18:25 28 Juli 2016
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Kadyrow: Gaddafis Tod wird libysches Volk nicht vor Not bewahren

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Libyen: Rebellen erklären Gaddafi für tot (91)
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Der Tod des libyschen Revolutionsführers Muammar el-Gaddafi wird die Lage in Libyen nach Ansicht von Tschetscheniens Republikchef Ramsan Kadyrow nicht verbessern.

Der Tod des libyschen Revolutionsführers Muammar el-Gaddafi wird die Lage in Libyen nach Ansicht von Tschetscheniens Republikchef Ramsan Kadyrow nicht verbessern.

"Gaddafi ist tot, Libyen ist fast komplett unter Kontrolle bewaffneter Formationen, der sogenannten Aufständischen. Westliche Länder jubeln. Aber all das ist eher traurig, weil die Not des libyschen Volkes anhält, möglicherweise erst anfängt. Diese schwarze Periode in der Geschichte Libyens wird Jahre dauern", sagte Kadyrow vor der Presse in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny.

Libyen werde im Grunde genommen jetzt auf den Weg gedrängt, den der Irak und Afghanistan gingen. Der Vorwand sei wie in dem Fall der letzten beiden Staaten erdacht worden. "Unter dem Deckmantel des Schutzes der Zivilbevölkerung wurden Bombenangriffe rund um die Uhr geflogen, friedliche Einwohner mussten sterben. Tausende Menschen auf beiden Seiten der Barrikaden nahmen die Waffe in die Hand, die sie nicht von heute auf morgen strecken werden."

Kadyrow ist der Ansicht, dass der Zwist zwischen einzelnen Clans und der Kampf um die führenden Ämter in Libyen nach Gaddafis Tod nur stärker werden. "Dieses Land wird im Laufe von Jahren keine gewichtige Stimme auf dem internationalen Schauplatz haben."

Der tschetschenische Republikchef erinnerte daran, dass soziale Probleme unter Gaddafi erfolgreich gelöst wurden: Jeder Bürger habe seinen Anteil vom Gewinn aus dem Ölgeschäft kassiert, medizinische Hilfe und Ausbildung seien kostenlos gewesen. "Jetzt, nachdem die Euphorie vorbei ist, werden sich die Libyer darüber klar werden, was sie gehabt und was sie verloren haben. Diese Ernüchterung wird sie kaum begeistern."

Gaddafi habe Umtriebe terroristischer Organisationen in Tschetschenien von Anfang an verurteilt. "Ich war mit Gaddafi in Bengasi zusammengetroffen. Er hielt Russland für ein erhabenes Land, in dem Millionen Moslems leben und das alle Bedingungen für gute Beziehungen zwischen verschiedenen Konfessionen schafft. Er sagte immer, die Pflicht der Moslems bestehe darin, würdige Bürger des eigenen Landes zu sein."

Kadyrow zufolge hätte die internationale Gemeinschaft demokratische Prozesse in Libyen fördern sollen. Das hätte politische Wandlungen "ohne Blut und ohne Zerstörung der nationalen Einheit" zur Folge gehabt. "Der Einsatz von Streitkräften für die Beilegung innerer Konflikte und Gegensätze in dritten Ländern wird Spannungen in der ganzen Welt nur schüren und zur Herstellung von Kontrolle einzelner Länder über Rohstoffressourcen einer ganzen Region führen", sagte Kadyrow.

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