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18 September 2010, 13:47

Die Burjaten

Die Burjaten
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Die „Stimme Russlands" setzt ihr Rundfunkprogramm aus Moskau fort. Sie hören eine Sendung aus der Rubrik „Von den Kurilen bis nach Kaliningrad: Die Bräuche der Völker Russlands".

Die „Stimme Russlands" setzt ihr Rundfunkprogramm aus Moskau fort. Sie hören eine Sendung aus der Rubrik „Von den Kurilen bis nach Kaliningrad: Die Bräuche der Völker Russlands".

Werte Hörerinnen und Hörer, wir setzen die Sendereihe über die Bräuche der Völker Russlands fort. Heute erzählen wir von den Burjaten, die hauptsächlich in Sibirien leben.

Die Burjaten sind eines der Urvölker jenseits des Baikalsees. Was ihre Anzahl betrifft, so zählen sie insgesamt etwa 620 000 Personen - davon leben in Russland etwa 450 000, in der nördlichen Mongolei - 80 000, und im Nordosten Chinas - etwa 25 000. Eine gewisse Anzahl an Burjaten gibt es außerdem in Australien, in Japan und  den USA. Auf dem Territorium der Russischen Föderation leben die Burjaten hauptsächlich in der Republik Burjatien.  Dort sind es etwa 273 000. Burjaten leben ebenfalls im Ust-Ordynsker Burjatischen Kreis und in anderen Kreisen des Gebietes Irkutsk sowie in der Region jenseits des Baikalsees. Es muss gesagt werden, dass Burjaten auch in anderen Städten Russlands wohnen. In Moskau zum Beispiel etwa 3 000 bis 5 000, und in Sankt Petersburg - etwa 1 500.

Die Burjaten werden in mehrere Volksgruppen unterteilt. Es gibt zum Beispiel die Chorinzen, die Echiriten, die Bulagaten, die Chongodoren und mehrere andere Volksgruppen. Was  die Anthropologie betrifft, so sind die Burjaten typische Vertreter des zentralasiatischen Typs der mongoloiden Rasse. Die Burjaten sprechen ihre Muttersprache, die zur mongolischen Gruppe der Altai-Sprachfamilie gehört. Es sei hier allerdings bemerkt, dass es in der burjatischen Sprache 15 Dialekte gibt, die sich teilweise wesentlich voneinander unterscheiden.  Was das Schrifttum betrifft, so nutzte ein Großteil der Burjaten bis 1930 eine Schrift, die auf der Grundlage der ujgurischen Graphik geschaffen worden war. 1931 wurde eine Schrift auf der Basis des lateinischen Alphabets ausgearbeitet, und dann - ab 1939 - nutzten die Burjaten eine Schrift, die auf dem kyrillischen Alphabet beruhte. Der heutigen burjatischen Literatursprache liegt der Chorinsker Dialekt zugrunde.

Die Herkunft  der Bezeichnung „Burjat" ist heute noch nicht endgültig geklärt. Es heißt, der Name „Burjat" (oder „Burijat") wurde erstmals in einem mongolischen Manuskript des Jahres 1240 erwähnt.  Es existieren auch mehrere andere Versionen. Eine besagt, diese Bezeichnung sei vom Turk-Wort „buri" abgeleitet, das „Wolf" bedeutet, oder von „buri-ata", was „Wolf-Vater" bedeutet. In den russischen Dokumenten des 17. und 18. Jahrhunderts werden die Burjaten als „bratskije ljudi" bezeichnet, was „brüderliche Menschen" bedeutet. Zur ersten Begegnung der Russen mit den Burjaten kam es im Jahr 1612. Und Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das Territorium beiderseits des Baikalsees, in dem die Burjaten lebten, in den Bestand des Russischen Staates aufgenommen.

Die burjatischen Stämme befassten sich hauptsächlich mit nomadischer Viehzucht. Das ganze Jahr über weidete ihr Vieh. Die Burjaten hielten Schafe, Rinder, Ziegen, Pferde und Kamele. Die Familien der Viehzüchter zogen mit ihren  Herden  ebenfalls von Weide zu Weide. Neben der Viehzucht gingen die Burjaten auch auf die Jagd, sie betrieben Ackerbau und Fischfang. Im 18. und 19. Jahrhundert erfuhr die Wirtschaftsform unter dem starken Einfluss der russischen Bevölkerung recht starke Veränderungen.

