21:50 29 August 2016
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Erster Weltkrieg: Die Lehren der Geschichte werden wieder nicht gezogen

Erster Weltkrieg: Die Lehren der Geschichte werden wieder nicht gezogen

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Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, der zur bis dahin größten Neuaufteilung der Welt führte und Dutzende Millionen Opfer forderte. Doch noch ein Jahr zuvor hatte niemand an die Möglichkeit eines solchen Szenarios geglaubt.

Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, der zur bis dahin größten Neuaufteilung der Welt führte und Dutzende Millionen Opfer forderte. Doch noch ein Jahr zuvor hatte niemand an die Möglichkeit eines solchen Szenarios geglaubt.

In Europa sprach man von der eigenen Aufgeklärtheit und der Fähigkeit, sich bei allen strittigen Fragen zu einigen. Die Sache mündete in ein furchtbares Gemetzel, wie es der Kontinent noch nicht gesehen hatte. Manche Historiker und Politologen sind der Ansicht, dass auch die ukrainische Krise, wenn man sie gekonnt und mit böser Absicht benutzt, der Prolog zu umfangreichen dramatischen Ereignissen werden könnte.

Jetzt hänge wieder alles vom Können der vernünftig denkenden Kräfte in Europa ab, zu einer Übereinkunft zu kommen und die Spreu vom Weizen zu trennen. Aber der Weizen ist immer in der Minderheit – das sollte nicht vergessen werden.

Der Erste Weltkrieg begann mit der Ermordung von Erzherzog Ferdinand und seiner Gattin in Sarajevo. Dieses Verbrechen deutete übrigens noch eine Zeitlang nicht auf die schreckliche Katastrophe hin. Der Erzherzog und seine Frau wurden beigesetzt, die Trauerveranstaltungen nahmen ein Ende. Es wollte scheinen, als habe sich alles wieder beruhigt. Doch ein paar Wochen später donnerten die Kanonen und es begann ein ungeheuerlicher Weltkrieg, der die Menschheit sehr teuer zu stehen kam. Und das war keineswegs ein Zufall: Die Ermordung diente einfach als Zündsatz, äußerte der Historiker Andrej Martschukow.

„Zu Beginn des 20. Jahrhunderts rüsteten die politischen und finanziell-industriellen Eliten der Schlüsselstaaten zum Weltkrieg. Dass ein Krieg vor der Tür steht, wussten alle. Mehr noch: Alle strebten danach – die Länder des Dreibundes genauso wie die Entente. Russland strebte weniger danach als Frankreich, England und Deutschland. Aber das Bewusstsein dessen, dass die angehäuften Widersprüche nur mit einem Krieg gelöst werden könnten, war überdeutlich. Dieses Gemetzel war für die Menschen ein Schock, denn sie lebten mit der Idee, dass die Vernunft siegen würde.“

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© RIA Novosti.
Das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand und der Erste Weltkrieg. Archivaufnahmen

Ein ähnliches Bild war übrigens im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges zu beobachten. Die Eliten des Westens dürsteten erneut nach der Weltführung, nach der Revision der Ergebnisse des vorangegangenen Krieges – und bereiteten sich auf eine neue Machtaufteilung bevor. Aber auch in der heutigen Welt träumen die herrschenden Kreise einer Reihe von Ländern erneut von der globalen Herrschaft. Diese könnte unter anderem mit Hilfe eines mit den vorangegangenen Versuchen vergleichbaren Szenarios erreicht werden. Deshalb sollten die jetzigen Machthaber in der Ukraine, die ihrer Bevölkerung einen widernatürlichen Konflikt mit Russland aufbürden wollen, darüber nachdenken, wie ihre seltsamen und gefährlichen Spiele von Kräften genutzt werden könnten, die auf eine Neuaufteilung der Welt aus sind.

Der Politologe Pawel Swjatenkow lenkt die Aufmerksamkeit darauf, was der russische Staat vor dem Ersten Weltkrieg darstellte.

„Russland entwickelte sich in einem sehr schnellen Tempo. Es war klar: Würde der Krieg nicht 1914 angefangen haben, sondern beispielsweise 1924, wäre alles zwecklos. Russland hätte einen derart großen Vorsprung gewonnen, dass es nicht zu besiegen gewesen sein wäre. Gerade deshalb hatte Kaiser Wilhelm II. den Krieg begonnen. Heute befindet sich Russland in einer besseren Lage, und es fällt schwer, es mit dem Russischen Kaiserreich zu vergleichen. Doch theoretisch könnten die Angriffe auf Russland Grund für einen neuen Krieg werden. Dabei begreifen alle, dass der Einsatz sehr hoch ist und es wahrscheinlich zu einem Atomkrieg kommen würde. Die westlichen Länder lassen sich nicht darauf ein. Aber sie imitieren sorgfältig alle rhetorischen Muster, die einem Kriegsbeginn vorausgehen.“

Natürlich will niemand einen Atomkrieg, aber irgendwer im Westen hofft sehr darauf, Russland gekonnt in den Konflikt mit der Ukraine hineinzuziehen.

Und dafür werden keine Kräfte geschont. Die Eindämmungspolitik Moskaus wird erneut zum wichtigsten Trend. Kiew unterwirft sich lediglich den westlichen Strategen, ohne in dieser Runde ein vollwertiger Akteur zu sein. Deshalb hängt viel von der ukrainischen Gesellschaft ab, die sich früher oder später bewusst werden muss, wie gefährlich und zynisch die Manipulatoren sind, die zudem keine politische Eigenständigkeit und keine elementaren moralischen Werte besitzen.

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