23:44 26 Juli 2016
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„Hysterie, Realitätsverlust“: EU bangt um „Gratis-Nachschlag“ aus Ukraine Lawrow

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Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat in einem TV-Interview nicht an Kritik an der EU gespart: Die „an Hysterie grenzende“ Reaktion des Westens auf die Absage des Assoziierungsabkommens zeige, dass die krisengeschüttelte EU vor allem am „billigen Zubrot“ aus Kiew interessiert sei.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat in einem TV-Interview nicht an Kritik an der EU gespart: Die „an Hysterie grenzende“ Reaktion des Westens auf die Absage des Assoziierungsabkommens zeige, dass die krisengeschüttelte EU vor allem am „billigen Zubrot“ aus Kiew interessiert sei.

„Unsere EU-Partner sind in erster Linie besorgt, weil ihnen ein äußerst preisgünstiger – um nicht zu sagen kostenloser – Gewinn-Nachschlag entgeht, und das in Krisenzeiten“, sagte Lawrow im Interview mit dem TV-Sender Rossiya-24.    

Die „beinahe hysterische Reaktion“ der EU auf eine „souveräne Entscheidung der legitimen Regierung der Ukraine“ stoße in Moskau auf Unverständnis, so Lawrow weiter: „Was hat die Regierung von Viktor Janukowitsch getan? Sind sie aus dem Atomwaffensperrvertrag ausgetreten? Oder haben sie angekündigt, entgegen ihren Verpflichtungen eine Atombombe bauen zu wollen? Haben sie jemanden erschießen lassen?“ 

Russlands Präsident Wladimir Putin habe sich schon mehrmals zur „von langer Hand geplanten“ Situation in der Ukraine geäußert, betonte der Minister. 

„Dass unsere westlichen Partner offenbar den Realitätssinn verloren haben, finde ich sehr bedauerlich. Stellen Sie sich vor, ich würde mitten in den Ereignissen nach Deutschland fahren, wenn dort eine neue EU-Skeptiker-Partei binnen weniger Monate mit Losungen wie ‘Raus aus der EU’ großen Zuspruch erlangt hätte. Wenn ich mich dort unter die Demonstranten mischen würde, die ein Umdenken der Beziehungen Deutschlands mit der EU, einen Austritt fordern, würde eine Resolution (von Nato, Europarat und OSZE, Red.) folgen, wie unerhört es sei, dass Russland sich in die inneren Angelegenheiten Deutschlands einmischt“, sagte Lawrow. 

Ein „ernsthaftes“ Gespräch zu diesem Thema stehe „unbedingt“ an, so der russische Außenminister – es bleibe zu hoffen, dass die EU sich davor nicht „ drücken“ werde. 

Die von Russlands stets „ruhig“ vorgebrachte  Idee eines gemeinsamen humanitären Raumes und einer Wirtschaftszone von Lissabon bis Wladiwostok sei nun, vor dem Hintergrund der Versuche der EU, „den sogenannten Ostpartnerschaftsländern seine Position aufzudrängen“, aktueller denn je.

Die EU-Ostpartner, so Lawrow, seien der Konkurrenz mit den europäischen Waren nicht gewachsen. Dennoch versuche man sie in die Freihandelszone zu drängen, um an Märkte zu kommen, die sofort von den konkurrenzfähigeren Produkten aus Europa geschwemmt werden. Dadurch, so der russische Außenminister, „stirbt die analoge Produktion in den Ländern, die Assoziierungsabkommen unterzeichnen“, und es entstehen Probleme für Russland, da es mit diesen Staaten für Moskau ebenfalls keine Handelsschranken gebe. „Hier liegt der Hund begraben“, sagte der russische Chefdiplomat. 


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