06:27 25 August 2016
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Raumfahrt: Russland und Iran planen engere Kooperation

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Moskau und Teheran bauen ihr Zusammenwirken in der Raumfahrt aus, schreibt die Zeitung "Iswestija" am Mittwoch.

Moskau und Teheran bauen ihr Zusammenwirken in der Raumfahrt aus, schreibt die Zeitung "Iswestija" am Mittwoch.

Laut Quellen in der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos wurde am 10. April in Teheran ein Abkommen unterzeichnet, das unter anderem Raumstarts russischer Trägerraketen mit iranischen Satelliten und die Ausbildung iranischer Kosmonauten in Russland vorsieht.

Die Iraner interessieren sich vor allem für russische Systeme zur Fernerkundung der Erde: Unter anderem wollen sie von russischen Satelliten aufgenommene Fotos der Erdoberfläche kaufen und mit russischer Hilfe ihr eigenes System zur Erderkundung entwickeln. Das geht aus einem Abkommen hervor, über dessen Kopie die "Iswestija" verfügt.

Zudem könnten sich russische Experten an der Entwicklung eines Kommunikationssatelliten für den Iran beteiligen. Dieser könnte  mit einer russischen Trägerrakete auf eine Erdumlaufbahn gebracht werden.

Außerdem könnte Russland die Ausbildung iranischer Kosmonauten übernehmen. Am 8. August 2013 hatte der Iran mitgeteilt, dass sein erstes bemanntes Raumschiff entwickelt worden sei, das drei Raumfahrer an Bord nehmen könne. „Die iranische Seite bereitet eine Anfrage bezüglich der Ausbildung ihrer Kosmonauten vor“, heißt in dem Abkommen.

Im russischen Ausbildungszentrum für Kosmonauten trainieren auch NASA-Astronauten, die mit russischen Raumschiffen Sojus zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Es könnte sogar dazu kommen, dass sich die Amerikaner und Iraner gemeinsam ausbilden lassen.

Gespräche über den Ausbau der russisch-iranischen Kooperation im Weltall wurden seit Mitte der 2000er-Jahre geführt. Konkrete Vereinbarungen wurden jedoch erst jetzt getroffen.

Nicht zu übersehen ist, dass das Abkommen mit dem Iran unterzeichnet wurde, nachdem die USA Sanktionen gegen russische Raumfahrtunternehmen verhängt hatten.

Der russische Raumfahrtexperte Iwan Moissejew vermutete, dass  Washington auf das russisch-iranische Zusammenwirken auf diesem Gebiet reagieren wird. „Erderkundungssysteme sind Doppelfunktionssysteme, und angesichts ihrer aktuellen Sanktionen gegen den Iran werden die Amerikaner darauf zweifellos reagieren“, so der Experte. Er schloss aber nicht aus, dass Moskau seine Zusammenarbeit mit den Iranern als eine Art Trumpf im Handel mit Washington nutzen wird. „In den frühen 1990er-Jahren haben wir auf die Übergabe unserer Raketenbautechnologien an Indien verzichtet und haben stattdessen ein Raketentriebwerk für dieses Land gebaut und seine Fachkräfte ausgebildet. Die Amerikaner haben danach zugestimmt, dass ihre Satelliten von russischen Weltraumbahnhöfen gestartet werden, und unsere Proton-Trägerraketen sind jetzt am gefragtesten.“

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