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10 Dezember 2014, 15:11

Konferenz in Wien zu Atomwaffen und deren Auswirkung auf die Menschheit

Konferenz in Wien zu Atomwaffen und deren Auswirkung auf die Menschheit
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Am Montag und Dienstag hat in Wien die internationale Konferenz zu humanitären Auswirkungen von Atomwaffen stattgefunden. Der Sinn und Zweck dieses Forums ist die Aktivierung der Nukleardebatte über die gefährlichsten Waffen, die es auf der Welt gibt und die Propagierung der humanistischen Idee einer atomwaffenfreien Welt. Unser Europa-Korrespondent Igor Belov ist jetzt an der Telefonleitung. Was kann man von dieser Konferenz in der österreichischen Hauptstadt noch sagen?

Zuerst würde ich feststellen, dass Wien immer mehr zum internationalen Zentrum der Atomproblematik wird. Hier arbeitet seit Jahrzehnten die Internationale Atomenergieagentur, in diesem Jahr gab es hier bekanntlich auch zahlreiche Verhandlungsrunden der fünf ständigen UN-Vetomächte plus Deutschland mit den iranischen Diplomaten über die Atomvorhaben dieses Landes. Und am 8. sowie dem 9. Dezember versammelten sich im Wiener Kongresszentrum Hofburg auf Einladung des österreichischen Außenministeriums hohe Vertreter aus 158 Ländern, um über die verschiedensten Aspekte der Einwirkung von Atomwaffen auf das Leben der Menschheit und natürlich auch auf die Natur zu diskutieren und neueste Erkenntnisse auszutauschen.

Das maximale Ziel ist eine kernwaffenfreie Welt. Aber davon ist man meilenweit entfernt. Deswegen redete man konkret und vielseitig über die humanitären Auswirkungen von Kernwaffen. Aber mit dieser Konferenz soll auch das globale nukleare Abrüstungs- und Nichtverbreitungsregime gestärkt und der humanitäre Gedanke im öffentlichen Bewußtsein noch stärker verankert werden. Als Gastgeber und zugleich als Vorsitzender der Konferenz fungierte der junge österreichische Außenminister Sebastian Kurz.

In seinen Begrüßungsworten betonte er die Tatsache, dass fast 160 Länder zur Konferenz ihre Vertreter entsandten, darunter neben den offiziellen Regierungsmitgliedern auch unabhängige Experten sowie Aktivisten aus der Zivilgesellschaft und auch aus den Nichtregierungsorganisationen. Zum ersten Mal in der Geschichte nahmen auch an einer solchen Veranstaltung offizielle Repräsentanten aus den Vereinigten Staaten von Amerika und Großbritannien teil. Weiter warnte Sebastian Kurz davor, Atomwaffen als bloß abstrakte Gefahr zu sehen. Er betonte, solange Nuklearwaffen existieren, bleibt das Risiko real. Wenn es auf der Welt irgendwann zum Atomkonflikt käme, würde es keine Gewinner geben, nur Verlierer. Die klare Botschaft der Konferenz besteht somit darin, dass es höchste Zeit ist zu handeln und atomar allseitig abzurüsten.

Der Focus der Konferenz war auf humanitäre Konsequenzen der Existenz von Atomwaffen gerichtet. Was bezweckt letzten Endes eine solche Herangehensweise?

Darauf ist unter anderen der Präsident des Internationalen Roten Kreuzes in Genf, Schweizer Diplomat Peter Maurer eingegangen. Es sprach von katastrophalen Konseqenzen bei der gezielten Anwendung von Kernwaffen sowohl für die Menschen als auch für die Umwelt und die Wirtschaft. Auch Unfälle im Umgang mit diesen Massenvernichtungswaffen kann man nicht ausschliessen. Im Falle einer Kernwaffendetonation habe keiner die Kapazitäten, mit der darauf unbedingt folgenden humanitären Katastrophe fertig zu werden. Der Einsatz einer einzigen modernen Kernwaffe würde das Ausmaß an Zerstörung und Verwüstung in Hiroshima und Nagasaki weit übertreffen. In solch einer Situation wären weder Staaten noch internationale Organisation in der Lage, ausreichend Hilfe zu leisten.

Man schäzt, dass auf der Welt immer noch etwa mehr als 16 Tausend Kernwaffen gibt. Neun Staaten sollen heute im Besitz dieser Waffen sein. Da auch Kernwaffentechnologie immer leichter zugänglich wird, besteht die Gefahr, dass weitere Länder und sogar nicht-staatliche Akteure Atomwaffen entwickeln könnten.

Ja, darüber sprachen auch viele Konferenzteilnehmer. Es gibt auf der Welt laut Atomwaffensperrvertrag fünf offizielle Atommächte, das sind Russland, China, die USA, Großbritannien und Frankreich. Außerdem gibt es eine Reihe weiterer Staaten, die diesem Vertrag nicht beigetreten sind, aber die Kernwaffen besitzen - Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea. Der Einsatz von Kernwaffen - sei es bewusst, durch Irrtum oder Wahnsinn, technisches oder menschliches Versagen - kann natürlich nicht völlig ausgeschlossen werden. Jeglicher Einsatz von Kernwaffen, benonten abermals die Konferenzteilnehmer, hätte eine schwere humanitäre Katastrophe zur Folge und würde weltweit verheerende Auswirkungen auf Umwelt, Klima, Gesundheit, Entwicklung und Wirtschaft mit sich bringen.

Es ist bekannt, dass sich in den letzten Jahren immer mehr Länder und zivilgesellschaftliche Akteure im Rahmen verschiedener nationaler, regionaler und internationaler Veranstaltungen mit humanitären Konsequenzen von Kernwaffen und den damit verbundenen Risiken auseinandergesetzen. Diesem Thema waren auch zwei internationale Konferenzen im norwegischen Oslo im März 2013 und im mexikanischen Nayarit im Februar 2014 gewidmet…

Ja, auch die Organisation der Vereinten Nationen leistet dabei ihren wichtigen Beitrag. Darüber sprach die Hohe UN-Representantin für die Abrüstungsfragen Angela Kane. Sie teilte auch mit, dass im April 2015 die Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrages durchgeführt wird, bei der schwierige Verhandlungen erwartet werden. Der verstärkte internationale Blick auf die humanitären Auswirkungen von Atomwaffen verspricht alle Staaten in einem starken Abrüstungsdiskurs zu einen.

Je mehr sich die internationale Gemeinschaft mit den Auswirkungen und Risiken von Kernwaffen auseinandersetzt, desto stärker wird das Argument für die Beseitigung dieser Waffen. Aber leicht wird es nicht. Allein die Vereinigten Staaten geben jährlich für die Rüstung zehn mal mehr Finanzmittel aus als, zum Beispiel, Russland oder China. Dann fragt man sich, wie können unter diesen ungünstigen und ungleichen Umständen die genannten Länder auf diese Abschreckungswaffen verzichten.

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