23:44 31 August 2016
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Experte: Phosphor-Einsatz im Irak war nicht selektiv

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MOSKAU, 17. November (RIA Nowosti). Weißer Phosphor kann nicht selektiv eingesetzt werden, so kommentierte Dr. sc. Lew Fjodorow, Vorsitzender des Verbandes "Für chemische Sicherheit", die Verwendung von Phosphor-Bomben als Waffe im Irak.

Das US-Verteidigungsministerium hatte am Vortag zugegeben, Phosphor als militärische Waffe gegen Terroristen im Irak eingesetzt zu haben. Pentagon-Sprecher Barry Venable erklärte am Mittwoch, der Einsatz von Phosphor habe sich nicht gegen Zivilpersonen gerichtet.

Im November 2004 sei weißer Phosphor in Falluja tatsächlich als Brandwaffe gegen feindliche Kämpfer eingesetzt worden. "Weißer Phosphor wurde gebraucht, um verschanzte Terroristen aus ihren Stellungen auszuräuchern, und nur dann, wenn die Anwendung der Artillerie und sonstiger Waffen unzulässig war", sagte der Pentagon-Sprecher.

Weißer Phosphor als Brandwaffe könne grundsätzlich nicht selektiv eingesetzt werden, sagte Lew Fjodorow in einem Interview für das russische Fernsehen. Der Phosphor in solchen Bomben sei vom synthetischen Kautschuk umhüllt. Bei der Detonation fliegen brennende Teile in alle Richtungen. Wo sie festkleben, brennen sie, bis der Phosphor vollständig verbrannt ist. "Das kann man nicht stoppen", sagte der russische Wissenschaftler. "Diese Waffe steht zwar nicht auf der Liste der ABC-Waffen, doch aus der Sicht des Schutzes ist das eine richtige Massenvernichtungswaffe. Sie wirkt nicht selektiv."

Der Einsatz der Phosphor-Bomben ist seit 1980 von der UN-Konvention über konventionelle Waffen verboten, und zwar dann, wenn die Gefahr besteht, dass bei ihrem Einsatz Zivilisten betroffen werden können. Aber die USA haben diese Konvention nicht unterzeichnet, deshalb drohe ihnen keine Strafe, auch wenn das US-Militär in der irakischen Stadt öffentliche Plätze bombardiert hat, sagte Fjodorow.

Der italienische TV-Sender RAI News24 hatte am 8. November berichtet, die Phosphor-Angriffe seien direkt gegen Zivilpersonen gerichtet gewesen, die zum Teil Brandwunden bis auf die Knochen davongetragen haben sollen. Wie ein US-Armeeangehöriger in der Sendung sagte, entsteht nach der Explosion einer Phosphor-Bombe eine Wolke, die alle Lebewesen im Umkreis von 150 Metern tötet. Er habe mit eigenen Augen verbrannte Leichen von Frauen und Kindern gesehen.

Die amerikanische Regierung hatte im Dezember 2004 den Einsatz der verbotenen Waffen als "Mythos" dementiert.

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