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© AP Photo / Burhan Ozbilici

Schröder: „Bald dürfen wir zu niemandem mehr Wirtschaftsbeziehungen haben“

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Gerhard Schröder hat in einem Interview für die „Welt am Sonntag“ den Druck seitens der USA scharf kritisiert: Sollte es so weitergehen, wird Deutschland laut dem Altkanzler bald zu niemandem mehr Wirtschaftsbeziehungen haben dürfen.

Ein souveränes Land dürfe sich von niemandem vorschreiben lassen, mit welchen Staaten es Handel treiben dürfe – auch nicht von den Vereinigten Staaten, so Schröder

„Ich bin sicher kein Anti-Amerikaner. Aber Kern meiner Bemühungen in der Außenpolitik war es, eine relative Unabhängigkeit von den USA zu erkämpfen und zu erhalten“, so Schröder.

Besonders sei das beim „Nein“ zum Irak-Krieg deutlich geworden. „Bei allen Verdiensten der Amerikaner, was Deutschlands Entwicklung nach 1945 angeht, halte ich so eine Position gerade jetzt wieder für vernünftig.“

Der Altkanzler lehnt die Forderungen der Administration des US-Präsidenten Donald Trump, den Handel mit verschiedenen Staaten einzuschränken, entschieden ab: „Iran, China, Russland: Wenn das so weiter geht, dann dürfen wir bald zu niemandem mehr Wirtschaftsbeziehungen haben.“

Für ein exportabhängiges Land wie Deutschland sei das inakzeptabel. „Das muss man den Amerikanern auch sagen, bei allem Respekt und bei aller Freundschaft.“

Schröder erläuterte zudem die Position der USA in Bezug auf die Gaspipeline Nord Stream 2: Washington, das den Stopp des Projekts fordere, gehe es ausschließlich um seine eigenen Interessen. „Das tun sie nicht aus ihrer Liebe zur Ukraine, sondern weil sie selbst Gas nach Deutschland liefern wollen – Flüssiggas, das qualitativ schlechter, dafür aber teurer ist als Pipelinegas.“

Zuvor hatte Schröder scharfe Kritik am US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, geübt: Dieser führe sich wie ein Besatzungsoffizier auf. „Wir können uns nicht gefallen lassen, dass wir wie ein besetztes Land behandelt werden“, sagte der SPD-Politiker gegenüber Reuters.

„Wenn ich mir das Agieren des amerikanischen Botschafters in Deutschland so anschaue, habe ich den Eindruck, er versteht sich eher als Besatzungsoffizier denn als Botschafter der Vereinigten Staaten in einem souveränen Staat“, fügte er hinzu.