der Kara-, Laptew-, Tschuktschen- und Ostsibirischen See sei die Eisdecke beispielsweise stärker als im Jahr 2007. Obwohl der scheidende Sommer in der Arktis „anomal warm“ gewesen sei, sei der so genannte Nördliche Seeweg entlang der russischen Arktis-Küste bislang nicht ganz eisfrei. Es gehe also nicht darum, auf Eisbrecher zu verzichten:

Laut vorliegenden Prognosen, die sich auf globale Modelle stützen, kann die sommerliche Eisdecke zum Ende des laufenden Jahrhunderts zwar nahezu völlig verschwinden. Im Winter wird sie sich allerdings praktisch innerhalb derselben Grenzen wieder bilden“.

Die extreme Eisschmelze im Sommer 2012 sei wahrscheinlich ein Abschiedsgruß der zu Ende gehenden Klimaerwärmung gewesen. Das Eis sei ja ein Klimaprodukt: Wenn man die jährlichen Lufttemperaturen und die Eisschmelze grafisch darstelle, seien die entsprechenden Kurven nahezu identisch, sagt Alexejew.

Die langjährigen Beobachtungen des Petersburger Arktis-Instituts belegen zyklische Schwankungen im Klimasystem des Planeten: Im Abstand von ungefähr 60 Jahren erleben die atmosphärischen Vorgänge und die damit zusammenhängende ozeanische Zirkulation eine Neugestaltung. Derzeit geht eine Erwärmungsphase laut Forschern zu Ende (der vorhergehende Wärme-Höhepunkt war in den 1930er und 1940er Jahren zu beobachten). Die Natur dieser Zyklen ist vorerst nicht ganz klar – ebenso wie die Gesetze, nach denen das Weltmeer lebt.

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