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17 September 2013, 13:12

Fünf Jahre nach der Lehman-Insolvenz: die Krise geht weiter

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STIMME RUSSLANDS Am Sonntag war der fünfte Jahrestag der Lehman-Insolvenz. Die darauffolgende Finanzkrise hat die Weltwirtschaft zutiefst erschüttert. Unser Korrespondent Bernat Jozsa hat Dorothea Schäfer vom DIW Berlin gefragt, wie die Lehman-Pleite zu der europäischen Schuldenkrise beigetragen hat und ob nun die Krise überwunden ist.

Der DAX ist auf Allzeithoch, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso meint, die Erholung ist in Sicht. Fünf Jahre nach der Insolvenz der Lehman Brothers, die die Welt erschütterte, scheint ein heikler Frieden in der Weltwirtschaft zu herrschen. Jedoch sind die Probleme noch längst nicht überwunden, meint Dorothea Schäfer, Forschungsdirektorin Finanzmärkte am DIW Berlin:

"Nein, die Krise ist natürlich noch nicht zu Ende. Wir haben nach wie vor die Schuldenproblematik, wir haben nach wie vor die Problematik der maroden Banken in der EU, und die Staaten ihrerseits kämpfen ja nach wie vor mit hohen Verschuldungslevels. Also, die unmittelbar von Lehman ausgelösten Turbulenzen - das ist natürlich vorbei, aber die Folgekrisen, die sind nicht vorbei."

Die Lehman-Pleite verursachte eine tiefe Rezession in den Industrieländern. Auch fünf Jahre später gibt es trotz der Erholung der Weltwirtschaft nachträgliche Effekte:

"Der Ausfall von Lehman hat natürlich eine Schockstarre über die Weltwirtschaft gebracht. Und in der Folge waren ja dann 2009 kaum Staaten dabei, die nicht mindestens fünf Prozent Wachstumsverlust wegstecken mussten. Jetzt ist zum ersten Mal nach fünf Jahren in der Gesamtheit der Eurozone ein leicht positives Wachstum festzustellen, aber das heißt ja nicht, dass einzelne Länder nach wie vor Wachstumseinbußen haben."

Nach der Insolvenz der Lehman Brothers froren die Interbankenmärkte ein. Die Länder mussten ihre Geldinstitute retten. Insofern hat die Finanzkrise zur Verschuldungskrise in der EU geführt, betont Dorothea Schäfer.

"Die Finanzkrise ist der unmittelbare Auslöser der Verschuldungskrise, denn hätten die Staaten nicht so viel Geld gebraucht, um ihre Banken zu retten, wären ihre Verschuldungsniveaus auch nicht so stark in die Höhe gegangen, und dann hätten die Investoren auch nicht das Vertrauen in die Eurozone verloren, und das hat natürlich extreme Auswirkungen gehabt."

Viele Kritiker der Krisenbewältigungsmaßnahmen behaupten, dass die Ursachen der Krise nicht angepackt worden seien. Als eine Art Ersatzlösung wurden die Geldpumpen der wichtigsten Notenbanken eingesetzt. Die Expertin meint, im Falle des Bankensektors blieben viele Fragen ungeregelt:

"Ohne die Notenbankpolitik wären wahrscheinlich die Wachstumseinbußen viel schlimmer gewesen. Aber es ist zum Beispiel so, dass die Banken nach wie vor zu wenig Eigenkapital haben, um noch einmal einen ähnlichen Schock überstehen zu können. Und letztendlich funktioniert der ganze Bankensektor deswegen, weil die Staaten eine Versicherung geben. Also insofern kann man nicht sagen, dass die Ursachen der Krise stark bekämpft worden sind."

Der frühere US-Finanzminister Henry Paulson warnte kürzlich vor einer neuen Finanzkrise. Er schlägt vor, das Konzept „zu groß, um zu scheitern“ bei den Banken abzuschaffen. Dabei sollten die systemkritischen großen Geldinstitute strenger reguliert werden. Dorothea Schäfer meint, das größte Problem sei nach wie vor die subjektive Risikoanhebung:

"Die Regel "zu groß, um zu scheitern" müsste man dringend abschaffen, aber es gibt kein Rezept, wie man das machen sollte. Es wäre sicherlich wichtig, eine Möglichkeit zur Reinstallierung zu schaffen, weil das die Banken vorsichtiger machen würde. Jetzt wissen sie, dass sie aufgefangen werden vom Staat. Und das hat einfach einen Anreiz zur Folge, indem man extrem risikoreiche Geschäftsmodelle fährt."

Mit dem Bankensektor hat auch Slowenien große Probleme. Das Land kämpft mit einem vermuteten Loch von 7,5 Milliarden Euro in den Bankenbilanzen. Die Finanzexpertin bezweifelt aber, dass Slowenien das nächste Zypern wird:

"Es ist jetzt nicht ganz ausgeschlossen. Meine Prognose wäre allerdings eher, dass Slowenien versucht, seine Banken zu fusionieren und durch den Staat zu rekapitalisieren. Und einige slowenische Politiker haben mir auch bereits signalisiert, dass die Staatskasse relativ gesund ist, und dass sie sich deswegen die Rekapitalisierung auch leisten können."

Obwohl Lehman Brothers vor fünf Jahren Pleite gegangen ist, bleibt ihr Schatten weiterhin ein dunkler Fleck auf der Weltwirtschaft.

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