08:50 25 Juni 2016
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Deutschland als Terrorziel: „IS schleust bewusst Männer ein“

© REUTERS/ Dado Ruvic
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Deutschland ist nach Erkenntnissen des Bundesinnenministeriums ein „tatsächliches Ziel dschihadistisch motivierter Gewalt“. Der Terrorismus-Experte Rolf Tophoven warnt vor einer Unterschätzung: Die Terrormiliz Daesh (Islamischer Staat, IS) könnte den Flüchtlingsstrom „für seine operativen Zwecke instrumentalisieren“.

In einem Geheimbericht hat das Bundesinnenministerium nach Angaben der „Bild“-Zeitung Deutschland als ein „erklärtes und tatsächliches Ziel dschihadistisch motivierter Gewalt" eingestuft.

Die Gefahr für Deutschland bestehe und sei durch den Anschlag in Istanbul und die Anschläge in Paris auch für Deutschland noch gestiegen, kommentiert Rolf Tophoven, Direktor des „Instituts für Krisenprävention“ (IFTUS) in Essen, gegenüber Sputniknews. Die Bundesrepublik werde durch die Teilnahme an der sogenannten Anti-Terror-Koalition als Gegner des IS wahrgenommen. „Nicht zuletzt ist die Gefahr auch durch fanatisierte Täter gegeben, die in Syrien beim IS gekämpft haben und jetzt nach Deutschland zurückgekommen sind.“

Auf der einen Seite handle es sich um stark frustrierte junge Männer, auf der anderen Seite seien es die sogenannten Hardcore-Terroristen, die potenziell zu Anschlägen bereit seien, so der Experte. Wenn es zu einem Anschlag in Deutschland komme, könnte er in einer Art Kommandostil mit Kriegswaffen wie in Paris oder durch Einzeltäter mit einem Sprengstoffgürtel verübt werden, warnt Tophoven.

IS-Kämpfer womöglich unter Flüchtlingen

Jüngsten Studien zufolge gibt es bisher zwar keine belastbaren Erkenntnisse, dass unter dem Flüchtlingsstrom IS-Kämpfer nach Europa und nach Deutschland kommen. Tophoven warnt jedoch davor, die Gefahr zu bagatellisieren.

„Es wäre eine fatale Unterschätzung des IS, wenn man nicht annehmen würde, er könnte für seine operativen Zwecke den Flüchtlingsstrom instrumentalisieren“. Und weiter: „Es ist nicht auszuschließen, dass der IS bewusst Männer nach Europa und Deutschland einschleust, um eines Tages hier einen Anschlag zu begehen. Es gibt zwar keine Beweise, aber es wird nicht ausgeschlossen.“

Die Schwierigkeit liegt ihm zufolge auf mehreren Ebenen: „Wir müssen die Menschen menschenwürdig integrieren und sozial abstützen. Andererseits ist jetzt an die innenpolitische Szene Verunsicherung gekommen. Das spielt im Grunde dem IS in die Hände: Sie können uns zwar nicht entscheidend schlagen, aber sie schaffen Verunsicherung.“

„Es gibt keinen Königsweg der Terrorismusbekämpfung“, betont Tophoven. „Häufig ist es das große Problem, dass der Terrorist agiert und der Staat erst danach reagieren kann. Was man jetzt tun muss, wird wahrscheinlich eine schärfere Registrierung und Kontrolle an den europäischen Grenzen sein“, so der Experte. Man solle die Bürger ehrlich über reale Terrorgefahr aufklären, aber die Bürger selbst müssen normal weiter leben und dürfen nicht in Panik verfallen. Der Staat werde herausgefordert, aber habe es selbst in der Hand, über Sieg oder Niederlage des Terrors zu entscheiden: „Wir können uns immer verweigern, das zu tun, was die Terroristen von uns verlangen.“

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Tags:
Flüchtlinge, Terrormiliz Daesh, Rolf Tophoven, Europäische Union, Deutschland
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