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17 Dezember 2014, 20:45

Die Wirtschaftliche Bewertung Russlands ist Ausdruck eines Finanzkrieges. Die Attacken haben keine Chance

Die Wirtschaftliche Bewertung Russlands ist Ausdruck eines Finanzkrieges. Die Attacken haben keine Chance
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STIMME RUSSLANDS Die Medien überschlagen sich zurzeit mit Schreckensmeldungen über die russische Wirtschaft. Manche sagen eine neue Finanzkrise voraus. Warum alles halb so schlimm ist und welchen Anteil der Westen am Verfall des russisches Rubels hat, darüber sprach Bolle Selke mit Folker Hellmeyer, dem Chefanalysten der Bremer Landesbank.

Herr Hellmeyer, um den russischen Rubel steht es nicht gut. Ein Euro ist zurzeit 82 Rubel wert. Die Medien nennen als Hauptgründe vor allem den Ölpreis und die Sanktionen des Westens, ist das wirklich die ganze Geschichte?

Hellmeyer: Für mich greift das ganz zu kurz, das hat nichts mit einer fundamentalen Betrachtung zu tun. Fundamental sieht das Bild für Russland sehr viel besser aus, als es hier über die Devisenmärkte in der Bewertung des Rubels gespielt wird. Fakten belegen ad eins: Der Ölpreisverfall betrifft andere Länder sehr viel mehr. Die operativen Produktionskosten für Öl liegen bei Russland bei 45 US Dollar pro Barrel in den USA bei 50 für das sogenannte "Shale Gas", für Schiefergas, liegt es bei 75. Auch wenn wir uns andere Länder anschauen, Mexiko liegt bei 70 Dollar, Brasilien bei 75 US-Dollar, China bei über 60 US-Dollar, dann sehen wir ganz deutlich, dass der Ölpreis nicht der Grund sein kann, dass wir hier eine derartige Schieflage an den Märkten haben. Das ist der eine Punkt, wenn wir über Öl reden. Der andere Punkt ist, wenn wir über Fundamentdaten reden, vergleichen wir einfach mal die Situation. Die USA haben seit der Krise keine Strukturreformen gemacht. Die Eurozone sehr wohl. Die USA haben eine Staatsverschuldung von knapp 110 Prozent der Wirtschaftsleistung, Russland hat 13 Prozent. Die USA haben dieses Jahr ein Wirtschaftsdefizit von -5,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, in Russland wir es einen Überschuss geben der Größenordnung von circa ein Prozent der Wirtschaftsleistung. Amerika hat ein Handelsbilanzdefizit von 43 Milliarden US-Dollar, die letzten Daten die mir hier aus Russland vorliegen sind bei 12 Milliarden Dollar Überschuss. Arbeitslosenrate: Russland zuletzt 5,1 Prozent, USA 5,8 Prozent. Also wenn wir Fundamentaldaten anschauen, vielleicht auch noch die Devisenreserven, die in Russland dramatisch höher sind, als in den USA oder der Eurozone, dann ist diese Bewertung, und die Form und das Tempo der Bewertung die wir derzeit sehen, nahezu absurd.

Das heißt das Gerede vom russischen Krisenjahr 1998, damals wurde durch eine massive Kapitalflucht eine Finanzkrise in Russland ausgelöst, ist auch nicht gerechtfertigt?

Hellmeyer: Das ist nicht gerechtfertigt. Wir haben in unseren Publikationen der Bremer Landesbank seit einiger Zeit darauf verwiesen, dass die Auseinandersetzung um geopolitische Macht sich nicht mehr auf den großen Schlachtfeldern abspielt, sondern verlagert wird. Sie wird in Richtung von Wirtschafts- und Finanzkriege verlagert, und in der Tat kontrolliert der Westen nach wie vor maßgeblich die Strukturen an den internationalen Finanzmärkten und da gibt es auch die Powerhäuser wie JPMorgan Chase als Beispiel und eine Citibank oder eine Goldman Sachs. Und für mich ist diese Bewertung Russlands an den Devisenmärkten eben Ausdruck aus einer Form des Finanzkrieges. Um es noch deutlicher auf den Punkt zu bringen. Die Ukraine ist ein Failed State mit einer katastrophalen volkswirtschaftlichen Performance. Die Abwertung der ukrainischen Währung über die letzten 12 Monate ist gestern geringer gewesen als die Abwertung des Rubels. Das wir so etwas ernst nehmen, da schlägt’s dem Fass beinahe den Boden aus. Aus zwei Gründen ernst nehmen: Die russische Volkswirtschaft hat mit circa 3,5 Prozent Anteil an der Weltwirtschaft eine ganz andere Traktion als eine Ukraine und für mich ist es, wie gesagt, Ausdruck eines Wirtschafts- und Finanzkrieges, aber ich sehe keine Chance - und das sage ich an dieser Stelle bei Ihnen absolut deutlich - dass diese Attacken über die Finanzmärkte am Ende erfolgreich sein werden. Die Position die Russland hat mit Währungsreserven und auch die Strukturdaten, die überhaupt nicht vergleichbar sind mit 1998 erlaubt hier keine Prognose die einen nachhaltigen Erfolg der westlichen Aggression über die Finanzmärkte darstellen kann.

Nun steht der Rubel ja trotzdem nicht gut da. Was könnte Russland machen um dem Verfall des Rubels Herr zu werden?

Hellmeyer: Ich glaube was die Zentralbank macht ist sehr sensibel. Indem man die Zinsen erhöht. Denn im Endeffekt müssen diese Short-Rubel-Postionen ja auch finanziert werden und mit 17 Prozent ist das ein teurer Sport den sich der Westen leistet. Der nächste Punkt, der in meinen Augen auch sinnvoll ist, ist das man durchaus dosiert immer wieder mal bei extrem überbordenden Märkten, wie es gestern der Fall war auch die Devisenreserven anzapft, aber man sollte hier nicht zu einer berechenbaren Größe werden. Der dritte Punkt, den ich Russland nahe legen würde ist analog zu der Situation 2009, vielleicht auch mal den Schulterschluss mit den Freunden der Shanghai Cooperation und dem Bereich der New Development Bank, dem Konkurrenzinstitut zum IWF, das gegründet worden ist, zu suchen. Denn zu diesen Preisen am Aktienmarkt bekommen sie russische Aktiva zu Ausverkaufspreisen, und dass man hier vielleicht auch eine Front aufbaut und sagt: Kinder, ihr könnt im Westen über die Finanzmärkte versuchen mit uns Schlitten zu fahren, aber ihr werdet damit scheitern. Das wäre sinnvoll und ich gehe fest davon aus, dass im Hintergrund bereits solche Gespräche geführt werden.

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