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21 Februar 2014, 08:10

Regimewechsel 2.0. Die Radikalen auf dem Maidan

Regimewechsel 2.0. Die Radikalen auf dem Maidan
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STIMME RUSSLANDS „In Kiew eskaliert die Gewalt: Scharfschützen schießen in die Menge“. Unter diesem Titel erscheinen die Nachrichten über die jetzige Lage auf dem Maidan und in der ukrainischen Hauptstadt, wo seit Wochen tausende Demonstranten gegen die legitime Regierung von Präsident Janukowitsch protestieren.

Die Medienmeldungen unterscheiden sich von Land zu Land. Deutsche Presseagenturen und TV-Sender verbreiten ohne müde zu werden die Informationen, laut denen die Regierung von Viktor Janukowitsch als das einzig Böse dargestellt wird. Wenige aber berichten von den Aufständischen, die nichts mit der ukrainischen Opposition zu tun haben. Das sind Rechtsradikale die nur ein Ziel verfolgen: die jetzige Regierung zu stürzen.

Warum wird man von den deutschen Medien nur einseitig unterrichtet? Das fragen wir den Regierungsberater und Publizisten Christoph Hörstel. Schönen guten Abend.

Ich grüße Sie. Im Prinzip haben wir es ja mit ganz knallharten Machtinteressen zu tun. Seit der Auflösung des Sowjetimperiums hat die Nato, hat die Europäische Union in allen ehemaligen Sowjetstaaten, ich will mal ganz salopp sagen, politisch herumgefummelt und hat versucht ihren Einfluss dort zu stärken. Wir hatten dann 2004 eine sogenannte orangene, oder auch Farbenrevolution, wir haben dann später gelernt, dass Farbenrevolutionen ein Markenbeispiel sind für eine vom amerikanischen Milliardär George Soros unterstützte Manufaktur für Revolutionen im amerikanischen Sinn.

War denn die orangene Revolution dann wenn man so will eine Generalprobe für das, was heute passiert?

Nein, das kann man nicht sagen. Sondern das war eine Generalprobe für viele andere Farbenrevolutionen die man probiert hat bis in den Iran hinein mit der grünen Revolution. Und das ist auch alles schon, wie soll man sagen, relativ weit gedrungen, das kann man überall googeln, das ist offen. Was wir jetzt in der Ukraine haben ist etwas neues. Man weiß jetzt, dass so eine Farbenrevolution in der Ukraine nicht klappt. Also nimmt man sozusagen die zweite Variante, Regimechange 2.0 würde ich das nennen und das folgt mehr so dem Muster von Libyen und Syrien.

Wenn ich die beiden Länder nenne, dann zuckt jeder schmerzhaft zusammen, weil er weiß, wie viele hunderttausende Tote das gekostet hat. Und was für Flüchtlingswellen das gegeben hat und wie schrecklich die Lage in beiden Ländern jetzt ist und tatsächlich, dies hier ist absolut brutal, es wird überhaupt nicht mehr auf Politik gesetzt, es sind regelrecht Nazis die den Maidan-Platz besetzt haben. Ganz klar anti-jüdische Leute mit radikalen Thesen, die auch gar nichts zu tun haben mit einer geordneten, politisch gefassten, sinnvollen Opposition. Wir dürfen ja eins nicht vergessen, es gibt ja sehr sinnvolle Oppositionsforderungen, es gibt Korruption und Unterdrückung in der Ukraine, das kann keiner wollen, aber ob man dann so einen von außen gesponserten Brutalo-Aufstand in der Hauptstadt will, das ist noch eine große Frage.

Aber wenn man das Ganze jetzt mal weiter denkt, wenn diese Rechtsradikalen an die Macht kämen und tatsächlich diese Option hätten, wohin würde die Ukraine denn dann steuern?

Das ist ja ausgeschlossen. Das ist das verrückte an der Sache. Das sind 20.000 Leute die da das Zentrum der Hauptstadt aufmischen können, aber die wären ja nicht einmal in der Lage die Macht in der ganzen Stadt an sich zu reißen oder auch nur in der halben. Es geht tatsächlich um diesen einen Platz, da konzentrieren sich alle westlichen Kameras und da kann man wunderschön dann zu den Bildern die man sich ja auch nicht genauer angucken soll erklären, hier würde also die berechtigte Opposition unterdrückt. Das hier unter hohem Blutzoll die Polizei versucht mit höchst defensivem Vorgehen einfach nur die notwendigen Gebäude vor absolut durchgedrehten, bewaffneten Kriminellen zu schützen, das wird natürlich nicht gesagt.

