20:58 14 November 2019
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    Maria Butina im Moskauer Flughafen nach ihrer Freilassung

    Fall Butina: In USA wegen „Spionage” verhaftete Russin kommt frei und berichtet von Haftbedingungen

    © Sputnik / Виталий Белоусов
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    Die wegen angeblicher Spionage in den USA verhaftete Russin Maria Butina ist freigekommen und heute am Moskauer Flughafen Scheremetjewo gelandet. In einem Interview für Sputnik und RT hat sie über die schwere Zeit ihrer Haft in den Vereinigten Staaten berichtet.

    Butina kam heute am späten Vormittag nach 18-monatiger Haft in den USA als freie Frau nach Moskau zurück. Unterwegs sprach sie in einem ausführlichen Interview mit Journalisten von Sputnik und RT.

    Zuallererst betonte sie, wie froh sie sei, wieder frei zu sein; sie wolle zuallererst zu ihrer Familie zurück. Zudem dankte sie sie allen, die sie unterstützt haben.

    Maria Butina in Scheremetjewo:

    Maria Butina beim Empfang im Moskauer Flughafen Scheremetjewo
    © Sputnik / Vitalij Belousow
    Maria Butina beim Empfang im Moskauer Flughafen Scheremetjewo

    Von den insgesamt 18 Monaten im Gefängnis verbrachte sie ungefähr vier Monate in Einzelhaft. Diese Zeit sei extrem hart gewesen.

    „Um nicht verrückt zu werden, sollte man einen sehr strengen Plan haben. Jede Stunde sollte man sich mit etwas beschäftigen“, erzählte sie.

    Generell habe das amerikanische Rechtssystem sie zutiefst enttäuscht.

    Sie hätte niemals mit einer Verhaftung und anschließender Inhaftierung unter solchen Bedingungen gerechnet.

    Sie habe gedacht, dass in den USA ein Rechtssystem herrsche – doch das sei eine Illusion gewesen.

    „Ich war wahrscheinlich ein naiver Mensch. Ich habe in der Illusion gelebt, ich sei in einem Rechtsstaat“, sagte sie.

    So seien beispielsweise ihre Tweets, die als Grundlage für ihre Verhaftung in den USA dienten, so miserabel und manipulativ übersetzt worden, dass es fast schon surreal gewirkt habe.

    Passagen etwa, wo sie über „unglaubliche Technik“ sprach, hätten die Amerikaner ins Englische als „geheime Ausrüstung“ übersetzt und das dann in der Anklage verwendet.

    Bedingungen in der Haft

    Ihre Zelle sei sehr kalt gewesen und sie habe diese nur nachts kurz verlassen dürfen. Nicht immer konnte sie die Telefonzeiten nutzen, um mit ihren Eltern zu sprechen.

    Um sich in solch einer Umgebung abzulenken, habe sie viel gelesen – insbesondere Bücher über russische Ikonenmalerei und Kunst sowie russische Klassiker.

    Zudem musste sie im Gefängnis arbeiten. Sie spülte Geschirr und unterrichtete andere Insassen in Mathematik. Für ihre Arbeit als Lehrerin bekam sie einen „Lohn“ von 17 Dollar im Monat. Die Arbeit als Tellerwäscherin mit ihren 29 US-Dollar im Monat sei sogar „rentabler“ gewesen.

    Zugleich betonte sie – man durfte die Arbeit nicht ablehnen.

    „Und das ist Sklaverei, weil man die Arbeit nicht ablehnen kann. Wenn man sich weigert zu arbeiten, wird man in die Isolationszelle geschickt. Es gibt also in Amerika immer noch die Sklaverei”, sagte sie.

    Die gesamte Haftzeit sei für sie „die amerikanische Gefängnishölle” gewesen.

    Video des Empfanges von Butina in Scheremetjewo:

    In ihrer Zeit im Gefängnis habe sie zudem jeden Hafttag schriftlich festgehalten und beschrieben. Am Ende kamen rund 1100 Seiten Text zusammen. Nicht immer sei ihr dafür Papier gewährt worden.

    „Ich schrieb auf allem: auf Toilettenpapier, auf den Rückseiten von Dokumenten – auf allem“, erzählte sie.

    Nun wolle sie auf Basis dieses Textmassivs eine Art „kreatives Projekt“ machen.

    Zudem könnte sie sich in der Zukunft für die Rechte von Gefangenen und Inhaftierten einsetzen.

    Dies würde sich insbesondere gegen die US-Praxis von Einzelhaft richten.

    „Das (die Einzelhaft) ist Quälerei. Das ist Folter. Das ist unmöglich. Das wünsche ich niemandem. Ich habe diese Erfahrung gemacht“, so Butina dazu.

    Zugleich betonte sie auch, dass sie keinen Hass auf das amerikanische Volk habe. Eher müsse es bemitleidet werden.

    „Ich glaube, dass das amerikanische Volk heute unsererseits eher Mitleid verdient. Weil sie ihr Land verlieren. Ihr Justizsystem existiert nicht. Sie haben einen blühenden Rassismus”, sagte die Russin.

    Fall Butina

    Maria Butina wurde im Juli 2018 in den USA inhaftiert und wegen einer angeblichen „Verschwörung mit dem Ziel, illegal als ausländische Agentin zu arbeiten“, zu 18 Monaten Haft verurteilt. Wegen der harten Haftbedingungen bekannte sie sich teilweise schuldig und konnte sich so vor einer langjährigen Haftstrafe retten.

    Butinas Haftzeit lief am 5. November ab, doch sie wurde kurzfristig um zehn Tage gekürzt.

    SB/ng

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    Tags:
    Freilassung, Verhaftung, Ende des Rechtsstaates, Rechtsstreitigkeiten, Rechtsstaatlichkeit, Rechtsstaat, USA, Maria Butina