18:38 25 August 2016
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Experte: USA nutzen MH17-Absturz für Stimmungsmache gegen Moskau

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Malaysische Boeing über Ukraine abgestürzt (299)
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Die USA haben keine konkreten Beweise dafür, dass die ostukrainische Volkswehr für den Abschuss der Boeing der Malaysia Airlines verantwortlich ist. Deshalb werde der Informationskrieg um diese Tragödie aufgrund indirekter Beweise verlaufen.

Die USA haben keine konkreten Beweise dafür, dass die ostukrainische Volkswehr für den Abschuss der Boeing der Malaysia Airlines verantwortlich ist. Deshalb werde der Informationskrieg um diese Tragödie aufgrund indirekter Beweise verlaufen, glaubt der Chefredakteur des Fachmagazins „Russia in Global Affairs“ und Vorsitzende des russischen Rates für Außen- und Verteidigungspolitik, Fjodor Lukjanow.

Am Dienstag kündigten die US-Behörden an, Beweise für die Schuld der Kämpfer der Volkswehr zu veröffentlichen. Bislang wurden diese Beweise aber nicht vorgelegt. Vertreter der US-Geheimdienste behaupteten lediglich mehrmals, dass die Maschine von einer Boden-Luft-Rakete Buk (SA-11) abgeschossen worden sei, die von dem von den Separatisten kontrollierten Territorium aus abgefeuert worden sei. Zugleich räumten sie jedoch ein, keine Beweise für eine Beteiligung Russlands an dem tragischen Zwischenfall zu haben. Unter anderem wissen sie nicht genau, ob russische Vertreter beim Raketenabschuss anwesend waren und ob sie den aufständischen Kämpfern den richtigen Umgang mit den Raketensystemen gezeigt hätten. Darüber hinaus teilten die Amerikaner mit, dass vor der Tragödie keine Raketensysteme dieser Art über die russisch-ukrainische Grenze gebracht worden seien.

„Der Informationskrieg um die Tragödie wird weitergehen, weil zurzeit niemand konkrete Beweise hat“, so Lukjanow. „Aber im Grunde ist das unwichtig, weil in Europa und Amerika bereits eine negative Einstellung gegenüber Russland vorherrscht. Das ist ein zusätzliches Druckinstrument gegen die europäischen Regierungen, die von der Idee weiterer Sanktion nicht gerade begeistert sind.“ Auch die russische Führung werde dadurch „unter starken psychologischen Druck gesetzt“, ergänzte der Experte.

Nach seiner Auffassung wird niemand überzeugende Beweise finden können, weshalb die gegenseitigen Anschuldigungen weitergehen werden, indem man sich auf indirekte Beweise stützt und Tatsachen ignoriert, die nicht zu der gewünschten Version der jeweiligen Seite passen. „Weder die Satellitenaufnahmen noch die Auswertung der Flugschreiber, auf die jetzt alle hoffen, bringen klare Ergebnisse“, prophezeite Lukjanow.

Nach seiner Meinung hatten die USA bereits vor dem Ausbruch der Ukraine-Krise beschlossen, Russland mit Sanktionen zu schaden. „Das räumte der frühere US-Verteidigungsminister Robert Gates vor ein paar Monaten in einer Zeitschrift ein. Die Ukraine-Krise dient nur als Anlass dafür. Das Problem ist, dass Russland die Prinzipien infrage stellt, die Amerika für richtig und notwendig hält. Deshalb will es Russland jetzt aufhalten, bevor es zu spät ist“, so der Politologe.

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© RIA Novosti.
Erste Bilder von der Absturzstelle der malaysischen Boeing in Ostukraine

Die Flugzeugtragödie sei zu einem weiteren Argument für die Amerikaner geworden und habe die Situation noch verschärft. Deshalb werden die Europäer es schwer haben, sich gegen die antirussischen Sanktionen aufzulehnen. Lukjanow zufolge hat Russland derzeit weder Instrumente, um diesem Druck zu widerstehen, noch Beweise, dass für den Abschuss der Boeing die ukrainische Armee verantwortlich ist.

Am vergangenen Donnerstag, dem 17. Juli, war die Boeing 777 der Fluggesellschaft Malaysia Airlines auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur im Osten der Ukraine abgestürzt. An Bord befanden sich 298 Personen, darunter drei Kinder und 15 Besatzungsmitglieder. Sie alle kamen dabei ums Leben. Die Behörden in Kiew warfen den Separatisten vor, die Passagiermaschine abgeschossen zu haben. Diese behaupteten, keine Raketen zu haben, um ein Flugzeug in solch einer Höhe (schätzungsweise 10 000 Meter) zu treffen. Russland besteht darauf, dass eine internationale Expertengruppe unter der Schirmherrschaft der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) die Umstände des tragischen Flugzeugabsturzes untersucht.

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