Aber wenn man sich die Videos im einzelnen anguckt, kann man sehen, wie ganz geschickt einzelne Polizisten von ihren Truppen abgeschnitten werden und dann buchstäblich auf der Straße tot geschlagen werden. Und ich kann aus meiner langjährigen Erfahrung nur sagen, da sind auch Agenten drunter. Sehr gut trainierte Leute die außerordentlich geschickt vorgehen und gut schießen können. Und mit diesem Schießen in beide Richtungen hat es ja auch in Syrien angefangen.

Um zu der ursprünglichen Frage zurückzukehren, Sie waren ja auch jahrelang als Auslandskorrespondent bei der ARD tätig, kann man die heutigen Massenmedien, zum Beispiel in Deutschland, denn dann eigentlich noch als zensurfrei bezeichnen, wenn eben immer nur diese Grüppchen auf dem Maidan gefilmt werden?

Nein, das weiß jeder. Mein Name ist eben genau mit diesem Entschluss verknüpft, mein Gesicht nicht mehr diesen Sendern zu Verfügung zu stellen, weil ich nicht möchte, das mein Gesicht mit diesen absoluten Lügen und Tatsachenverdrehungen, ich spreche ja von bewusster Desinformation, in Zusammenhang gebracht wird. Niemand kann dem mehr Glauben schenken. Wir haben ganz andere Dinge, ich sage mal jetzt hier live auf dem Sender, gucken Sie auf hintergrund.de, da ist gestern ein sehr gut belegter Aufsatz erschienen, daran kann man sich halten und das andere was hier in den typischen deutschen oder westlichen Großmedien kommt, ist einfach Mumpitz.

Herr Hörstel 2013 haben Sie die Partei Deutsche Mitte gegründet. Unter anderem steht die Deutsche Mitte für Freundschaft mit allen Völkern, also Schluss mit Einmischungspolitik. Kann man im 21. Jahrhundert denn als Land noch unabhängig bleiben?

Das ist eine sehr gute Frage und da bin ich mir ganz sicher dass man das kann, aber man ist natürlich dann eingebunden in Systeme. Deutschland ist in die Nato eingebunden, Deutschland ist in die EU eingebunden, die Frage ist, was machen wir da? Und wenn allerdings solche Bündnisse dazu taugen, in unangenehm dümmlicher Weise und auch sehr kurzsichtig zum Beispiel Russland auf die Pelle zu rücken, indem man einfach das vergleichbar kleinere Land Ukraine mit 46 Millionen Einwohnern über den Schnabel nimmt, dann sind das Politiken, die meines Erachtens mehr so ins vorletzte Jahrhundert gehören. Das ist schon bei Hitler nicht gut gegangen, der erste Weltkrieg ist schief gelaufen, Deutschland sollte sich an diesem Blödsinn nicht beteiligen, auch wenn Washington ihn anordnet.

Abschließend, was würden Sie als Parteivorsitzender der Mitte denn raten, wie sollte sich die Ukraine verhalten, oder sollte es vielleicht auch von außen noch Kräfte geben, die deeskalierend auf die Ukraine einwirken könnten?

Also ganz klar, die Ukraine hat nicht eskaliert. Das ist von außen passiert. Die Ukraine hat alles getan um zu deeskalieren, bis hin zur Bereitwilligkeit die komplette Regierung der Opposition in die Hand zu drücken, also Herrn Klitschko und Herrn Jazenjuk. Hier haben wir es also mit ausländischer Einmischung zu tun und wenn man fragt was kann man tun, dann kann man sagen: die Ukraine sollte ihre Hausaufgaben innenpolitisch machen: Das heißt die berechtigten Forderungen der Opposition erfüllen und im übrigen sollte sie genauso deeskalierend wirken und versuchen zwischen den Kraftblöcken, zwischen Russland und der EU zu bleiben, denn dann kann es der Ukraine gut gehen, aber im Zweifelsfall soll sie sich lieber an Russland halten als an die EU. Denn die EU hat mit der Ukraine nichts gutes vor.

Also das Zerren um die Ukraine wird wahrscheinlich noch weitergehen. Ich bedanke mich bei Christoph Hörstel.

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