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24 Juli 2014, 16:21

Erdoğan: Malaysia-Boeing wurde von Russland abgeschossen

Erdoğan: Malaysia-Boeing wurde von Russland abgeschossen
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STIMME RUSSLANDS Warum macht der Präsidentenkandidat Erdogan antirussische Erklärungen?

Der Wahlkampf in der Türkei läuft zurzeit auf hohen Touren. Die Kandidaten kämpfen für Wählerstimmen. Schon am 10. August wird das Schicksal der Türkei bestimmt sein. Jedes Wort, jedes Auftreten der Kandidaten werden sehr aktiv in Massenmedien beleuchtet. Alles, was die Kandidaten sagen, bekommt zusätzliche ungewöhnliche Bedeutungen.

Der Präsidentenkandidat Erdoğan leistete seinen Beitrag zur Diskussion über das über der Ukraine abgeschossene Flugzeug, in dem alle Passagiere und die Bordcrew ums Leben kamen. Laut Meldungen der türkischen Zeitschriften (nicht nur aus der Opposition), sagte Herr Erdoğan, dass das Flugzeug von Russland abgeschossen wurde, was bedeutet, dass der Präsidentenkandidat die volle Verantwortung dafür der russischen Seite zuschob.

Um klar zu verstehen, warum Herr Erdoğan eine solche überzeugte Erklärung macht, muss man über die politische Lage in der Türkei informiert sein.

Die Türken haben noch im Gedächtnis den Fall, der mit dem Abhören von Telefongesprächen zwischen dem Geheimdienstleiter und dem Außenminister, und wie die oppositionellen Aktivisten diese Information gegen Erdoğan benutzen wollten. Außerdem erinnern sich alle an den Korruptionsskandal, in den die Familie Erdoğans und ihre Kollegen verwickelt sind.

Es ist eindeutig, dass Erdoğans Gegner nun mal nicht schlafen und auf Draht sind. Sie benutzen alle Möglichkeiten, die Reputation des Ministerpräsidenten zu beschädigen. Es sei betont, dass die Gegner wirklich einflussreich sind, deswegen muss sich Herr Erdoğan oft verteidigen.

Antirussische Erklärungen können dem Ministerpräsidenten helfen

Die Vorwürfe, Russland habe das Flugzeug abgeschossen, sind nur populistische Erklärungen und es lohnt sich nicht, es auf die Goldwaage zu legen. Diese Erklärung kann nur ein Schauspiel sein, das die Wähler so brauchen. Umso mehr ist unter den türkischen Bürgern das Thema der Krim und den Krim-Tataren sehr aktuell. In dieser Situation soll Erdoğans Kritik an Russland sein Ranking verbessern.

Heute benutzen Politiker solche Tricks vor den Wahlen sehr oft. Umso mehr versteht Herr Erdoğan, dass seine Gegner ihn bei den Angriffsflächen abfassen können.

Diese Erklärung ist weder außenpolitisch bedeutend, noch reflektiert sie sein persönliches Verhalten Russland gegenüber. Sollte sich diese Frage nach den Wahlen noch aktualisieren, würde er betonen, er sei nicht korrekt verstanden worden. In der Tat ist Herr Erdoğan ganz pragmatisch, und macht wohl kaum die Sachen, die der türkischen Wirtschaft schaden könnten.

Die Türkei wirft die Frage von der Bildung einer Freihandelszone mit der Zollunion, die Russland, Weißrussland und Kasachstan umfasst. Dies sagte nach Verhandlungen mit dem türkischen Wirtschaftsminister Nihat Zaybektschi der russische Minister für wirtschaftliche Entwicklung Ulukajew. Die Verhandlungen fanden im Rahmen des Treffens von G20-Wirtschaftsministern in Australien statt. Bei diesem Treffen besprachen die Minister weitere Zusammenarbeit, darunter die Bildung einer Freihandelszone zwischen der Zollunion und der Türkei.

Unter den türkischen Handelspartnern nimmt Russland die zweite Stelle nach der Europäischen Union ein, und die Türkei ist der achtwichtigste Handelspartner Russlands. Im Jahr 2013 war der Handelsumsatz zwischen diesen Ländern 32,7 Milliarden Dollar. Wegen der Wirtschaftskrise nimmt der Handelsumsatz etwas ab. Allerdings verschärft sich der Handelsumsatz in der ersten Jahreshälfte.

In diesen Verhandlungen schlug die türkische Seite vor, bei gegenseitigen Verrechnungen auf Nationalwährungen zu wechseln. Diese Maßnahme kann wirtschaftliche Beziehungen zwischen Russland und der Türkei stimulieren. Bei den Verhandlungen betonte der türkische Minister, dass die Türkei in Russland ein Transportlogistikzentrum gründen wolle, das mit den See- und Flughäfen, den Eisen- und Autobahnen verbunden wäre. Die Minister einigten sich, diese Fragen weiter in Istanbul im September zu besprechen.

Es gibt viele indirekte Faktoren, die darauf hinweisen, dass die Türkei viel flexibler, als die türkische Rhetorik ist. Zum Beispiel unterzeichnete der russische Regierungschef Medwedew am 7. Juni 2014 eine Anordnung über die Wiederaufnahme der internationalen Flugverbindung zwischen Simferopol und Istanbul. Es ist das erste Mal nach der Eingliederung der halbinsel, dass Flugzeuge aus der Krim ins Ausland fliegen. Das erste Flugzeug flog aus der Hauptstadt der Krim nach Istanbul. Der Leiter der Region Aksjonow nannte dieses Ergebnis bedeutsam.

Allerdings betonte die Ukraine im März, dass alle Flughäfen auf der Krim offiziell geschlossen sind. Die ukrainische Regierung sagte, dass der Luftraum über der Halbinsel der Ukraine gehör. Daher belegte die ukrainische Seite Russland mit 200 Millionen Griwna Strafe und wird die Auszahlung durchh Russland im internationalen Gericht auskämpfen.

In der Realität können wir sehen, dass die türkische Regierung keinen Populismus zeigt, sondern ein Streben nach Partnerschaft mit Russland. Die Türkei nimmt Russland adäquat wahr und versteht die Vorteile der Partnerschaft mit dem größten Land der Welt.

Russland und die Türkei müssen noch lernen, zusammen zu spielen, und gegenseitig Solidarität zu üben. Die unten genannten Zahlen weisen gerade darauf hin und nicht auf etwas Anderes. Die Seiten hängen voneinander ab, und Partnerschaft ist besser als Gegnerschaft, besonders in den heutigen internationalen Beziehungen.

Der heutige arabisch-israelische Widerstreit kann eine effektive Grundlage für die Solidarisierung beider Staaten liefern. Beide Länder verurteilten die Gewaltanwendung durch Israel. Israel tötet tatsächlich palästinische Kinder in Gaza und das wurde klar von Putin und Erdoğan betont.

Russland und die Türkei könnten als eurasische Staaten viel effektiver zusammen mit Europa arbeiten, als separat. Deswegen ist die Annäherung der Staaten wirtschaftlich sehr wichtig, sondern auch geopolitisch.

Russland und die Türkei werden nie für Europa genug europäisch sein. In dieser Situation müssen sich die Staaten andere Kombinationen auf dem Schachbrett überlegen.

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