00:33 31 Juli 2016
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Nordkaukasus: Radikale schlagen vor Olympia zu

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Im Nordkaukasus sind wieder Selbstmordattentäter aktiv geworden, stellt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch fest.

Im Nordkaukasus sind wieder Selbstmordattentäter aktiv geworden, stellt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch fest.

Im Landkreis Tabasaransky (Teilrepublik Dagestan) wurde am Montag ein Fahrzeug mit einer Bombe von 70 Kilogramm Trotyl-Äquivalent Sprengkraft vor einem Polizeigebäude in die Luft gejagt. Zwei Beamten wurden getötet und nahezu 20 Menschen verletzt.

Am 16. September waren im tschetschenischen Landkreis Sunschenskoje unter ähnlichen Umständen drei Polizisten ums Leben gekommen. Weitere vier zogen sich Verletzungen zu. Am selben Tag wurde in Inguschetien ein Mann mit einem so genannten Schachidengürtel gefasst, der offenbar ein Selbstmordattentat plante.

In Tschetschenien und Inguschetien hatte es seit Sommer 2012 keine großen Anschläge gegeben. Damals waren vor einem Einkaufszentrum in Grosny und bei der Bestattung eines Polizisten im inguschischen Ort Psedakh mehrere Bomben gezündet worden.

Das Aufkommen der Selbstmordattentäter hat offenbar seine Gründe. Vor allem wollen die Terroristen die Gesellschaft und ihre Geldgeber auf sich aufmerksam machen. Es fließt kaum noch Geld aus dem Ausland, nachdem die russischen Geheimdienste ihre Bemühungen im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi verstärkt haben.

Im Visier des Kremls stehen korrupte Beamte im Nordkaukasus, die Kontakte mit Separatisten pflegten und ihnen politische und finanzielle Unterstützung leisteten.

Darüber hinaus wollen die Terroristen angesichts des Syrien-Konflikts zeigen, dass der „Heilige Krieg“ (Dschihad) nicht nur im Nahen Osten, sondern auch im Kaukasus weiter geht. Deshalb können die kaukasischen Mudschaheddin statt nach Syrien zu gehen (wo sich laut dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB hunderte Kämpfer aus dem Nordkaukasus aufhalten) genauso gut in Russland bleiben. Außerdem müssten sie im Fall eines US-Militärschlags gegen Syrien heimkehren und den „Heiligen Krieg“ fortsetzen.

Die Extremisten wollen mit ihrem Dschihad in Russland auf sich aufmerksam machen und verhindern, dass ihre Finanzierungsquellen versiegen. Außerdem wollen sie Lage in der Region vor den Spielen in Sotschi zuspitzen.

Die jüngsten Anschläge zeugen davon, dass die Separatisten keine Kraft für offene Gefechte haben. Mit den Selbstmordattentaten wollen sie große Schäden anrichten und möglichst großes Aufsehen erregen.

Es wird wieder zu vereinzelten Selbstmordattentaten kommen, denn so genannte „schwarze Witwen“ und religiöse Fanatiker gibt es im Nordkaukasus reichlich. Die Behörden müssen Präventionsmaßnahmen treffen, wobei das immer eine ihrer Schwachstellen war. Vor und während den Olympischen Spielen richten sich die Blicke nach Sotschi. Die Extremisten sind zwar nicht in der Lage, Sotschi 2014 zum Scheitern bringen, aber einen Schaden können sie schon anrichten.

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