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11 August 2014, 21:05

Reporter Ohne Grenzen sagt: Macht den Namen von Andrej Stenin öffentlich

Reporter Ohne Grenzen sagt: Macht den Namen von Andrej Stenin öffentlich
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STIMME RUSSLANDS Andrej Stenin, ein Fotojournalist der für die russische Medienholding Rossiya Segodnya in der Ukraine gearbeitet hat wird seit dem 5. August vermisst. Laut Informationen von RIA Novosti wird er vom ukrainischen Sicherheitsdienst in Saporoschje festgehalten. Bolle Selke sprach mit Christian Mihr von Reporter Ohne Grenzen darüber, was sich in so einem Fall unternehmen lässt.

Herr Mihr, vielen Dank für das Interview. Laut Ihrer Homepage sind zurzeit 178 Journalisten in Haft. Was ist Ihrer Einschätzung nach die größte Gefahr für Journalisten in Krisengebieten?

Na die größte Gefahr für Journalisten in Krisengebieten ist, dass sie von Konfliktparteien vereinnahmt werden sollen, weil unabhängige Berichterstattung in Krisen- und Konfliktgebieten vielen Konfliktparteien ein Dorn im Auge ist – und deswegen sind Journalisten, die unabhängig Berichten wollen immer fast überall in Gefahr. 

Gibt es besondere Maßnahmen die man als Journalist ergreifen sollte wenn man in ein Krisengebiet geht um von dort zu berichten? 

Es gibt ganz unterschiedliche Dinge. Zum einen sollten Journalisten sich auch ganz praktisch schützen. Wenn es wirklich in richtige Krisen- und Konfliktgebiete geht, sollte man sich auch durch Schutzwesten gegen kriegerische Handlungen und Waffengewalt wehren. Schutzwesten kann man kaufen oder auch von Redaktionen bestellen. 
Ein Problem in vielen Krisen- und Konfliktgebieten ist, dass die Auslandskorrespondenten freie Journalisten sind. Diese sollten sich auch immer gut überlegen wie sie für Risiken versichert sind und eventuell Versicherungen abschließen. Man sollte sich allerdings auch klar machen, mit wem man vor Ort zusammenarbeitet. Man verlässt sich ja auch auf Quellen und muss diese einschätzen können. Da ist auch eine regionale Kompetenz sehr wichtig, weil die Lage in vielen Konflikt- und Krisengebieten manchmal sehr verworren ist.

Als letzter Punkt ist es wichtig sich über Datenschutz Gedanken zu machen, gerade was die Kommunikation online betrifft. Weil wir in vielen Krisen- und Konfliktgebieten eine Überwachung durch alle Kriegs- und Konfliktparteien beobachten.

Wenn ein Journalist nun bei so einem Einsatz festgenommen wird, was gibt es für Möglichkeiten um ihm zur Hilfe zu kommen? 

Zum einen, wenn ich jetzt mal aus der Sicht von Reporter Ohne Grenzen spreche, versuchen wir natürlich, wenn das hilfreich ist, Öffentlichkeit zu schaffen. Nicht immer ist Öffentlichkeit ein Schutz, aber sehr oft ist sie es. Öffentliches Nennen von Namen von Journalisten, die wegen unabhängiger Berichterstattung in Haft geraten sind, kann Mächtige und Konfliktparteien unter Druck setzen, so dass diese dem Menschen oder dem Journalisten der in Haft ist nichts antun. Manchmal kann das auch in sehr undurchsichtigen Situationen schwierig sein, deswegen muss man das immer gut überlegen. 

Wenn wir von Reporter Ohne Grenzen Hinweise haben, dass jemand wegen seiner journalistischen Tätigkeiten in Haft ist, dann ist es auch manchmal so, dass wir im Rahmen unserer Nothilfearbeit zum Beispiel Haftkautionen übernehmen.

Am 5. August ist der Kontakt zum russischen Fotoreporter Andrej Stenin in der Ukraine abgebrochen. Wahrscheinlich wird er vom ukrainischen Sicherheitsdienst festgehalten. In der Statistik auf Ihrer Homepage habe ich keine Journalisten in Haft in der Ukraine gesehen. Wird das noch nachgebessert? 

Natürlich aktualisieren wir das auch. Zum Fall Andrej Stenin kann ich sagen, zunächst einmal verurteilen wir natürlich jegliche Entführungen von Journalisten die stattfinden, von jeder Seite. Nach unseren Recherchen haben wir jetzt im Moment noch keine eindeutigen Belege von welcher Seite er entführt wurde, deswegen fordern wir im Fall Andrej Stenin, wer auch immer ihn entführt hat auf jeden Fall dazu auf ihn frei zu lassen, sofort und bedingunslos! 

Die Beauftragten für Medienfreiheit der OSZE Dunja Mijatović hat schon ja auch am 05. August schon eine Pressemitteilung herausgegeben, aus der hervor geht das 5 Journalisten in der Ukraine verschwunden sind. 

Reporter Ohne Grenzen haben ja auch immer in der Vergangenheit das Verschwinden von Journalisten in der Ukraine kritisiert und auch öffentlich dazu Stellung bezogen. Das haben wir auch regelmäßig gemacht, das ist ja leider eigentlich seit Ausbruch des Krieges ein trauriges Phänomen was vorkommt. 

Sie haben ja schon erwähnt, dass Reporter Ohne Grenzen die Entführer von Andrej Stenin auffordert diesen frei zu lassen. Was kann man denn noch in diesem konkreten Fall unternehmen? 

Zunächst einmal seinen Namen natürlich öffentlich machen. So, dass die Konfliktparteien auch zur Kenntnis nehmen, dass der Fall von Andrej Stenin, so wie der Fall von anderen Journalisten auch in der öffentlichen Wahrnehmung ist. Dass ist das was für den Moment erstmal getan werden kann.

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