23:42 26 Juli 2016
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US-Experte über „Terroristen“ und „Freiwillige Kämpfer“ in Mariupol

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Aufständische Regierungsgegner im Südosten der Ukraine sind zum zweiten Mal innerhalb einer Woche von Rechtsradikalen in ein Gebäude gedrängt und lebendig verbrannt worden. Das berichtete der US-Politologe Robert Parry in seinem Artikel auf consortiumsnews.com.

Aufständische Regierungsgegner im Südosten der Ukraine sind zum zweiten Mal innerhalb einer Woche  von Rechtsradikalen in ein Gebäude gedrängt und lebendig verbrannt worden. Das berichtete der US-Politologe Robert Parry in seinem Artikel auf consortiumsnews.com.

Am 2. Mai waren in Odessa mehrere Aufständische von Regierungsanhängern in ein Gewerkschaftshaus gedrängt und verbrannt worden. Mehr als 40 Menschen kamen ums Leben. „Brennt, ihr Kolorados, brennt!“ – wurde geschrien. (Anm.: „Kolorados” ist ein Schimpfwort für die Protestler, die sich durch das Sankt-Georgs-Band kennzeichnen, und spielt auf den Kartoffelkäfer an, der im russischen „Colorado-Käfer“ heißt). Nach dem grausamen Massaker seien Faschisten-Symbole und Symbole der ukrainischen SS-Division „Galitschina“ auf das Gebäude gesprüht worden, so Parry.

„Diese Taktik zur Verbrennung der ins Gebäude gedrängten Menschen wurde ebenfalls am 9. Mai in der Hafenstadt Mariupol angewandt. Bewaffnete Neonazi-Gruppen, die von der  Regierung in eine Nationalgarde umgewandelt worden waren, wurden in das von Dissidenten besetzte Gebäude der Miliz geschickt. Auch dieses Mal wurden Feuer gelegt und Menschen getötet. Die genaue Zahl der Opfer ist bislang nicht bekannt“, äußert Parry.

Laut US-Medien besteht die Nationalgarde aus Selbstverteidigungseinheiten der Maidan-Proteste, die beim Aufstand am 22. Februar in Kiew und bei der Entmachtung des Präsidenten Janukowitsch geholfen hätten, schreibt Parry. Dabei werde nicht erwähnt, dass die Selbstverteidigungseinheiten aus Rechtsradikalen aus der Westukraine bestanden, die die Bürgerwehr mit Molotow-Cocktails bewarfen. In den US-Medien wird die Rolle der ukrainischen Rechtsextremen während der damaligen Ereignisse heruntergespielt. Sie werden verharmlosend als „ukrainische Nationalisten“ bezeichnet.

Zudem wird verschwiegen, dass das Regime in Kiew nicht auf das reguläre Militär zurückgreifen konnte, weil es sich weigerte, gegen die Zivilisten im Südosten des Landes gewaltsam vorzugehen. Anschließend stellte der Chef des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates, Andrej Parubij, Kampftruppen aus motivierten Rechtsextremisten zusammen, die im Südosten des Landes die schmutzige Arbeit verrichten sollten. Verschwiegen werde zudem, dass sie den Nationalistenführer Stepan Bandera verehren, der einst von einer Ukraine ohne Juden, Russen und andere Minderheiten träumte, so Parry.

„Parubij wird von den meisten US-Medien als Chef des Sicherheitsdienstes der Interimsregierung bezeichnet. Dessen Einstufung als Nationalist ist die schärfste Form der Kritik, weiter geht sie nicht. Doch zu seiner Biografie gehören ebenfalls Tatsachen wie die Bildung der Sozial-Nationalen Partei der Ukraine im Jahr 1991 und die Schaffung der Neonazi-Zeichen für diese Partei“, so Parry.

„The New York Times“ und „The Independent“ beleuchten den Hintergrund der ukrainischen Nationalgarde nicht. Die Neonazis werden als „Freiwillige Kämpfer“ und „Selbstverteidigungskämpfer“ dargestellt. Die aufständischen Regierungsgegner gelten als „prorussische Extremisten“ und „Terroristen“. Parry zufolge machen die USA nicht zum ersten Mal gemeinsame Sache mit Neonazis und Extremisten, um ihre Ziele zu erreichen. Auch in Zentralamerika, Afghanistan und Syrien war dies der Fall.

„In den 80er-Jahren war ich in Zentralamerika für Associated Press und Newsweek tätig. Dort waren die Strafkommandos, die so genannten Todesschwadronen, mit den proamerikanischen Regimes verbunden und aus Neonazi-Organisationen rekrutiert worden. In Afghanistan wurden von der CIA Islamisten, darunter saudische Gotteskrieger des Terrorfürsten Osama bin Laden, zum Töten von prorussischen und regierungsfreundlichen Afghanen eingesetzt. Jetzt kämpfen in Syrien aggressive Extremisten gegen die Assad-Regierung. Das sind ebenfalls arabische Dschihadisten, die von Saudi-Arabien und anderen Golf-Ländern bewaffnet werden. Jetzt gehen die USA mit den westukrainischen Neonazis in die Ukraine, die gegen die Aufständischen im Südosten kämpfen, wo die Mehrheit der Bevölkerung russisch ist“, so Parry. Der einfache Amerikaner habe keine Ahnung von diesen „US-Kunden“, schreibt der Experte.

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