23:07 27 Juli 2016
Radio
Politik

Zypern-Krise: Zielt EU mit „Rettungsprogramm“ auf ranghohen Politiker ab? „Wedomosti“

Politik
Zum Kurzlink
Einmal-Steuer-Entscheidung in Zypern (110)
0300

Nach der Reaktion von Wladimir Putin und Dmitri Medwedew zu urteilen, war der Beschluss über die Besteuerung der Bankkonten auf Zypern für sie genauso plötzlich und ärgerlich wie auch für die tausenden von einfachen Bankkunden der sonnigen Insel, schreibt die Tageszeitung „Wedomosti“ am Dienstag.

Nach der Reaktion von Wladimir Putin und Dmitri Medwedew zu urteilen, war der Beschluss über die Besteuerung der Bankkonten auf Zypern für sie genauso plötzlich und ärgerlich wie auch für die tausenden von einfachen Bankkunden der sonnigen Insel, schreibt die Tageszeitung „Wedomosti“ am Dienstag.

„Niemand hat uns gewarnt! Dabei halten Zypern alle rundherum beinahe für eine russische Provinz. Wohin haben bloß die Geheimdienste geschaut? Auf der Insel, die als der größte Investor der russischen Wirtschaft geführt wird (von dort stammen nämlich 40 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in Russland) und wohin das russische Kapital abfließt, muss doch die russische Aufklärung ganz exakt funktionieren!“, so die Zeitung.

„Wir wurden dazu gezwungen“, rechtfertigt sich Zyperns Präsident Nikos Anastasiades. Der Druck der EU sei dermaßen stark gewesen, dass jeder Widerstand unmöglich war.

„Vielleicht war aber nicht die Rettung von Zypern, sondern etwas anderes das reale Ziel dieser Operation?“ schreibt die „Wedomosti“.

„Zu hartnäckig haben die EU-Offiziellen in den letzten Monaten wiederholt, Zypern sei eine große russische Geldwäsche-Anlage. Die europäische Presse hat diese Meinung fleißig weiter verbreitet. Hunderte von Medien haben einen Enthüllungsbericht des deutschen Nachrichtendienstes über das russische Geld auf Zypern veröffentlicht. Neben den beachtlichen Summen, die dort erwähnt wurden, hieß es darin auch, rund 80 russische Oligarchen hätten die zypriotische Staatsbürgerschaft und damit auch die Möglichkeit bekommen, im EU-Raum geschäftlich aktiv zu sein.“

„In Bezug auf Zypern waren für die EU (und unter anderem auch für Deutschland) eindeutig nicht das Geld, sondern die Prinzipien wichtig“, heißt es im Beitrag. „Der läppische Preis für die Rettung der zypriotischen Banken – zehn Millairden Dollar – war es nicht wert, das Wohlergehen des gesamten europäischen Bankensystems aufs Spiel zu setzen. Denn allein schon die Diskussion über die Konten-Besteuerung wird einen Massenabfluss von Einlagen (und zwar aus allen europäischen Banken, nicht bloß aus den zypriotischen) nach sich ziehen und eine neue Runde der Krise in Europa hervorrufen, mahnen heute die meisten Analysten. Zyperns Wirtschaft, deren BIP zu 80 Prozent von Finanzdienstleistungen bestritten wird, würde dabei einen derart starken Schlag bekommen, von dem sie sich nicht allzu bald erholen wird.“

„Es muss ein wichtigeres Projekt gewesen sein, das einen derart hohen Preis verlangte“, schlussfolgert das Blatt. „Kaum zu glauben, aber dennoch: Anscheinend sind die europäischen Politiker zu einem derart großen Risiko bereit, um einen einflussreichen Politiker unter Druck zu setzen, der sein Geld in zypriotischen Banken versteckt hat.“

Themen:
Einmal-Steuer-Entscheidung in Zypern (110)
Top-Themen