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05:51 22 September 2019
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    Kiew vertuscht Zahl seiner Kriegstoten

    Opferzahl-Mogelei: Kiew will an Kriegstoten sparen

    © AP Photo / Balint Szlanko
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    Entwicklung in Ostukraine (2318)
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    Die ukrainischen Behörden informieren ihre Mitbürger kaum über die echten Verluste während der „Anti-Terror-Operation" im Osten des Landes - „um die Verwandten der Todesopfer nicht zu beunruhigen".

    Und auch um ihren Familien die versprochene Entschädigung von jeweils mehr als 30 000 Euro nicht zu zahlen. Die menschlichen Verluste sind aber viel größer als offiziell mitgeteilt wird, stellt der weißrussische Politologe Nikolai Malischewski aus dem Zentrum für internationale Journalistik und Ermittlungen fest.

    Im Dezember hat der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko eingeräumt, dass während der „Anti-Terror-Operation" in der Donbass-Region 1252 Soldaten ums Leben gekommen seien. Dabei hatte Kiew noch im November abermals zu verstehen gegeben, dass die Verluste im Osten des Landes im Grunde keine Rolle spielen würden, so Milaschewski in der russischen Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta". Die Verwandten der im Donezbecken vermissten Soldaten wurden aufgerufen, darüber selbst mitzuteilen: Zu diesem Zweck wurde beim Präsidialamt ein Callcenter eingerichtet, wo Volontäre arbeiten. „Das ist das erste Callcenter, seitdem es das Präsidialamt gibt", sagte die Präsidentenberaterin Olga Bogomolez stolz.

    Die Behörden haben seit dem Beginn des Militäreinsatzes in der Donbass-Region die Verluste der ukrainischen Armee ständig verheimlicht und unterbewertet sowie die Informationen über die Todesursachen gefälscht. So wurden von Anfang an die Verluste unter den Kämpfern der so genannten „Maidan-Hundertschaften" nicht genannt, die laut dem Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat „auf den schwierigsten Frontabschnitten sterben". Deswegen denken manche ukrainische Experten und Nationalisten, dass Kiew besonders aktive „Revolutionäre" im Osten des Landes sterben lassen will, die in die Ungunst der an die Macht gekommenen Oligarchen wie Poroschenko und Igor Kolomoiski geraten sind.

    Im frühen Sommer erklärte das Kommando der ostukrainischen Volkswehr, dass die ukrainische Führung „mit ihrem Latein am Ende sei", falls die Bevölkerung des Landes von den wahren Verlusten der ukrainischen Kräfte bei Slawjansk erfahren sollte. Möglicherweise war das der Grund, warum der amtierende Leiter der Personal-Hauptverwaltung im Verteidigungsministerium, Generalmajor Alexander Rosmasnin erklärte, dass die Totenstatistik Grenzschutzsoldaten und Nationalgarde-Kämpfer nicht berücksichtige.

    Die genaue Zahl der Kämpfer der Nationalgarde, des rechtsradikalen „Rechten Sektors" und der Spezialbataillone, die an den Kriegshandlungen im Donezbecken teilnehmen (vor allem in den ersten Monaten der „Anti-Terror-Operation"), ist nicht bekannt. Es gab keine offiziellen Listen der Kämpfer, und das ist umso besser für die Behörden, weil dann die wahren Verluste nie bekannt werden. Dasselbe gilt für das ukrainische Verteidigungsministerium, wo es ebenfalls keine entsprechende Datenbank gibt.

    Seit Herbst zählen die ukrainischen Behörden die gefallenen Nationalgarde-Kämpfer, Grenzschutzsoldaten, Beamten der Polizei und des Sicherheitsdienstes (SBU) mit. Ihre Angaben sind aber oft widersprüchlich. So teilte der Militärstaatsanwalt Anatoli Matios am 7. Oktober den Tod von 953 Soldaten im Laufe der „Anti-Terror-Operation" mit. Poroschenko sagte jedoch nur drei Tage später, dass laut offiziellen Angaben 967 Militärs ums Leben gekommen seien.

    Hier ist ein weiteres Beispiel: Laut offiziellen Angaben des Verteidigungsministeriums sind Ende August in bzw. bei Ilowaisk (Gebiet Donezk) 108 Soldaten gestorben. Generalstaatsanwalt Vitali Jarjoma teilte aber gleichzeitig den Tod von 200 Soldaten mit. Der Kommandeur des Bataillons „Donbass", Semjon Semjontschenko, sprach sogar von mehr als 1000 Toten. Der Vorsitzende der für die Ermittlung der Ereignisse bei Ilowaisk zuständigen Parlamentskommission, Andrej Sentschenko, informierte seinerseits, dass zwischen dem 23. Juli und dem 23. August insgesamt 3400 Kämpfer der „Truppengruppierung D" ums Leben gekommen seien, die am Ilowaisk-Einsatz teilgenommen hatte.

