03:48 27 Juli 2016
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Bundeskanzlerin Angela Merkel

The Guardian: Will Merkel bisherige Ostpolitik aufgeben?

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Politik
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Scharfe Töne von Angela Merkel in Bezug auf Russlands Ukraine-Politik zeugen offenbar davon, dass die Bundeskanzlerin auf ihre bisherige Ostpolitik verzichten will, was eine Veränderung der Kräftekonstellation in der europäischen Geopolitik nach sich ziehen würde.

Scharfe Töne von Angela Merkel in Bezug auf Russlands Ukraine-Politik zeugen offenbar davon, dass die Bundeskanzlerin auf ihre bisherige Ostpolitik verzichten will, was eine Veränderung der Kräftekonstellation in der europäischen Geopolitik nach sich ziehen würde.

Das schreibt Natalie Nougayrède, die frühere Chefredakteurin der Pariser Zeitung „Le Monde“, im britischen „The Guardian“ (Donnerstagausgabe).

Sollte dies geschehen, so würden die Anhänger Russlands in Deutschland unter immensen Druck geraten, betont die Autorin. Alle europäischen Länder würden dabei aufmerksam die Veränderungen nicht nur der russisch-deutschen, sondern auch der deutsch-amerikanischen Beziehungen beobachten.

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Merkel: Russlandsanktionen bleiben in Kraft

In ihrer Rede in Sydney hatte Merkel die russische Haltung in der Ukraine-Krise scharf kritisiert: Moskau betrachte die Ukraine in altem Denken als seinen Einflussbereich. Der Bundeskanzlerin werde es aber in jedem Fall nicht leicht fallen, den geopolitischen Kurs des Landes ab sofort zu verändern, äußert Nougayrède. Denn dann würden die politischen Interessen mit den wirtschaftlichen kollidieren. In Europa ist aber Russland Deutschlands Handelspartner Nummer Eins.

Dabei sei damit zu rechnen, dass Russlands Präsident Wladimir Putin Deutschland eine Abhängigkeit vom Diktat der USA vorwerfen würde. Angesichts der jüngsten Spionage-Skandale zwischen Berlin und Washington könne dies als besonders schmerzhaft empfunden werden.

Über eine eventuelle Wende in der deutschen Geopolitik würden sich Polen und die baltischen Staaten wie auch Georgien freuen, räumt Nougayrède ein. Zugleich werde Merkel mit ernsthaftem Widerspruch innerhalb des Landes sowie mit einer Unzufriedenheit seitens Italiens, Ungarns und sogar Tschechiens konfrontiert.

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