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20 November 2013, 22:59

Fukushima: Auswirkungen auf den Pazifik

Fukushima: Auswirkungen auf den Pazifik
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STIMME RUSSLANDS Zweieinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima hat gerade die hochriskante Bergung der Brennstäbe begonnen. Der Abbau der gesamten Atomanlage wird mehrere Jahrzehnte dauern, die Milliardenkosten sind noch nicht genau vorhersagbar. Unterdessen werden weiterhin jeden Tag 300 Tonnen verseuchtes Wasser in den Pazifischen Ozean abgelassen. Welche Auswirkungen das auf den Ozean hat, darüber sprach Michael Kiesewetter mit der Meeresbiologin Dr. Tanja Breining von der Organisation Peta.

"Es ist damit zu rechnen, dass die Meerestiere radioaktiv Verseucht sind. Sie werden die Katastrophe auch nicht überleben. Bei einigen Fischen wurden Belastungen gemessen, die den Lebensmittelgrenzwert um 2.500 überschreiten. Die Auswirkungen sind Katastrophal für die Meere und ihre Bewohner."

Das sagt Dr. Tanja Breining Meeresbiologin und Zoologin bei der Tierrechtsorganisation Peta. Die Fische im Pazifischen Ozean sind nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignet.

"Die radioaktiven Elemente reichern sich im Organismus an, sie werden dann in den Knochen und Organen wie Leber und Schilddrüse eingebaut. Das kann zu Immunschwäche, Tumorbildung und Erbgutveränderung führen."

In den USA machen sich immer mehr Menschen Sorgen, welche Auswirkungen die Katastrophe von Fukushima auf die US-Westküste haben wird. Vor Alaska sind bereits bei Eisbären, Robben und bei Walrossen Fellverlust und offenen Wunden entdeckt worden. Ebenfalls sind vor Südkalifornien rund 45 Prozent aller Seelöwen-Jungtiere gestorben. Und sei erst der Anfang sagt Dr. Tanja Breining:

"Ja, auf jeden Fall. So lange wie sich die Radioaktiven Elemente im Meer anreichern, ist damit zu rechnen, dass die Meerestiere Massenhaft sterben, krank werden und es langfristig zum Artensterben kommt." 

Das einzige was dagegen unternommen werden könnte, sei der sofortige Stopp von radioaktiven Einleitungen in den Pazifik. Was allerdings schon im Wasser drin ist, lässt sich nicht mehr aufhalten. Wie lange es dauern könnte, bis die Radioaktivität soweit minimiert wurde, das man von einem normalen Zustand sprechen kann, darauf hat die Meeresbiologin Tanja Breining natürlich auch eine Antwort, allerdings keine Gute:

"Das ist ganz Unterschiedlich. Zu den radioaktiven Elementen gehören Cäsium, Strontium, Plutonium und radioaktives Jod. Die unterschiedliche Abbauzeit reicht von acht Tagen bis einhunderttausend Jahre. Die Schäden sind auf alle Fälle sehr langfristig."

Wissenschaftler prognostizieren, dass sich die Radioaktivität der Küstengewässer vor der US-Westküste in den nächsten fünf bis sechs Jahren sogar verdoppeln wird. Könnte das das Aus für jegliches Leben im Pazifik bedeuten?

"Die Gefahr besteht nicht, denn im Laufe der Evolution gab es schon viele, viele Katastrophen, die zum Aussterben vieler Tierarten geführt haben, zum Beispiel der Dinosaurier, aber die Lebewesen sind Wandelbar, es bildet sich neues Leben. Wir befürchten nicht, dass jegliches Leben ausstirbt. Das einzelne Arten komplett verschwinden werden, halten wir für sicher. Diese Tiere werden vor allem einen Qualvollen Tod sterben."

Das sind die eher düsteren Prognosen von Meeresbiologin Tanja Breining für den Pazifik, aber was ist mit anderen Ozeanen, sind die auch gefährdet?

"Ja, denn die Meere tauschen sich durch die Strömungen aus." 

Selbst Deutschland wird nicht ungeschoren davonkommen?

"Die Ostsee ist das am höchsten radioaktiv belastete Meer der Welt. Das liegt an Tschernobyl und den Atomwaffenversuchen in den 70er Jahren. Da es in der Ostsee eher einen geringen Wasseraustausch gibt, ist die Belastung auch für Deutschland nicht zu leugnen. BBC News berichtete kürzlich, dass die Strahlung rund um Fukushima 18 Mal höher ist als bisher angenommen. Es wird geschätzt, dass bis zu 100 Mal so viel radioaktive Strahlung durch Fukushima im Ozean freigesetzt wurde wie während der gesamten Katastrophe von Tschernobyl."

Die Umlagerung der Brennstäbe gilt als erster großer Schritt zur Stilllegung des AKW in Japan. Der vollständige Rückbau der Anlage dürfte etwa 30 bis 40 Jahre dauern. Die größte Herausforderung sind dabei zweifellos die Reaktoren 1 bis 3, in denen es jeweils zu einer Kernschmelze gekommen war.

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