18:00 31 August 2016
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Gipfel in Hannover: Moskau will Bau von drittem Nord-Stream-Strang anbieten

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Medwedew kommt zu russisch-deutschen Beratungen nach Hannover (23)
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Bei den Verhandlungen zwischen Dmitri Medwedew und Angela Merkel wird der russische Staatschef die Idee der Verlegung eines dritten Strangs der Gaspipeline Nord Stream unterbreiten, berichtet die Tageszeitung "Kommersant" am Dienstag.

Bei den Verhandlungen zwischen Dmitri Medwedew und Angela Merkel wird der russische Staatschef die Idee der Verlegung eines dritten Strangs der Gaspipeline Nord Stream unterbreiten, berichtet die Tageszeitung "Kommersant" am Dienstag.

"Eine mögliche Verlegung des dritten Nord-Stream-Strangs hatte der russische Premier Wladimir Putin erstmals am vergangenen Freitag erwähnt", schreibt das Blatt. "Bei seinem Gespräch mit Arbeitern des Hüttenkombinats Magnitogorsk teilte er mit, dass der Absatzmarkt für Produkte des Kombinats für die nächste Zeit gesichert ist: 'Jetzt wird der zweite Nord-Stream-Strang auf dem Meeresgrund der Ostsee verlegt, danach kommt der South Stream und vielleicht noch ein Strang des Nord Stream.'"

"Wie der 'Kommersant' von der russischen Regierung erfuhr, ist es aufgrund von Problemen in Zusammenhang mit dem South Stream notwendig, eine Diskussion über den Bau des dritten Nord-Stream-Strangs aufzunehmen. Russland hat von der Türkei nämlich immer noch keine Genehmigung für die Rohrverlegung in ihren Gewässern bekommen."

"Im August 2009 hatte Wladimir Putin mit dem türkischen Premier Erdogan vereinbart, dass der Unterwasserabschnitt des South Stream über türkisches Territorium verläuft", so die Zeitung. "Im Austausch dafür stimmte Moskau dem Bau einer für die Türkei günstigen Ölpipeline Samsun – Ceyhan zum Nachteil des eigenen Projekts Burgas – Alexandroupolis zu und kam der Türkei in Fragen des Baus des ersten türkischen AKW entgegen, das von Rosatom für die Türkei zu günstigen Konditionen gebaut werden soll. Eine endgültige Genehmigung gab Ankara dennoch nicht."

"Ein Sprecher des russischen Außenministeriums erklärt die Verzögerung mit zwei Gründen", stellt die Zeitung fest. "Erstens: Russland brennt nicht danach, die Vereinbarungen zum Samsun Ceyhan-Projekt umzusetzen… Zweitens: Ankara führt um den South Stream ein aktives politisches Spiel."

"Für die Türken ist das Projekt von keinem wirtschaftlichen Interesse", zitiert "Kommersant" den Diplomaten. "Sie gebrauchen nicht einmal die Menge in vollem Umfang, die sie über die Pipeline Blue Stream bekommen können. Die Einnahmen aus dem Transit sind für die Türken nicht sehr wichtig. Wichtig für sie sind die Geopolitik und die Möglichkeit, zum größten Gas-Hub Europas zu werden. Deshalb können sie noch sehr lange feilschen." Unter diesen Bedingungen könnte Moskau das South-Stream-Projekt zeitweilig auf Eis legen und den Export nach Europa mit Unterstützung seines bewährten Partners Deutschland vergrößern.

"Der dritte Nord-Stream-Strang würde Gazprom viel weniger kosten, etwa drei bis vier Milliarden Euro", schreibt die Zeitung. "Dennoch können Analysten kaum daran glauben, dass Gazprom wirklich auf den South Stream verzichten würde", stellt die Zeitung fest. "Das Gasmonopol hat deklariert, dass das South-Stream-Projekt 'unabhängig von der Marktsituation verwirklicht wird'… Gazprom wird sicherlich zumindest einen South-Stream-Strang verlegen, weil widrigenfalls das Konkurrenzprojekt Nabucco umgesetzt wird.


"Zugleich zweifeln Experten daran, dass ein dritter Nord-Stream-Strang wirklich gefragt ist", heißt es im Beitrag abschließend. "An der Zweckmäßigkeit des dritten Strangs zweifeln auch Gesprächspartner der Zeitung im deutschen Außenministerium.'Das russische Gas ist zwar zuverlässig, aber sehr teuer', sagte ein deutscher Diplomat. 'Wir möchten jetzt lieber nicht neue Gazprom-Rohre verlegen, sondern Terminals für die Aufnahme von verflüssigtem Erdgas bauen und die alternative Energiewirtschaft entwickeln."

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