Die reine Viehhaltung blieb nur bei jenen Burjaten erhalten, die im Südosten Burjatiens leben. In den anderen Gebieten jenseits des Baikalsees hatte sich neben der Viehhaltung auch der Ackerbau durchgesetzt. Dort fuhren nur die  wohlhabenden Viehzüchter fort, das ganze Jahr über mit ihren Herden umherzuziehen. Weniger wohlhabende Viehzüchter und die Besitzer nur kleiner Herden waren teilweise oder vollkommen ansässig geworden, und fingen nun an, sich dem Ackerbau zu widmen. Die Technologie des Ackerbaus und die landwirtschaftlichen Geräte hierfür übernahmen sie von den russischen Bauern.

Eine Handwerksproduktion, mit Ausnahme des Schmiede- und Juwelierhandwerks, kannten die Burjaten nicht. Zur Befriedigung ihrer Wirtschafts- und Alltagsbedürfnisse reichte ihnen durchaus ihr Hausgewerbe. Als Rohstoffe hierfür dienten ihnen Holz und die Produkte der Viehzucht: Leder, Wolle, Felle und Pferdehaar. Bei den Burjaten sind Überbleibsel des so genannten Eisenkults erhalten:  Erzeugnisse aus Eisen  galten bei ihnen als eine Art Schutz. Die Schmiede waren oft zugleich Schamane. Man verehrte sie, fürchtete sie aber auch. Der Schmiedeberuf wurde bei den Burjaten an die nächste Generation weitervererbt. Die Qualifikation der burjatischen Schmiede und Juweliere war deshalb sehr hoch. Ihre Erzeugnisse schätzte man allerorts in Sibirien und Zentralasien.

Die traditionelle Behausung der Burjaten war die Jurte. Ihr Gerüst bildeten leicht zu transportierende Gitterwände. Man stellte sie im Kreis auf und band sie dann mit Schnüren aus Pferdehaar zusammen. Die Jurte besaß keinerlei Fenster. Im Dach befand sich eine große runde Öffnung als Rauchabzug und zur Beleuchtung. Der Eingang zeigte stets nach Süden. Er besaß eine Holztür und einen abgesteppten Filzvorhang. Die Jurte hatte einen Erdfußboden, manchmal wurde er auch mit Brettern oder Filzmatten bedeckt. Die Feuerstelle war stets in der Mitte. Links von ihr war der Platz des Hausherrn, rechts von ihr - der Platz der Hausfrau. Entlang der  Wände standen  Bänke. Rechts vom Eingang wurden auf Regalen die Gegenstände des Hausgebrauchs aufbewahrt. Links vom Eingang standen die Truhen und ein Tisch für die Gäste. Im 19. Jahrhundert erbauten wohlhabende Burjaten bereits Blockhäuser als Wohnstätte.

In der Jurte stand  über dem Feuer auf einem dreibeinigen  Gestell eine Schale, in der Fleisch, Milch oder Tee gekocht wurden. Es sei bemerkt, dass Speisen aus Milch und Milchprodukten einen großen Platz in der Ernährung der Burjaten einnahmen. Auf Vorrat wurde saure Milch und eine getrocknete Quarkmasse - die „Churut" - zubereitet, die den Viehzüchtern das Brot ersetzte. Aus Milch wurde mit Hilfe eines speziellen Brennapparats das alkoholische Getränk „Tarassun" hergestellt, das bei Opferbräuchen und anderen Bräuchen eine gewisse Rolle spielte. Der Fleischverzehr hing indessen davon ab, wie viel Vieh eine Familie besaß. Ähnlich den Mongolen tranken die Burjaten grünen Tee mit Milch, Salz, Butter oder Fett. Einen bedeutenden Platz in der Ernährung der Burjaten besaßen auch Fische, Beeren, Gräser und Gewürze. Beliebt ist der Omul, ein Fisch aus dem Baikalsee, geräuchert auf burjatische Art.

