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14 Januar 2013, 14:00

Über 50 Prozent Ungaren haben nichts zu essen

Über 50 Prozent Ungaren haben nichts zu essen

Die Information ist unfassbar. Man muss vor Ort sein, um den Zustand des Landes zu verstehen. In der Tat steht die Krise in der EU nicht hinter, sondern vor uns.

Wenn die westlichen Medien nicht mehr so richtig über die soziale Niederlage Europas berichten, und immer noch versuchen, über die desolate Lage der Länder wie Weißrussland oder die Ukraine zu berichten, sehen wir allein am Beispiel von Ungarn, dass EU-Mitgliedstaaten vor einem riesigen Kollaps des ganzen Systems stehen; dass wegen der EU die ganze europäische Zivilisation bedroht ist.

Nicht nur Ungarn. Am 1. Januar 2013 erklärte François Hollande bei seiner Rede an das französische Volk, es sei selbstverständlich, dass die Zahl der Arbeitslosen in Frankreich im Jahre 2013 steigern wird. In Deutschland löscht die Bundesregierung schon im September 2012 die schlechten Zahlen aus dem Armutsbericht aus. In Griechenland geht die Gesellschaft auseinander. Die Renten werden stark gekürzt. Die Alten können nicht mehr Medikamenten kaufen und die schwer krank sind, dürfen sterben. Und jetzt veröffentlicht das Weltwirtschaftsforum eine Studie, die erklärt, dass die Kluft zwischen Arm und Reich zur Gefahr wird.

Die EU-Elite, die ständig ihre Vergütung auf Kosten der EU-Völker erhöht, will die humanitäre Hilfe für die Armen kürzen. Ungarn, das seit Mai 2004 Mitgliedstaat der Europäischen Union ist, ist auch als Beispiel der schweren Krise zu nehmen, die die EU mit ihren Völkern durchmacht.

„Investitionen befinden sich auf einem dramatisch niedrigen Niveau“, erinnert Eva Palocz, Generaldirektori n des Budapester Forschungsinstituts Kopint-Tarki in einen APA-Gespräch. Zugleich seien staatliche Investitionen überwiegend gestoppt worden, schreibt die österreichische Zeitung „Format“.

Laut Palocz wird auch 2013 kein leichteres Jahr, da sich keine Branche als Wirtschaftslokomotive anbiete.

Vor Ort. In der Weihnachtszeit war ich in Budapest und wollte die Lage der Gesellschaft selbst sehen, da unsere Medien nicht richtig darüber berichten. Am ersten Weihnachtstag sah ich per Zufall eine lange Reihe wartender Menschen, die auf der Straße in Budapest auf Essen warteten. Alle Menschen, oft mit Kindern, blieben ruhig. Weihnachtlich geschmückte Zelte standen vor den ruhigen Menschen.

Während meines Aufenthalts sah ich in Ungarns Hauptstadt immer wieder Leute, die tags und nachts ihr Essen aus Mülltonnen fischten. Oft waren es junge Paare, die in dem Müll das Nötigste suchten.

Ein Tag nach der Erinnerung an die Geburt Jesu, die in armen Verhältnissen stattgefunden hatte, verlierte dieses Ereignis nichts an seiner Aktualität. Viele arme Kinder mit ihren Eltern lebend sind im Zentrum Budapests zu treffen. Jeden Tag müssen mehr als 1.300 Menschen samt ihren Kindern Essen spendiert bekommen, sagen karitative Organisationen. Die Armen stehen Schlange und warten auf eine warme Mahlzeit Essen und holen sich das Essen auf die Straße von Wohlfahrtsorganisationen.

Der Fotograph. Peter Gyenes (60) ist in Budapest geboren. An der Essenverteilung im Zentrum der ungarischen Hauptstadt traf ich ihn. Er machte Bilder von Armen, wo sie üblich Essen verteilt bekommen. Peter Gyenes fotografiert seit 30 Jahren seine Landsleute. Immer auf der Suche nach neuen Charakteren bestätigte Peter Gyenes die Lage.

Zurzeit lebt Peter Gyenes in einem kleinen Dorf, das etwa 52 Kilometer entfernt von Budapest liegt. Peter Gyenes spricht fließend Französisch und Deutsch. „In Budapest habe ich im Gymnasium Französisch gelernt. Meine Lieblingsschausp ielerin ist Sophie Marceau. Dazu liebe ich die französische Küche...“ Während Peter Gyenes über die französische Küche redet, sehen wir Tausende Menschen, die Schlange stehen, weil sie zu Hause nichts zu essen haben.

Die Zeilen wurden Ende 2012 geschrieben, genau am ersten Weihnachtstag und kaum eine Woche vor 2013. Da kommen einem Bilder aus Kriegszeiten und aus dem Jahre 1929 in Erinnerung.

Zuerst Fressen dann Moral! Seit 30 Jahren macht Peter Gyenes Fotos von Menschen. „Die Gesichter, die Blicke der Menschen sind meine Interessen. Was Sie hier jetzt sehen, ist die heutige Lage des Landes. Das ist nicht neu. Was Sie hier sehen, hat auch vor dem Krieg existiert. Das sind die Wohlfahrtsorgani sationen, die das Essen verteilen. Aber die Lage in Ungarn ist wieder mal eine Katastrophe. Nicht alle Menschen, die nicht genügend Essen bekommen, kommen hierher. Ungarn ist sehr tief runtergefallen.“

Peter Gyenes bleibt nicht lang beim Gespräch. Scheinbar ist ihm der Dialog unangenehm und lieber möchte er die Lage mit seiner Kamera festhalten. Nach seiner Meinung sind es die vielen Ehescheidungen und der Alkoholismus, die zu dieser Lage führen. „Unserer Gesellschaft fehlt an Moral und wir erleben der Respekt vor dem Menschen ist im Verfallen begriffen“, schließt der Fotograph.

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