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8 März 2014, 14:01

Korruption: das „Schattenloch“ Europa

Korruption: das „Schattenloch“ Europa

STIMME RUSSLANDS Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse in der Ukraine, wo man auf unzivilisierte Weise sein Bestreben zu rechtfertigen versucht, „zivilisierte Europäer“ zu werden, habe ich mich mit dem „Schattensektor“ der Europäischen Union befasst.

Die Experten in Brüssel verhehlen nicht, dass die Schattenwirtschaft stabil ist und heute auf 2,2 Billionen Euro geschätzt wird.

Die informelle Wirtschaft blüht in Bulgarien, Rumänien und den Mittelmeerstaaten. Griechenland und Italien sind führend. In Rom sagt man, würden die „Schattenakteure“ mit ernsthaften Steuern belegt, wären im Handumdrehen alle Schuldenprobleme Italiens vom Tisch. Doch bisher macht der „graue“ Sektor der italienischen Wirtschaft nach verschiedenen Einschätzungen zwischen 21 und 30 Prozent aus. Besonders stark sind die Verluste im Bausektor, bei den Dienstleistungen, in der Landwirtschaft und in der Fischerei. Niemand hat jemals versucht, sich Klarheit hinsichtlich der Unterhaltungsindustrie und des Showbusiness zu verschaffen. Außer den Stars, die bestrebt sind, regelmäßig Steuern abzuführen, waren alle Unterhaltungsunternehmen immer im Schatten angesiedelt.

Die Schattenwirtschaft in der EU ist ein weiter Raum, in dem keine (nach dem Strafgesetzbuch) schweren Verbrechen begangen werden – dort wird nicht mit Drogen gehandelt, werden keine Prostituierten angeboten, keine Banken ausgeraubt oder Ähnliches. Es werden nur „einfach“ administrative Regelungen, Beamtenwillkür und hohe Steuern jeder Art umgangen. Den „Umweg“ beschreiten ausnahmslos alle – von reifen Geschäftsleuten bis zu gewöhnlichen Rentnern, Hausfrauen und Angestellten. Sie sind fest davon überzeugt, dass sie zu wenig Geld für ihre Arbeit bekommen. Auch in Portugal sieht es nicht anders aus.

Die Griechen belegen bei der „Schatten-Europameisterschaft“ seit Jahren den ersten Platz. Griechenland schafft 40 Prozent seiner Produktion und Dienstleistungen auf die Schattenseite. Die ehemaligen Länder des sozialistischen Lagers, die noch nicht lange in der EU sind, haben schnell begriffen, dass die Schattenwirtschaft ihnen wunderbare Möglichkeiten zur Anhebung des Lebensstandards eröffnet. Alle stürzen sich in den Kapitalismus, wobei sie zusehen, dem heimischen Staat keine Steuern zu zahlen.

Es ist völlig unrealistisch, die Ausmaße der Schattenseite genau zu berechnen. In Brüssel bedienen sich die Beamten gewöhnlich der ganz einfachen Methode, die Ein- und Ausnahmen der Bevölkerung der EU-Länder gegenüberzustellen. Wenn ihr mehr ausgebt als ihr verdient habt, ist klar: euer Einkommen kommt aus dem Schatten.

Die französische Zeitung „Le Mond“ hat die Struktur der Schattenwirtschaft in der EU im Ganzen veröffentlicht. Laut „Le Mond“ gehen 66,5 Prozent davon auf die Arbeit von nicht deklarierten Arbeitskräften zurück. Sie sind vor allem auf dem Bau, in der Landwirtschaft und bei häuslichen Arbeiten im Einsatz. Vor den Steuerbehörden verheimlichte Einkünfte (Einzelhandel, Bars und Restaurants, Taxi usw.) machen die restlichen 33,5 Prozent aus.

Nimmt man die Zahlen für Deutschland, Spanien, Italien, Polen und Rumänien, so ist die Verbreitung der Schattenwirtschaft dort im Durchschnitt auf verschiedene Wirtschaftssektoren verteilt – fast 35 Prozent im Bauwesen, 25 Prozent im Groß –und Einzelhandel, etwas weniger als 25 Prozent in der Verarbeitung und knapp 20 Prozent im Hotel- und Restaurantwesen.

Experten sind der Meinung, die „Haupthefe“ der Schattenwirtschaft sei das Bargeld. In entwickelten Ländern, wo elektronische Zahlungssysteme weit verbreitet sind, gibt es sehr viel weniger „Schatten“. In Großbritannien und den Niederlanden zahlen die Bürger gern mit elektronischem Geld. In Kroatien, Bulgarien und Rumänien liebt man das Bargeld, und im Schatten bleiben enorme Summen liegen.

Die Schwergewichte, auf die in der absoluten Berechnung der Hauptanteil (68 Prozent) der Schattenwirtschaft der EU entfallen, zeigen folgende Zahlen auf: Deutschland hat bei einem BIP von 2.566 Milliarden Euro einen Schattenwirtschafts-Anteil von 13,7 Prozent; Frankreich kommt bei einem BIP von 2.001 Milliarden Euro auf 220,2 Milliarden Euro (elf Prozent); Großbritannien hat ein BIP von 1.728 Milliarden Euro, im Schatten werden 190 Milliarden Euro (elf Prozent) abgelegt. Italien besitzt ein BIP von 1.589 Milliarden Euro, die Schattenwirtschaft macht 336,8 Milliarden Euro (21,2 Prozent) aus.

Europa verfügt über die größte Wirtschaft der Welt. Aber wenn Brüssel keinen Weg findet, um die „Schattenkrankheit“ zu besiegen, könnte diese in naher Zukunft den Zerfall der EU beschleunigen.

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