Was die Bekleidung betrifft, so unterschied sie sich bei Männern und Frauen kaum voneinander. Unter der Oberbekleidung trug man Hemd und Hose, darüber den Chalat, einen weiten Mantel mit einem Überschlag auf der rechten Seite, der mit Stoff oder einem Gürtel umgürtet wurde. Der Chalat war mit Stoff gefüttert, und für den Winter - mit Fell. Die Ränder waren mit einem farbenfrohen Stoff oder mit Borte besetzt. Verheiratete Frauen trugen über ihrem Chalat eine Weste - die „Udsche". Die traditionelle Kopfbedeckung der Männer war eine kegelförmige Mütze, die unten mit Fell besetzt war, von dem  die beiden Enden hinten frei herabhingen. Die Frauen trugen dagegen eine sehr spitz nach oben zulaufende  und mit Fell besetzte Mütze. An ihrer Spitze war eine rote Seidenquaste befestigt.  Als Schuhwerk trug man im Winter hohe Stiefel aus  Fohlenfell oder Lederstiefel. Im Sommer trug man ein Schuhwerk, das aus Pferdehaar geflochten war und eine Ledersohle besaß. Na, und selbstverständlich kamen die Frauen nicht ohne Schmuck aus. Die jungen Mädchen flochten ihr Haar in 10 bis 20 Zöpfe, die sie mit Münzen schmückten. Am Hals trugen die Frauen Korallenketten, Silber- und Goldmünzen, und in den Ohren - große Ohrringe. An den Handgelenken - Armreifen und anderen Schmuck.

Die traditionelle Religion der Burjaten war der Schamanismus. Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts  erfuhr hier auch der tibetische Buddhismus eine weite Verbreitung. Bei den Burjaten war die ganze Welt von Geistern besiedelt.  Gemäß der Unterteilung der Geister in gute und böse gab es bei den Burjaten auch weiße und  schwarze Schamanen. Ein weißer Schamane diente dem Guten, ein schwarzer Schamane - dem Bösen. Mit dem Auftauchen der ersten Russen begann  unter den Burjaten  die Verbreitung des Christentums. Doch ungeachtet der oberflächlichen und zuweilen auch  gewaltsamen Bekehrung zum Christentum blieben die Burjaten der Irkutsker Gegend Anhänger des Schamanismus, und die Burjaten im Osten - des Buddhismus.

Die Burjaten besitzen natürlich ihre eigene Folklore. Sie besteht aus Mythen, aus Schamanen-Beschwörungen, Legenden, kultischen Hymnen, Märchen, Sprichwörtern und Rätseln. Die Burjaten besitzen ein wichtiges schriftliches Erbe. Das sind vor allem die burjatischen Chroniken, die die Geschichte und die Überlieferungen der Burjaten enthalten. Übrigens sind die Burjaten das einzige Volk in Sibirien, das eigene historische  Schriftdenkmäler besitzt.  Der größte Teil ihrer Literatur sind übersetzte Werke aus der buddhistischen Tradition. Hauptsächlich Übersetzungen heiliger buddhistischer Bücher,  philosophischer und medizinischer Schriften aus dem Tibetischen ins Mongolische. Die Zentren der literarischen Tätigkeit waren die Klöster - die Dazane, in denen die gelehrten Übersetzer tätig waren. Viele  solche Klöster besaßen eigene Bibliotheken und Druckereien, die die Holzschnittmethode nutzten.

Das burjatische Volk besitzt mehrere bemerkenswerte Persönlichkeiten, die einen großen Beitrag zur Entwicklung der Wissenschaft, der Diplomatie, der Medizin, Kultur und Kunst geleistet haben. Darunter Pjotr Badmajew, Agwan Dorshijew. Ihre Tätigkeit zur Herstellung der diplomatischen Kontakte Russlands zur Mongolei und zum Tibet an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ist weit bekannt.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts besaßen die Burjaten keine eigene Staatlichkeit. 1917 wurde der erste nationale Staat der Burjaten gegründet. Ihren jetzigen Namen erhielt die Republik Burjatien im Jahr 1992.

Bewegung zur Wiederbelebung der nationalen Kultur und Sprache. In Irkutsk und in Tschita wurden nationale Kulturzentren eingerichtet. Es gibt Schulen mit vertieftem Unterricht in den Fächern zur nationalen Kultur und Sprache. An den Hochschulen gibt es Lehrgänge zur Geschichte und Kultur Burjatiens. In der Republik wurde eine Verfassung verabschiedet,  es wurden eine eigene Flagge und Hymne gestiftet, und Burjatisch ist neben Russisch eine Amtssprache geworden.

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