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13 Juni 2014, 19:04

Nato-Bombenkrieg in Jugoslawien: Das Sterben geht weiter

Nato-Bombenkrieg in Jugoslawien: Das Sterben geht weiter

STIMME RUSSLANDS Die Welt ist im WM-Fußball-Fieber. Den ganzen Tag über flimmern die Fernseher, die Menschen sind vollauf beschäftigt mit Tipp-Listen und „Public- oder Privat-Viewing“. Schnitt! In dieser Woche, am 10. Juni, jährte sich die Aussetzung des Nato-Bombenkriegs in Jugoslawien zum 15. Mal. Kaum jemand berichtete darüber, obwohl es sich um die größte militärische Auseinandersetzung auf dem Gebiet von Serbien und Montenegro seit dem Zweiten Weltkrieg gehandelt hatte. Jugoslawien gibt es nicht mehr, das Land zerfiel in seine Einzelteile, so wie jetzt auch die Ukraine. In dem dreimonatigen Luftkrieg wurde Jugoslawien nachhaltig vernichtet, denn die Nato benutzte Uran-abgereicherte Bomben, hochgiftigen Atommüll! Die Krebsrate steigt und steigt.

Er war ein Albtraum, dieser Nato-Bombenkrieg zwischen dem 24. März und 10. Juni 1999, dessen Deckname "Operation Allied Force“, also "Unternehmen Bündnisstreitmacht“ lautete, obwohl dieser Krieg außerhalb eines Bündnisfalls lag. Dass für diesen militärisch hochbrisanten Einsatz kein ausdrückliches UN-Mandat existierte, störte damals nur Wenige. Anführer der Militäroperation waren die Vereinigten Staaten von Amerika, ihre Luftstreitkräfte setzten mit zeitweise über 1.000 Kampfflugzeugen einen größeren Prozentsatz ein als während des gesamten Vietnam-Krieges. Hunderttausende Menschen waren auf der Flucht, fast tausend jugoslawische Dörfer und Städte wurden zerstört.

Ich erinnere mich an die Aufregung damals in der Tagesschau-Redaktion: Sonderschichten wurden eingelegt, Journalisten und Sprecher mussten rund um die Uhr Dienst schieben, alle waren aufgeregt. Man wollte Jugoslawien „retten“. Ach, ja? In Deutschland wurden zahlreiche öffentliche Veranstaltungen abgesagt, aus „Solidarität“ mit unseren jugoslawischen Freunden. Prominente gaben vor laufender Kamera ihre Betroffenheit kund, wollten nicht mehr feiern, nicht mehr in Urlaub fahren. In den Talkshows gab es nur ein Thema: Ergriffenheit und Rührung. In den Nachrichten meldeten wir, der Einsatz sei ein „sauberer Krieg“, die Waffen arbeiteten „präzise“, die Nato bombardiere ausschließlich Militärstützpunkte, und nicht zivile Standorte.

Die Wahrheit sah anders aus, die Bomben zerstörten Wohnhäuser, Schulen, Kindergärten. Auch Krankenhäuser wurden getroffen. Tausende Menschen starben, Hunderttausende wurden verletzt. Viele sind bis heute traumatisiert. Die Brüsseler Propaganda-Zentrale der Nato sprach damals von „Kollateralschäden“. Niemand teilte der Öffentlichkeit mit, dass diese Schäden bis heute anhalten, auch damals wurde nicht offiziell darüber berichtet.

