04:10 28 August 2016
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Sinneswandel trotz Atomkatastrophe: Japan baut weiter AKW

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Nach der verheerenden Atomkatastrophe hat sich Japan wider Erwarten dazu entschieden, weiterhin Kernkraftwerke zu bauen.

Nach der verheerenden Atomkatastrophe hat sich Japan wider Erwarten dazu entschieden, weiterhin Kernkraftwerke zu bauen.

Der Energiekonzern J-Power gab am Dienstag bekannt, dass die Bauarbeiten am fast zur Hälfte fertiggestellten Kraftwerk Oma in der nördlichen Präfektur Aomori wieder aufgenommen werden.

Vor dem Nuklearunglück im März 2011 hatten die Japaner geplant, das Kraftwerk im November 2014 ans Netz zu schließen.

Woher kommt dieser Sinneswandel bei den Japanern? Warum will das Land, das bis 2030 alle Atomkraftwerke vom Netz nehmen wollte, sie doch weiterbauen?

Der Reaktor in Oma ist für die japanischen Kernforscher ein Prestige-Projekt. Er ist für den so genannten MOX-Brennstoff geeignet, eine Mischung aus Uran- und Plutoniumoxid. „Herkömmlicher“ Atombrennstoff ist Uran-Dioxid mit angereichertem Uran-235-Isotop.

Was ist das Besondere an dem Projekt? Der Meiler soll ein Element des Pluthermal-Programms (Plutoniumwärme), des wichtigsten Projektes in der japanischen Atomenergie, werden. Die Japaner wollen Meiler entwickeln, die mit so genanntem „energetischen Plutonium“ angetrieben werden, einer Mischung von Isotopen, die sich im abgebrannten „herkömmlichen“ Kernbrennstoff kumuliert.

Damit wollen die Japaner den Kernbrennstoff-Zyklus teilweise schließen und wertvolle Abfallprodukte vermeiden, zumal in den abgebrannten Brennstäben viel nützliches Kernmaterial enthalten ist, das erneut verwendet werden kann.

Experten betrachten das Vorzeigeprojekt der Japaner als Übergang zu neuen Technologien in der Atomenergie, wobei sie den Kernbrennstoff-Zyklus schließen (und dementsprechend die Vorräte dank der Verwendung der abgebrannten Brennstäbe erweitern) und schnelle Brüter einsetzen.

Obwohl nach der Fukushima-Havarie viel über die Abkehr von der Atomenergie gesprochen wurde, befasst sich Japan nach wie vor mit der Entwicklung von Atomtechnologien. 

Der Grund dafür ist naheliegend: In mittel- und langfristiger Perspektive gibt es für die Atomenergie keine echte Alternative, egal wie populär umweltfreundliche Bioenergie werden sollte. Nicht vergessen werden darf, dass die alternativen Energien sehr kostspielig sind. Mit Blick auf die sich anbahnende langfristige Rezession ist die Kürzung der Energiekosten bei der Industrieproduktion ein wichtiger Faktor.

Japan hat keine eigenen Gas- und Ölvorkommen und eine stark auf das Exportgeschäft angewiesene Wirtschaft. Das einzige, was die Umweltschützer in Japan beschwichtigen könnte, wäre ein Verfall des Ölpreises um 70-80 Prozent. Auch billiges Flüssiggas könnte dabei eine wichtige Rolle spielen. Doch das kann den Japanern niemand garantieren, sie wollen ihren Bedarf aus eigener Kraft decken.

Tokio hat eigentlich keine andere Wahl: Alle anderen Großmächte sowie China und Indien planen den Übergang zu neuen Technologien.

 

Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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