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© AFP 2018/ Safin Hamed

„Wie ich in der Freizeit Kurdistan beim Kampf gegen den IS unterstütze“

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Bolle Selke

Nachdem kurdische Kämpfer an vorderster Front gegen den IS* gekämpft haben, rückt nun die Türkei in Syrien vor. Die kurdischen Kämpfer in Afrin zum Beispiel fühlen sich nun ein weiteres Mal von der Staatengemeinschaft alleine gelassen, sagt Enno Lenze im Sputnik-Interview.

Der Berlinera Unternehmer und Geschäftsführer beim Berlin Story Verlag fährt in seiner Freizeit gerne in die Autonome Region Kurdistan im Nordirak. Nun hat er ein Buch darüber geschrieben mit dem Titel „Fronturlaub“, das am 16.04. im Riva Verlag erscheint.  

„Es kommt ja immer wieder vor, dass irgendeine Nation erkennt, dass man den Kurden mal helfen sollte, weil sie ja gerade mal nütze sind, und sie dann im nächsten Jahr wieder fallen lässt, weil es ihr doch wieder zu teuer wurde, oder so. Das ist leider seit hundert Jahren oder länger die Geschichte.“  

„Einer der Leute, die vor dem ‚Islamischen Staat‘ in Shingal fliehen konnten, hat mir erzählt, wie er gerade im Nachbarhaus war, als sein Haus überfallen worden ist. Er hat nur überlebt, weil ein Freund ihn davon abgehalten hat zurückzugehen. Er musste also mitansehen, wie seine Familie ermordet und verschleppt wurde. Die Entscheidung, dort nicht einzugreifen, kann man mit einem normalen Geist kaum fassen. Man musste sich raushalten, um überhaupt zu überleben. Das, was er mir erzählte, war so ziemlich das härteste, was ich je gehört habe. Aber darum geht es doch, wenn wir vom IS sprechen. Es geht nicht darum, dass sie hübsche Autos fahren, es geht auch nicht darum, dass sie eine verkorkste Religionsansicht haben. Es geht darum, dass sie Menschen abschlachten: einzelne Individuen, die dann tot sind. Das musste an den Anfang vom Buch, damit einfach klar ist, wovon wir hier reden.“  

In der Autonomen Region Kurdistan wurde im September darüber abgestimmt, ob die kurdische Regionalregierung im Nordirak mit der Zentralregierung im Irak in Verhandlung über eine Unabhängigkeit treten soll. 

„Da geht es nicht um die kurdisch besiedelten Gebiete im Iran, Syrien oder der Türkei, sondern nur im Irak. 93 Prozent der Teilnehmer haben gesagt, ja, wir wollen, dass in Verhandlungen getreten wird. Das ist ein ganz eindeutiges Votum. 93 Prozent möchten also gerne unabhängig werden. Wenn die das wollen, dann wird sich das nicht aufhalten lassen. Das zeigt die Geschichte. Es ist dort so, dass die kurdischen Gebiete eine eigene Sprache und eine eigene Kultur haben. Ich kann das schon verstehen, wenn sie sagen: ‚Wir wollen hier raus. Wir wollen unabhängig sein. Wir wollen uns vor allem selber schützen können.‘ Dementsprechend würde ich ihnen schon wünschen, dass wenn das Volk das möchte, dass man sie dann auch lässt.“  

* Islamischer Staat (IS, auch Daesh), eine in Russland verbotene Terrorvereinigung