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14 Juni 2013, 11:55

Gauck wünscht Russlands Schuldgeständnis

Иоахим Гаук германия президент

STIMME RUSSLANDS “Nur, wer seine Schuld eingesteht, kann seine Vergangenheit aufarbeiten.“ Diese These überträgt Bundespräsident Joachim Gauck auf die deutsche und russische Geschichte. In seiner Rede Anfang Juni vor den Teilnehmern des deutsch-russischen Forums in Potsdam bezeichnete er sich sogar als „Fachmann auf diesem Gebiet“.

In Deutschland und Russland habe es schreckliche Diktaturen gegeben, so Gauck weiter, eine selbstkritische Geschichtsschreibung habe Deutschland jedoch geholfen, die Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten. Das Land habe seine Kriegsverbrechen eingestanden. Trauere eine Nation jedoch ihrem vergangenen imperialen Mythos nach, erschwere sie sich den Weg in eine zivile Gesellschaft. Mit anderen Worten: Russland muss jetzt auch Reue zeigen.

Die Einstellung von Gauck zu Russland ist, milde gesagt, unklar. Als im Juni 2012 in Russland das „Deutschlandjahr“ eröffnet wurde, sollte es ein deutsch-russisches Prestigeobjekt werden. Allerdings ist der Bundespräsident der feierlichen Eröffnung in Moskau ferngeblieben, obwohl er mit Wladimir Putin zum Puzzlespielen auf dem Roten Platz verabredet gewesen war, wo sie eine riesige Kopie eines Selbstporträts des deutschen Malers Albrecht Dürer zusammenfügen und das Deutschlandjahr in Russland einläuten sollten.

Vielleicht hilft uns etwas, wenn wir uns an die Biographie von Gauck erinnern. Seine Eltern waren Mitglieder der NSDAP, sein Vater war Oberleutnant zur See der Reserve. Einige Zeit vor dem Kriegsende hatte Gauck im Haus seiner Großmutter an der Ostsee verbracht, das später von der Roten Armee zu militärischen Zwecken requiriert wurde. Sein Vater wurde von einem sowjetischen Militärtribunal in Schwerin wegen Spionage und so genannter „antisowjetischer Hetze“ zu zwei Mal 25 Jahren Freiheitsentzug verurteilt und in ein sibirisches Arbeitslager verbannt. Im Oktober 1955 kehrte er in Folge der Moskauer Verhandlungen von Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Deutschland zurück, was allerdings nichts an der ablehnenden Haltung der ganzen Familie gegenüber der DDR und der Sowjetunion änderte. Gauck selbst, der übrigens seine politische Karriere 1990 als Abgeordneter der Volkskammer der DDR begann, sagte einmal, er sei „mit einem gut begründeten Antikommunismus aufgewachsen“.

Kehren wir aber zurück zum Rat von Joachim Gauck zur Aufarbeitung der russischen Geschichte. Eigentlich hat er Hitler-Deutschland der Sowjetunion gleichgestellt. Was die Aufarbeitung der deutschen Geschichte anbetrifft, so vergisst Herr Gauck als „Fachmann auf diesem Gebiet“ einige Seiten dieser Geschichte. Die Deutschen haben ihre Schuld an Kriegsverbrechen nicht von selbst und freiwillig erkannt. Es geschah, erst nachdem Deutschland kapituliert hatte und von der ganzen Welt für solche Gräueltaten verurteilt worden war. Die Gleichstellung der Sowjetunion, die die Welt vom Nazismus gerettet hat, und von Hitler-Deutschland und der Versuch, die Sowjetunion zum Verbrecherstaat zu erklären, sind unmoralisch, besonders wenn sie von einem so hochgestellten deutschen Politiker kommt.

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