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12 November 2013, 18:00

Palästinensischer General: „Kein Zweifel an Arafats Ermordung“

 Palästinensischer General: „Kein Zweifel an Arafats Ermordung“

STIMME RUSSLANDS Die palästinensische Untersuchungskommission hält den Gifttod von Jassir Arafat für nachgewiesen. Der Drahtzieher sei Israel, sagte der Leiter der Kommission, General Tawfik Tirawi, im Interview mit STIMME RUSSLANDS. Der Tod des Palästinenserpräsidenten jährte sich am 11. November zum neunten Mal.

Expertenteams aus Frankreich, Russland und der Schweiz haben bei der Untersuchung mitgewirkt. Die Untersuchungsberichte aus Russland und der Schweiz wurden Ihnen kürzlich vorgelegt. Was geht daraus hervor?

"Experten aus Russland und der Schweiz haben sowohl in ihren Laboren als auch hier vor Ort gearbeitet. In mindestens drei Punkten kamen sie zum gleichen Schluss.

Erstens war das kein natürlicher Tod. Zweites handelte es sich bei der Todesursache um keine Krankheit. Drittens war der Tod nicht altersbedingt. Eine russische Expertin nahm insbesondere Mark-Proben von Arafat unter die Lupe und gelangte zum Schluss, das Mark enthalte keine Hinweise auf einen altersbedingten Tod. Das ist sehr wichtig. Wenn der Tod weder krankheits- noch altersbedingt war, woran ist Arafat dann gestorben?

Alle interessieren sich vor allem für diese Befundberichte und die medizinische Begutachtung. Aber auch die zuständigen Sicherheitsbehörden beschäftigen sich parallel mit einer Untersuchung. Dabei bekamen sie viele Beweise dafür, dass Arafat ermordet worden war. Diesen Mord werfe ich den Israelis vor. Sie haben längst gewollt, Arafat loszuwerden."

Die Ergebnisse der russischen Begutachtung werden geheim gehalten. Im Bericht wird aber nicht eindeutig festgestellt, dass Arafat vergiftet wurde, oder? In dieser Hinsicht liegen der russische und der Schweizer Befundbericht angeblich auseinander. Stimmt das?

"Wichtig sind nicht die Differenzen zwischen diesen Berichten, sondern die Übereinstimmungen. Und die Berichte stimmen in Bezug darauf überein, dass Arafat nicht an einer Erkrankung gestorben ist. Ich bin davon überzeugt, dass er ermordet wurde. Wir sind den Russen für ihre gute Arbeit dankbar, sie haben viele neue Fakten gefunden. Die Arbeit ist übrigens noch nicht zu Ende. Diese Fakten, die ich vorerst nicht bekannt geben darf, sollen gemeinsam analysiert werden. Wir vertrauen den Russen. Deshalb haben wir sie um eine Untersuchung gebeten."

Wirkt es nicht seltsam, dass der katarische Sender al-Dschasira als Erster über Arafats möglichen Gifttod berichtete?

"Über viele Sachen berichten Journalisten als Erste. Das Wichtigste ist aber, dass wissenschaftliche Begutachtungen stattgefunden haben. Wir beziehen uns darauf. Parallel läuft unsere Untersuchung im Sicherheitsbereich. Ich beschäftige mich damit. Wir haben Hunderte Menschen bereits befragt, die Befragung läuft weiter. Dabei bekamen wir neue Hinweise auf Arafats Ermordung. Wir brauchen aber mehr Zeit – einige Monate oder vielleicht ein Jahr. Diese Arbeit sollte von der Presse nicht gestört werden. Was wir brauchen, ist die Wahrheit. Um die Wahrheit zu erfahren, müssen wir uns auf diese Arbeit völlig konzentrieren."

Wurde wirklich eine radioaktive Substanz als Gift verwendet?

"So sagen die Experten. Der konkrete Giftstoff ist mir eigentlich nicht so wichtig. Am wichtigsten ist die Tatsache, dass Arafat vergiftet wurde. Der Mord wurde nachgewiesen. Daran besteht kein Zweifel."

Haben Sie schon jemanden in diesem Zusammenhang verhaftet?

"Ich kann diese Frage nicht beantworten."

Um eine Begutachtung zu starten, wurde Arafats Leichnam exhumiert, Mark-Proben wurden entnommen. Als dies aus Sicht des Islam zulässig?

"Vor der Exhumierung haben wir uns an renommierte Geistliche gewandt. Ein Mufti hat in einer Fatwa seine Genehmigung erteilt."

Welches Ziel verfolgt Ihre Kommission?

"Das Ziel unserer Kommission ist einfach. Es besteht darin, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Dann sind gerichtliche und politische Entscheidungen an der Reihe."

Sie sagen, die Israelis hätten Arafat ermordet und das sei nachgewiesen worden. Warum läuft die Untersuchung weiter?

"Weil wir den eigentlichen Mörder noch nicht gefunden haben. Israel ist der Drahtzieher. Es gibt aber noch jemanden, der den Mord unmittelbar begangen hat. Wir suchen diesen Mörder und werden ihn hoffentlich finden."

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