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26 Februar 2014, 22:10

Weltweit wieder mehr Konflikte und Kriege

Weltweit wieder mehr Konflikte und Kriege
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STIMME RUSSLANDS Weltweit gibt es so viele Konflikte wie seit dem Zweitem Weltkrieg nicht mehr. Über 400 sind das, 20 davon sind Kriege. Die Zahlen dazu stammen vom Heidelberger Institut für internationale Konfliktforschung. Das hat das neue Konfliktbarometer veröffentlicht. Hendrik Polland im Interview mit Fiona Byrne vom HIIK.

Worin unterscheiden sich die Konflikte?

Wir haben verschiedene Intensitätsstufen von eins bis fünf. Eine eins ist eben ein gewaltloser Disput. Die zwei ist auch gewaltlos. Bei der drei wird es dann schon gewalttätig. Die vier ist intensiver und die fünf ein Krieg.

Wenn wir zu den Kriegen schauen: das sind 20 im vorigen Jahr gewesen. In welchen Ländern sind die Menschen am meisten davon betroffen?

Von der Intensität ist Afrika das am meisten betroffene Land.

Was sind die Gründe dafür zum Beispiel in Afrika?

Wir haben Gegenstände wie territoriale Streits, wir haben Autonomiekonflikte, aber eben auch Konflikte um die Ausrichtung des politischen Systems oder um nationale Macht. In Afrika ist es so, dass die häufigsten Konflikte eben nationale Macht und Ressourcen sind und die Vorherrschaft in einem bestimmten Gebiet in einem Land.

Auffällig ist, dass die Konflikte nicht mehr zwischen zwei Staaten stattfinden. Von welcher Art sind diese Konflikte im vorigen Jahr gewesen?

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und des Kalten Krieges sind immer mehr innerstaatliche Konflikte aufgebrochen, die vorher gar nicht so beobachtet wurden. Das ist auch ein Trend, der weiter anhält.

Woher kommt dieser Trend?

Es ist nicht mehr diese offizielle Kriegserklärung. Es sind eher Streits im eigenen Land um nationale Macht oder Systemkonflikte. In Südamerika gibt es zum Beispiel viele gewaltvolle Konflikte, die sich um Ressourcen drehen zwischen Drogenkartellen und der Regierung. Es gibt zwei Kriege in Asien, auf den Philippinen und in Pakistan. Wir haben auch Kriege im Vorderen und Mittleren Orient.

Welche Art von Konflikt ist das dort?

In dieser Region sind es Systemkonflikte. Es geht um die Ausrichtung des politischen Systems. Der klassische Fall wäre zum Beispiel zwischen islamistischen Gruppierungen und der Regierung, um die Ausgestaltung der politischen Systems.

Die Zahl der Konflikte ist so hoch wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Woran liegt das?

Das liegt daran, dass nach dem Kalten Krieg viele innerstaatliche Konflikte, die schon geschwelt haben, ausgebrochen sind. Dann liegt es aber auch an verfügbaren Informationen. Spätestens seit dem Internet haben wir gerade für Afrika viel mehr Informationen, als wir sie noch vor zwanzig Jahren hatten.

Weiten sich die Konflikte tendenziell noch aus?

Das würde ich so nicht sagen. Natürlich sieht es erst einmal so aus, als würde die Welt immer kriegerischer und grausamer werden. Aber es gibt natürlich auch viele Konflikte, die wieder deeskalieren. Die teilweise sogar beendet werden. In Europa unterstehen Konflikte vielen Regeln. Das heißt, Lösungsansätze werden immer wieder über Verhandlungen gesucht. Solche Konflikte finden auch immer wieder ein Ende. In Afrika passiert das aber genauso.

Welche Konflikte haben wir in Europa?

In Europa haben wir viele Konflikte um Autonomie, in Spanien die ETA, in Korsika die Separatisten. Wir haben den Schottlandkonflikt, den Nordirlandkonflikt, aber auch Identitätskonflikte im ehemaligen Jugoslawien. In Belgien haben wir auch einen politischen Konflikt. Dann natürlich der neu aufgekommene Konflikt in der Ukraine.

Wie sieht es in Russland aus?

Wir haben den Oppositionskonflikt zwischen den oppositionellen Gruppen und der Regierung unter Putin. Da sind Konflikte die nationale Macht, aber auch die Ausrichtung des politischen Systems. Wir haben Konflikte im Nordkaukasus. Einmal zwischen den islamistischen Militanten, die dort ein Kalifat errichten wollen. Aber auch zwischen Russland und den baltischen Republiken über den Status der Russen, auch um das Territorium. Es gibt da doch eine ganze Reihe.

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