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30 September 2014, 15:33

Amerika im Verdacht eines „hybriden Krieges“ gegen Russland

Amerika im Verdacht eines „hybriden Krieges“ gegen Russland

STIMME RUSSLANDS Eine direkte militärische Konfrontation zwischen Russland und Amerika ist kaum wahrscheinlich – da stimmen russische Experten dem US-Präsidenten zu. Ein Analyst spricht aber von einem Krieg, der andere Mittel kombiniert. Russische Parlamentarier verzichten unterdessen auf einen geplanten Besuch in den USA.

„Wir stecken längst in einem Kalten Krieg“

Der auswärtige Ausschuss des russischen Föderationsrates (Oberhaus) hat den geplanten USA-Besuch seiner Mitglieder abgesagt, und zwar wegen der geltenden Sanktionen gegen Moskau. Das berichtete am Dienstag die russische Tageszeitung „Iswestija“. Andrej Klimow, Vizechef des Ausschusses, sagte, es sei nicht richtig, die „Amerikaner bei jeder Gelegenheit zu begrüßen“, während der US-Präsident Russland als Bedrohung für die Welt einstufe.

Der russische Politik-Experte Sergej Markow sagte dem Blatt: „Wir stecken längst in einem Kalten Krieg mit den USA. Mehr noch, es geht mittlerweile um eine Situation des hybriden Krieges, d.h. um eine Kombination von Sanktionen sowie von Diplomatie-, Wirtschafts- und Informationskrieg.“ In diesem Sinne erlebe Russland derzeit eine Aggression durch „Washingtons Kriegspartei“.

Der Abgeordnete der russischen Staatsduma (Unterhaus), Wassili Lichatschow, sagte im Hinblick auf die westlichen Sanktionen: „Auf Washingtons Bitte hat die EU ernste politische Entscheidungen getroffen, ohne ihre Konsequenzen vollständig analysiert zu haben. Europa erwarten nun schwere Zeiten. Während die USA den Nahen Osten politisch stärker ins Visier nehmen, werden die Europäer mit den Konsequenzen direkt konfrontiert, die sie mitverursacht haben.“

„Washington ließ sich von Emotionen leiten“

Pawel Solotarjow, Vizechefs des russischen USA- und Kanada-Instituts, sagte im Gespräch mit der „Rossijskaja Gaseta“: „In letzter Zeit ließ sich Washington von Emotionen leiten. Denn es war für die USA peinlich, dass es ihnen nicht gelungen ist, die russische Schwarzmeerflotte aus der Krim zu verdrängen.“

Eine militärische Eskalation des Konflikts zwischen Moskau und Washington hält Solotarjow allerdings für kaum wahrscheinlich. Das gehe nicht zuletzt auf die Haltung amerikanischer Geschäftsleute zurück: „Die Geschäftsleute brauchen Stabilität, deshalb verzichteten die USA auf einen Militäreinsatz gegen den Iran und beschränkten sich auf wirtschaftliche Maßnahmen. Dasselbe kann man auch in Bezug auf das russisch-amerikanische Verhältnis sagen. Washington wird zwar seine Sanktionen gegen Russland behalten – aber nichts mehr. Und falls sich die Situation mit den Islamisten im Nahen Osten zuspitzt, wird Washington auf eine Zusammenarbeit mit Moskau eingehen müssen. Das soll auch Entscheidungen über die geltenden Restriktionen gegen Russland nach sich ziehen.“

Barack Obama hatte am Sonntag in einem CBS-Interview gesagt, er erwarte keine militärische Konfrontation zwischen Russland und der Nato. Der US-Präsident verwies auf den Artikel 5 des Nordatlantikvertrages, wonach ein Angriff auf ein Nato-Mitglied als Angriff auf alle betrachtet wird. Russland begreife das, so Obama.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow kommentierte am selben Tag mit Blick auf das russisch-amerikanische Verhältnis: „Wir sind an einer Normalisierung dieser Beziehungen absolut interessiert, haben sie aber nicht ruiniert (…) Die derzeitige US-Regierung ruiniert die Kooperations-Strukturen, die zu einem großen Teil von ihr selbst gemeinsam mit uns geschaffen wurden.“ Um in den Augen der Wähler erfolgreich auszusehen, greife die US-Regierung zu einer „Konfrontations-Rhetorik“ und suche einen Außenfeind wie Russland, so Lawrow.

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