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30 Januar 2014, 12:27

Wissenschaftler schließen eine neue Pestepidemie nicht aus

Wissenschaftler schließen eine neue Pestepidemie nicht aus

STIMME RUSSLANDS Die Menschheit ist gegen eine neue Pestepidemie nicht versichert. Wissenschaftler haben das Genom des Pestbakteriums entschlüsselt, durch welches im 6. Jahrhundert die Hälfte der Erdbevölkerung und im Mittelalter das halbe Europa ausgestorben ist, und sind zum Schluss gekommen, dass die schreckliche Krankheit jederzeit zurückkehren könnte.

Die Pest fiel über die Menschheit mehrere Male seit ihrem Bestehen her und raffte jedes Mal eine enorme Zahl von Menschenleben dahin. Die schrecklichste Epidemie trug sich während der Regierungszeit des Kaisers Justinian I. im Jahre 541 unserer Zeitrechnung zu und tötete nach verschiedenen Schätzungen bis zu 100 Millionen Einwohner von Byzanz und Mittelmeerraum. Mitte des 14. Jahrhunderts befiel eine Pestepidemie Europa. Wegen des stürmischen und schweren Krankheitsverlaufs wurde sie als „schwarzer Tod“ bezeichnet. Zwei kurzzeitige Ausbrüche rafften das Leben von 35 Millionen Menschen hin. Ende des 19. Jahrhunderts begann die dritte Pestpandemie in China. Sie breitete sich rasch aus und traf am stärksten Hongkong und Bombay. Zwischen diesen größeren Epidemien kam es auch zu solchen, deren Dimension nicht so groß war, als es gelang, die Krankheit an einer Stelle zu lokalisieren. So verstarb Mitte des 17. Jahrhunderts ein Fünftel der Bevölkerung Londons an der Bubonenpest.

Lange Zeit gelang es den Wissenschaftlern nicht, die Herkunft der todbringenden Infektion zu ermitteln. Doch neuzeitliche Technologien halfen, ihre DNS zu entschlüsseln. Fachleute erforschten Skelette aus einer Grabstätte, die auf dem Territorium von Bayern im 6. Jahrhundert angelegt worden war, und aus einem Gemeinschaftsgrab in London, welches mit Mitte des 14. Jahrhunderts datiert wird. Und es stellte sich heraus, dass die Justinian-Pest stärker verbreitet worden war, als es zuvor gegolten hatte. Doch dann verschwand diese Abart der Erkrankung, und sie wiederholte sich dann nie mehr.

Ihre Verwandte aber, der „schwarze Tod“, tauchte wiederholt auf. Ja mehr noch: Auch heute kann man in verschiedenen Ecken der Welt Scharen von Nagetieren begegnen, welche Träger dieser Infektion sind. Das bedeutet, dass ein Mensch, der mit ihnen in Berührung kommt, erkranken und somit die Pestverbreitung ankurbeln kann. Es sei ejedoch einstweilen noch nicht möglich, dies zu verhindern und das Todesbakterium irgendwie zu vernichten, betont Professor Alexander Platonow, Leiter des Labors für Naturherd- und zoogenetische Infektionen am Zentralen Forschungsinstitut für Epidemiologie der russischen Verbraucherschutzbehörde:

„Bis heute hat die Menschheit von den besonders gefährlichen Erkrankungen nur die eine, die Pocken, zu vernichten vermocht. Denn mit den Pocken steckt sich ein Mensch von einem anderen Menschen an. Wenn wir so gut wie alle Menschen impfen, so unterbrechen wir die epidemiologische Kette, und für den Erreger einer solchen Erkrankung gibt es keinen Ausweg, so dass er verschwindet. Und jetzt bestehen die Pocken nur in speziellen Lagern, davon gibt es lediglich zwei in der ganzen Welt.

Viele andere besonders gefährliche Infektionen, beispielsweise die japanische B-Enzephalitis oder die gleiche Pest, sind Infektionen, die ohne den Menschen in der Natur wohlbehalten existieren. Ihre Überträger sind Vögel, Mäuse, Fledermäuse, eine enorme Zahl von Lebewesen. Da wir außerstande sind, alle Mäuse und Zieselmäuse von diesen Infektionen zu heilen, werden sie immer neben uns in der Natur bestehen. Das Wichtigste, worauf es ankommt, ist, ihnen keine Gelegenheit zu bieten, auf Menschen überzugreifen.“

Heute gibt es Vakzinen gegen die Pest. Man hat es gelernt, auf das Pestbakterium mit Antibiotika einzuwirken. Wichtig ist es nur, die Symptome der Krankheit rechtzeitig zu erkennen. Bedauerlicherweise geschieht das gewöhnlich erst dann, nachdem mehrere Menschen infolge der Infektion gestorben sind. Allein in den letzten drei Jahren wurden Todesfälle infolge von Pest in der Mongolei und in Kirgisien registriert. Ihre nächsten Nachbarn, darunter auch Russland, hatten Grund zur Aufregung. In Russland bestehe übrigens eine starke wissenschaftliche und praktische Basis, um das Wuchern der Erkrankung vom lokalen Niveau bis zur epidemiologischen Ebene zu unterbinden, dessen ist sich Nelli Sossjedowa, Ärztin und Biophysikerin, Leiterin des Projektes Epidemiolog.ru, sicher:

„In Russland bestehen ein einmaliger Antipestdienst und Antipestinstitute. Sie sind mit neuzeitlichen Methodiken gut ausgestattet. Der Staat unterstützt sie. Sie sind mit mobilen technischen Mitteln ausgerüstet und können bei solchen Fällen auf Grund von Signalen hinausfahren. Von Zeit zu Zeit werden bei ihnen Übungen durchgeführt. Es wäre noch hinzuzufügen, dass sich in Russland die medizinisch-biologische Industrie rasch entwickelt, insbesondere das Metschikow-Institut, Institut für Vakzinen und Seren in Sankt Petersburg, das Mikrogen-Institut, das Saratower RusNIPTschI (Russlands Antipest-Forschungsinstitut). Daher ist Russland imstande, beim Entstehen eines solchen Problems innerhalb einer kurzen Frist damit fertig zu werden.“

Darüber hinaus stellen Fachleute fest, dass das Pestbakterium in letzter Zeit nicht mehr so pathogen ist wie in den früheren Jahrhunderten. Das liefert einem den Grund zum Optimismus. Zugleich ist es nicht auszuschließen, dass der Erreger des „schwarzen Todes“ im Prozess der Evolution ausstirbt, wie es bereist mit der Justinian-Pest geschehen ist. Und er wird durch eine neue Pestinfektion abgelöst werden, gegen die zu kämpfen die Mediziner erst werden lernen müssen.

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