15:20 27 August 2016
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Xi Jinping und Wladimir Putin

Russlands Kontakt zu China wird enger - Experten warnen vor Abhängigkeit

© Sputnik/ Alexei Duzhinin
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Wegen den sich verschärfenden Spannungen mit dem Westen setzt Russland verstärkt auf einen Ausbau der Beziehungen zu China, schreibt die Zeitung "Nowyje Iswestija" am Montag.

Wegen den sich verschärfenden Spannungen mit dem Westen setzt Russland verstärkt auf einen Ausbau der Beziehungen zu China, schreibt die Zeitung "Nowyje Iswestija" am Montag.

Zwischen 2000 und 2013 ist der gegenseitige Handelsumsatz von acht auf 89,2 Milliarden US-Dollar gewachsen. Beide Seiten haben sich vor kurzem darauf geeinigt, diese Zahl bis 2015 auf 100 Milliarden Dollar zu erhöhen.

Das ist jedoch relativ wenig im Vergleich zum Handelsumsatz mit den EU-Ländern, der sich 2013 auf 417 Milliarden Dollar belief. Der Experte des Instituts für strategische Forschungen, Nikolai Troschin, führte in diesem Zusammenhang an, dass auf die EU nahezu die Hälfte des gesamten russischen Außenhandels entfalle.

Die Situation hat sich mittlerweile jedoch drastisch gewandelt: Laut vorläufigen Angaben ist der Handelsumsatz zwischen Russland und dem Westen zwischen Januar und Oktober um zwei bzw. drei Prozent zurückgegangen. Mit einigen EU-Ländern sei er sogar um Dutzende Prozent geschrumpft.

Dass Russland sich dem Osten zuwendet, begann jedoch lange vor der Verhängung der westlichen Russland-Sanktionen. Die grundsätzliche Entscheidung sei bereits 2008 bzw. 2009 getroffen worden, sagte Maxim Braterski von der Moskauer Higher School of Economics. „Die aktuellen Sanktionen zwingen Russland, in dieser Richtung noch intensiver zu handeln“, so der Experte.

Zum Durchbruch in den russisch-chinesischen Beziehungen wurde nach seiner Auffassung der Peking-Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Mai. Damals wurden ungefähr 50 bilaterale Abkommen, Verträge und Memoranden auf allen möglichen Ebenen von der Energiewirtschaft über Investitions- bis zu Infrastrukturprojekten unterzeichnet. Knapp 40 weitere Abkommen auf Gebieten wie Energiewirtschaft, Bank- und Verkehrswesen, Landwirtschaft und Weltraumforschung wurden zudem während des Moskau-Besuchs des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang im Oktober unterschrieben.

Besonders wichtig ist der im  Mai abgeschlossene 30-jährige Vertrag über die Lieferung von insgesamt einer Billion Kubikmeter Gas aus Russland nach China, der auf nahezu 400 Milliarden Dollar geschätzt wird. Die Lieferungen sollen bereits 2018 beginnen.

Einige Experten halten jedoch diesen Deal für unrentabel für Russland, nicht zuletzt deswegen, weil der Bau der Pipeline nach China etwa 55 Milliarden Dollar kosten wird, die der russische Konzern Gazprom nicht hat. Da die Chinesen eine Vorauszahlung in Höhe von 25 Milliarden Dollar verweigert haben, muss der Energieriese mit Krediten unterstützt werden, was wegen der westlichen Sanktionen schwierig werden könnte.

Darüber hinaus werden Moskau und Peking in den kommenden Jahren ein Gasverflüssigungswerk bauen. Der russische unabhängige Gasproduzent NOVATEK hat mit dem chinesischen Energiekonzern CNPC einen 20-jährigen Vertrag über Flüssiggaslieferungen abgeschlossen.

Die russische Atomholding Rosatom verhandelt zudem über den Bau von zwei Atomreaktoren auf dem chinesischen Festland Die russische Flugzeugbauholding (OAK) und der chinesische Konzern COMAC wollen gemeinsam ein Langstrecken-Passagierflugzeug entwickeln (eine entsprechende Absichtserklärung wurde im Oktober unterzeichnet).

Auch das Zusammenwirken im Finanzbereich wird ausgeweitet. Experte Troschin verwies in diesem Kontext auf den allmählichen Übergang zu Rubel und Yuan im Handel zwischen den beiden Ländern. „Es ist gut, dass wir auf den Dollar verzichten und dadurch dem Druck seitens derjenigen entgehen, die Dollar emittieren“, sagte Gleb Iwaschtschenko vom Russischen APEC-Forschungszentrum.

Angesichts der umfassenden Kooperationspläne schlussfolgerte der Experte, dass Moskau mit Pekings Unterstützung rechnen dürfe. Troschin zweifelte jedoch daran, dass China ein geopolitisches Bündnis mit Russland gegen die USA und Europa eingeht.

Zudem warnte er, dass Russlands wirtschaftliche Abhängigkeit von der Volksrepublik zu groß werden könnte, falls es weiter auf Distanz zum Westen gehen würde „In mittelfristiger Perspektive“ von fünf bis zehn Jahren werde das Zusammenwirken mit China aber positive Folgen für Moskau haben, vermutete er. „Wie es weiter geht, hängt davon ab, wie stark unsere Wirtschaft zum jeweiligen Zeitpunkt sein wird.“

 

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