23:55 25 August 2016
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Gazprom schickt Schröder auf Iran-Mission - „Kommersant“

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MOSKAU, 20. Februar (RIA Novosti). Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder hat gestern die iranische Hauptstadt Teheran besucht. Über den Besuch Schröders als Vorsitzenden des Aktionärsausschusses der Nord Stream AG berichtet die Tageszeitung „Kommersant“ am Freitag.

Die Nord Stream AG wurde als Betreibergesellschaft für die Nordeuropäische Gasleitung zum Gastransport von Russland durch die Ostsee nach Deutschland gegründet.

Sein Besuch fiel mit den Verhandlungen, die die EU mit Iran über dessen Teilnahmen am Nabucco-Projekt bzw. am Bau einer Pipeline, die Gas aus Zentralasien nach Europa unter Umgehung Russlands transportieren soll, zusammen. Schröder gilt als Freund des Iran, deswegen wird er möglicherweise versuchen, die Islamische Republik dazu zu bewegen, eine eventuelle Abmachung mit der EU abzulehnen und sich stattdessen dem South-Stream-Projekt zuzuwenden.

Die mögliche Teilnahme Irans an europäischen Gasprojekten ist bereits schon längere Zeit im Gespräch. Zeitgleich befindet sich in Teheran auch der bulgarische Vizeaußenminister Jordan Popow, der neulich mitgeteilt hat, dass sein Land sehr daran interessiert sei, dass der Iran sein Gas nach Europa mit Hilfe der Nabucco-Pipeline liefere. Die Äußerungen dieses hochrangigen bulgarischen Diplomaten wurden in Teheran wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Der iranische Vizeaußenminister Mehdi Safari erklärte, sein Land sei bereit, vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse in der Energiewirtschaft Gas nach Bulgarien und Europa insgesamt zu liefern. Darüber hinaus betonte er, Iran könne die Rolle eines alternativen Gaslieferanten für Europa übernehmen, Lieferungen durch die Nabucco-Pipeline inklusive.

Schröder als Gazproms Beauftragter vertritt hier eine komplett andere Auffassung: Er sei nach Iran gereist, um das Terrain auszuloten und Teherans Pläne in Bezug auf die eigene Gasindustrie zu erfahren, so Valeri Nesterow von Troika-Dialog. Schröder habe kaum Befugnisse, um irgendwelche Papiere zu unterschreiben, doch es ist klar, dass er nicht gegen das South-Stream-Projekt arbeiten werde, so Nesterow weiter.

Michail Kotschemkin, Chef von der Firma East European Gas Analysis, pflichtet ihm bei: Schröder als Vertrauensmann Gazproms und als Vorsitzender des Aktionärsausschusses der Nord Stream AG, würde auf die Notwendigkeit hinweisen, beim Gasexport flexibel zu sein. Weder Gazprom noch die Nord Stream AG haben gestern das Ziel seines Besuchs kommentieren wollen.

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