06:37 27 August 2016
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Wegen China: USA kehren zu Militärstützpunkten in Asien zurück „Nesawissimaja Gaseta“

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Die US-Regierung streitet offiziell zwar ab, China eindämmen zu wollen. Doch US-Experten zufolge will Washington ein Gegengewicht zu China in Asien schaffen. „Die USA führen ein langfristiges Spiel“, sagte Patrick Cronin, Leiter des Asien-Sicherheitsprogramms am „Center for a New American Security“ (CNAS).

Das Pentagon reaktiviert seine Militärstützpunkte aus Zeiten des Vietnam-Kriegs, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

US-Kriegsschiffe kehren zu den Häfen in Südostasien, die sie nach dem Vietnam-Krieg verlassen hatten, zurück. Die USA wollen Chinas Expansion eindämmen. Peking wird als Gegenschritt seine Kriegsflotte für einen möglichen Kampfeinsatz im Pazifik weiter aufrüsten. Beide Großmächte wollen dennoch eine direkte Konfrontation vermeiden. Einige Experten rechnen damit, dass China wegen der neuen US-Strategie enger mit Russland kooperieren will.

Den wichtigen Platz in der US-Strategie in Asien nehmen Thailand, Vietnam und die Philippinen ein. In Thailand will das Pentagon einen Flugplatz umbauen, auf dem in den 1960er und 1970er Jahren B-52-Bomber stationiert worden waren. Schiffe der US-Marine sollen künftig häufiger thailändische Häfen ansteuern.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta hatte im Juni den vietnamesischen Militärstützpunkt Cam Ranh besucht. Panetta sprach von einem großen Potential. Während des Kriegs gegen Vietnam waren Subic Bay und der Luftstützpunkt Clark auf den Philippinen die wichtigsten US-Militärstützpunkte in Asien gewesen. Die USA wollen diese Stützpunkte in der Zukunft stärker in Anspruch nehmen.

Es wurde eine Vereinbarung über die Besuche der Schiffe in diesen Häfen und gemeinsame Manöver erzielt. Die Obama-Administration rechnet jedoch damit, dass die US-Militärs später in drei Ländern fester Fuß fassen.

Es handelt sich nicht um eine weitere Besatzung von alten oder den Bau von neuen Stützpunkten. „Ich reise nicht in der Welt herum mit einem Rücksack, vollgestopft mit US-Flaggen, und hisse sie nicht“, sagte US-Generalstabschef Martin Dempsey. Dempsey zufolge soll eine US-Truppenrotation in Gang gebracht werden.

Die US-Regierung streitet offiziell zwar ab, China eindämmen zu wollen. Doch US-Experten zufolge will Washington ein Gegengewicht zu China in Asien schaffen. „Die USA führen ein langfristiges Spiel“, sagte Patrick Cronin, Leiter des Asien-Sicherheitsprogramms am „Center for a New American Security“ (CNAS).

Wie reagiert Peking auf den neuen Asien-Kurs der USA? Laut Andrej Karnejew, dem stellvertretenden Direktor des Moskauer Asien- und Afrika-Instituts, wollen weder die USA noch China einen Militärkonflikt. Doch Peking werde Gegenschritte unternehmen. „Es wird vor allem die Rüstungsausgaben erhöhen und die Modernisierung der Streitkräfte fortsetzen. Das betrifft vor allem die Kriegsflotte und die Luftstreitkräfte. Sie werden imstande sein, Chinas Stärke weit von seinen Grenzen zu zeigen“, sagte Karnejew.

Zugleich werde China seine strategischen Interessen mit politisch-diplomatischen Methoden verteidigen. Peking pflege gute Beziehungen zu Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka. Zudem hängen die ASEAN-Staaten in vielen Fällen stärker von China als von den USA ab. Deswegen werden sie keine Vereinbarungen mit den USA eingehen, die ihre Beziehungen zu Peking bedrohen könnten. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass Peking angesichts der aktiveren Asien-Politik der USA enger mit Russland kooperieren werde, sagte der Experte.

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