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1 November 2012, 14:17

Libyen: Wie stiehlt man 150 Milliarden?

Libyen: Wie stiehlt man 150 Milliarden?

Die Nato-Militärkampagne in Libyen ist nicht nur dadurch kennzeichnend, dass diesem Staat ein riesengroßer Schaden zugefügt wurde, sondern auch dadurch, dass 150 Milliarden von libyschen Konten verschwanden, die einst in ausländischen Banken gesperrt wurden.

Diese Angaben sind in dem Buch des wissenschaftlichen Chefmitarbeiters des Orient-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften Anatolij Jegorin „Der Sturz von Muammar al-Gaddafi. Libysches Tagebuch. 2011-2012“ zu finden. Die Präsentation dieses Buches fand in Moskau statt. Das ist die erste komplexe Untersuchung der libyschen Tragödie in Russland. 

Es ist verständlich, dass Zerstörungen Folgen eines jeden Krieges sind. Wenn man aber berücksichtigt, dass die Nato das Mandat nur für die Schaffung einer flugfreien Zone erhielt, sollten sie keine so großen Dimensionen haben. Aber ungeachtet dessen sollten 150 Milliarden auf libyschen Auslandskonten für die Deckung des Schadens oder zumindest seines beträchtlichen Teils ausreichen. Aber das Geld verschwand spurlos. Hier stellt sich eine rechtmäßige Frage: Wie kam es dazu? Der Autor des „Libyschen Tagebuchs“ Anatolij Jegorin sagte Folgendes:

„Als die Kampagne gegen Muammar al-Gaddafi begann und es schon klar war, dass die Nato nicht vorhat, ihn an der Macht zu lassen, begann dieses Geld zu verschwinden. Niemand weiß genau wohin und wie. Es gibt nur lückenhafte Pressemeldungen darüber, dass dieses Geld beschlagnahmt und von westlichen Bankern über Offshore-Zonen reingewaschen wurde. Jetzt suchen alle, wohin das libysche Geld verschwand, aber die Chancen, dass man sie finden wird, scheinen minimal zu sein. Übrigens wäre es falsch nur den Westen zu beschuldigen. Libyer selbst, diejenigen, die al-Gaddafi ablösten und gegen ihn kämpften, transportierten Dollar und Goldbarren mit Autos über die Wüste ins Ausland. Solche Fakten sind auch bekannt."

Auch die Leiterin der Internationalen Vereinigung für die Schaffung der Demokratie in Libyen Fatima abu an-Niran vertritt die gleichen Positionen.

„In Libyen hat man tatsächlich alles, was nur möglich war, gestohlen. All das geschah vor den Augen der ganzen Welt, und niemand sagte ein Wort dagegen. Das sind keine leeren Beschuldigungen. Der ehemalige Leiter der Zentralbank des Staates bestätigte das früher. Es handelt sich nicht nur um 150 Milliarden Dollar auf ausländischen Konten. Das Geld fließt nach wie vor aus dem Land ins Ausland, darunter auch auf ungesetzlichen Wegen. All das geschieht vor dem Hintergrund der Zusammenstöße zwischen Stämmen und der praktisch unbegrenzten Macht der örtlichen Volkswehr, die mit den Mißliebigen alles, was sie wollen, tun. Die Invasion der Nato erfolgte, wie man jetzt sieht, nicht um der Herstellung der Demokratie in Libyen willen, worüber die Leitung der Allianz seinerzeit sprach. Aber jetzt können zumindest alle sehen, dass das wahre Ziel gerade in der Plünderung des Staates bestand.“

Gerade deshalb ist es jetzt immer deutlicher zu sehen, dass das Schicksal Libyens als Staat den Westen nicht mehr besonders interessiert. Die neuen Herrscher Libyens teilen schon ein Jahr die Ämter. Es sieht danach aus, dass sie dabei ihre früheren Gönner nicht gefragt haben, wo jene 150 Milliarden Dollar verschwanden, die jetzt für den Staat, der sofort arm wurde, nicht überflüssig sein würden.

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