Ein deutscher Journalist, in Sarajewo geboren, führte kürzlich ein Interview mit einem der führenden Chirurgen des Instituts für Onkologie in Belgrad, Prof. Dr. Radan Džodić. Der Mediziner operiert und behandelt Krebspatienten, deren Zahl seit Jahren besorgniserregend ansteigt. Er gibt Auskunft: „In den letzten zehn Jahren hat sich in Serbien die Zahl der Erkrankungen von Schilddrüsenkrebs um 300 Prozent erhöht. Das liegt daran, dass die Nato unsere Region als Abladeplatz für Atommüll genutzt hatte. Wir wissen immer noch nicht, wie viele Bomben mit abgereichertem Uran über unserem Land abgeworfen wurden.“ Die Regierung veröffentliche keine ernsthaften Studien zu den Auswirkungen dieser Bomben, so Džodić: „Wir sind nur Ärzte, und unsere Aufgabe ist es, die Menschen zu behandeln. Ich arbeite hier seit über 40 Jahren als Chirurg in der Onkologie, und als Arzt kann ich nur sagen: Der Krebs wird immer aggressiver, er greift jetzt auch jüngere Menschen an und macht sie lebensunfähig.“ Kleine Kinder und Jugendliche werden auf seiner Station behandelt, viele sind dem Tode geweiht. Wer berichtet? Wer ist betroffen?

Wie es heißt, sollen beim Nato-Luftkrieg über Jugoslawien tatsächlich massenhaft DU-Geschosse (depleted uranium) abgefeuert worden sein, Waffen mit abgereichertem Uran, panzerbrechende Munition mit hoher Durchschlagskraft. Es handelt sich um Atommüll, dessen Endlagerung immer teurer wird. Es sei schwierig, ein Land zu finden, wo die hochgiftigen Stoffe ohne Öffentlichkeit „endgelagert“ werden können, heißt es. Wissenschaftler warnten schon 1970, als die USA damals damit begannen, diesen Atommüll bei der Herstellung von Munition zu verwenden: Dieses Uran ist nämlich nicht nur radioaktiv, sondern auch chemisch giftig. Die Halbwertzeit von Uran beträgt über vier Milliarden Jahre.

Die bosnisch-serbischen Länder sind heute vergiftet, die Gewässer verseucht. Niemand spricht darüber. Das Uran arbeitete sich durch die Erde und gelangte ins Grundwasser, wird der Toxikologe Radovan Kovacevic zitiert. „Unsere Tierärzte aus Vranje haben bereits ein hohes Wachstum von Leukämie bei Ziegen, Schafen und Kühen festgestellt.“ Er berichtet, dass an manchen Stellen die Uran-Geschosse in die dörflichen Brunnen gefallen sein. „Wir untersuchten die Bauern, die versucht hatten, die Brunnen zu säubern. Bei ihnen haben wir 3.759 Nanogramm Uran-238 pro Liter Urin gefunden. Zum Vergleich: bei den Friedenssoldaten im Kosovo und deren Krebspatienten wurden in einem Liter Urin 231 Nanogramm, und im Urin eines US-Soldaten nach dem Krieg im Irak 150 Nanogramm gefunden.“ Natürlich seien die Bauern kurze Zeit später gestorben. 

In Serbien wird heute täglich bei mindestens einem Kind Krebs diagnostiziert. „Die Nato hat uns nicht nur während der Bombenangriffe getötet. Die Nato tötet unsere Nation seit fünfzehn Jahren ununterbrochen, und die Zahl der Opfer wächst,“ so der Toxiloge Kovacevic.

Es ist heute schwer nachprüfbar, ob folgender Satz stimmt, doch so wird es behauptet. Ein amerikanischer Nato-General soll einmal gesagt haben: „Ein Jahrzehnt Kriege wie im Irak, und wir sind den gesamten Atommüll losgeworden!"

Das nächste Kapitel steht jetzt an: Die Ukraine. Die Anzeichen sind genau dieselben wie einst in Jugoslawien. Oder im Irak, in Libyen… Hier sah die Weltöffentlichkeit ebenso voller Hoffnung auf die „Retter“: die Nato. Wir sollten Jugoslawiens grausame Kriegs-Geschichte nicht vergessen, denn sie ist noch längst nicht zu Ende. Auch wenn die Fußball-WM in Brasilien derzeit unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.

 

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