    Unberücksichtigt bleiben zudem ausländische und ukrainische Söldner, freiwillige Neonazis, Militärinstrukteure und Verbrecher, die auf der Seite der ukrainischen Armee am Kriegseinsatz im Osten des Landes teilnahmen und gestorben sind. Nachdem die Oberste Rada (ukrainisches Parlament) am 6. Mai ein Amnestie-Gesetz verabschiedet hatte, erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow, dass laut manchen Quellen bis zu 15 000 Verbrecher begnadigt worden seien, die sich bereit zeigten, der Nationalgarde beizutreten. 

    Im September stellte sich zudem heraus, dass in die Ostukraine mehrere Diversionsgruppen geschickt worden waren, die aus besonders gefährlichen Verbrechern bestanden. Bei einem Verhör von Gefangenen gaben diese zu, früher in der Kolonie Nr. 92 im Dorf Staryje Babany (Gebiet Tscherkassy) gesessen zu haben. Nach ihren Worten wurden sie amnestiert, weil sie der Teilnahme am Einsatz in der Donbass-Region zustimmten.

    Auf den offiziellen Totenlisten fehlen auch die Soldaten, deren Todesursachen es ihren Verwandten nicht gestatten, eine Entschädigung in Höhe von 609 000 Griwna (umgerechnet etwa 31 500 Euro nach dem aktuellen Wechselkurs) zu beanspruchen. Mehrere bei Wolnowacha (Gebiet Donezk) verletzte ukrainische Soldaten beklagten sich vor Journalisten, dass sie gezwungen worden seien, „merkwürdige Protokolle" zu unterzeichnen, laut denen sie „bei einem Unfall" verletzt worden wären. Zugleich sprachen sie über Protokolle der Leichenbegutachtung, denen zufolge ihre Kameraden „unter unklaren Umständen an Schussverletzungen" gestorben wären.

    Sehr lang sind auch die Listen der „Vermissten", „Deserteure" und „Verletzten". Im Sommer wurden an viele Soldatenmütter SMS im Namen ihrer bereits toten Söhne verschickt, als würden diese noch am Leben sein. Als aber Soldaten an der Front hundertweise starben, begannen ukrainische Reporter auf einmal, den „heroischen Tod" von 18- bis 20-jährigen Männern zu beschreiben, die „für die Ukraine" sterben mussten. Dadurch mussten ihre Verwandten sich mit dem Gedanken „anfreunden", dass ihre Söhne, Brüder und Gatten nicht mehr heimkehren.

    Im Sommer forderten die Abgeordneten aus der Gruppe „Für Frieden und Stabilität" den Präsidenten und die Regierung auf, die Informationen über die in der Ostukraine gestorbenen Bürger zu veröffentlichen. Der Kovorsitzende der Gruppe, Sergej Gorochow, führte dabei an, dass bis Anfang August insgesamt mehr als 10 000 Menschen während der „Anti-Terror-Operation" gestorben seien. 

    Im Herbst beschuldigte der Abgeordnete und Vorsitzende der Radikalen-Partei, Oleg Ljaschko, Präsident Poroschenko und den damaligen Verteidigungsminister Valeri Gelegej der Verheimlichung von Verbrechen gegen eigene Soldaten: „Poroschenko und Gelegej lügen frech, indem sie den Tod von mehr als 800 Soldaten verheimlichen! Diese Burschen haben ihr Leben für sie, für unser Land und unser Volk geopfert, dafür aber kein ‚Dankeschön‘ von unserer Staatsführung bekommen. Noch mehr als das: Es stellt sich heraus, dass Poroschenko unsere Helden in deutschen Krematorien verbrennt, als wären sie irgendwelche Hunde. Ich habe ein Foto von einem Aufklärungssatelliten erhalten, auf dem ein solches mobiles Krematorium nahe einem Spittal im Gebiet der Anti-Terror-Operation bei Nowoaidar zu sehen ist. Ich habe erfahren, dass wir dieses Krematorium von Deutschland bekommen haben."

    Viele gestorbene Soldaten wurden nicht nur in nicht Krematorien verbrannt, sondern auch ohne Identifikationszeichen begraben, und zwar nicht nur im Frühjahr und Sommer, als es am einfachsten war, die Totenzahlen zu fälschen, sondern auch im Herbst. So teilten die Behörden des Gebietes Saporoschje am 22. September mit, dass 55 Leichname von Teilnehmern des „Anti-Terror-Einsatzes" beerdigt worden seien, die angeblich nicht identifiziert werden konnten. Einen Tag später wurden in Dnepropetrowsk 332 gestorbene ukrainische Soldaten beerdigt, von denen nur 22 identifiziert wurden.

    Der Krieg, den die Behörden gegen ihr eigenes Volk entfesselt haben, hat bereits sehr viele Opfer gefordert, deren Zahl von Tag zu Tag wächst. Wenn man aber in Kiew nur ungern die „Kriegsverluste" einräumt, hält man sich offenbar an das amerikanische Sprichwort: „Der Tod eines Menschen ist eine Tragödie, der Tod von Tausenden Menschen ist aber nichts als Statistik".

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    Tags:
    Rechter Sektor, Nationalgarde (Ukraine), Petro Poroschenko, Ukraine