00:06 11 Juli 2020
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    Coronavirus-Ausbruch: Aktuelle Entwicklungen zur neuartigen Lungenkrankheit (198)
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    Weltweit laufen die Forschungen für einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus Covid-19 auf Hochtouren. Nun hat ausgerechnet das unter US-Sanktionen leidende Kuba einen Erfolg vermeldet, der so gar nicht in das Bild passen will, das westliche Medien gerne von dem Karibikstaat malen, der dem Gesetz nach immer noch sozialistisch ist.

    Die Sendung „Mesa Redonda“ (Deutsch wörtlich: Runder Tisch, aber auch mit Diskussionsrunde oder Podiumsdiskussion übersetzbar), die im staatlichen kubanischen Fernsehen ausgestrahlt wird, hat einen gewissen Ruf, denn zu seinen Lebzeiten zählte Revolutionsführer und Staatschef Fidel Castro zu den Stammgästen der Talkshow. Auch heute ist die Sendung ein wichtiges Sprachrohr für die kubanische Führung, wenn sie Wichtiges zu verkünden hat und sichergehen will, dass es auch außerhalb Kubas zur Kenntnis genommen wird.

    In der Sendung vom 9. März traten Premierminister Manuel Marrero Cruz, sein Stellvertreter Roberto Morales Ojeda und Gesundheitsminister José Portal Miranda auf. Sie erläuterten ein Präventionsprogramm der kubanischen Regierung, das offenbar so wirksam ist, dass es auf der Karibikinsel bislang noch nicht zum Ausbruch von Covid-19 gekommen ist. Doch die eigentliche Nachricht hatte Gesundheitsminister Miranda, nachdem er die Aufzählung der 3.100 Betten und 100 Plätze für Intensivtherapie, die auf Kuba aktuell zur Verfügung stehen, sollte der Virus doch noch auch diese Insel erobern, beendet hatte. Am Mittwoch waren zum ersten Mal drei italienische Touristen positiv getestet, aber sofort isoliert worden. Sie waren zu Besuch in der Stadt Trinidad, 350 Kilometer östlich von der Hauptstadt Havanna entfernt.

    Die Anstrengungen der kubanischen Behörden, die Insel frei von Covid-19 zu halten, seien nicht einfach, erzählte Minister Miranda, denn die erneuten Sanktionen der USA haben die kubanische Ökonomie empfindlich getroffen und damit die finanziellen Handlungsspielräume stark eingeschränkt. Dennoch wurden auch kostbare Devisen in die Ausrüstung und Bevorratung des kubanischen Gesundheitswesens investiert, um für einen etwaigen Ausbruch von Covid-19 gewappnet zu sein. Und, so Miranda weiter, das staatliche Unternehmen „Bio Cuba Farma“ forsche mit Hochdruck an einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus. Offenbar so erfolgreich, dass die chinesische Regierung den Kubanern zutraut, etwas zu leisten, was normalerweise nur großen westlichen Pharmafirmen zugetraut wird.

    Seit Januar 2020 produziert ein chinesisch-kubanisches Joint Venture namens Chang Chun Hai Bo Er (kurz: Chang-Heber) in der nordostchinesischen Millionenstadt Changchun, in der Provinz Jilin, ein Präparat namens „Interferon α 2B“. Dieses Medikament ist bereits in der AIDS-Therapie erfolgreich angewandt worden. Aber die kubanischen und vor allem die chinesischen Mediziner sind der Ansicht, dass „Interferon α 2B“ auch in der Behandlung von Covid-19 entscheidend helfen kann. Jedenfalls hat die Chinesische Nationale Gesundheitskommission NHC das in Kuba entwickelte Medikament in jene Liste von 30 Präparaten aufgenommen, denen die chinesischen Behörden das Potenzial zuschreiben, sofort entscheidend bei der Behandlung von Covid-19-Patienten hilfreich zu sein. Denn es wurde nach Aussagen der kubanischen Regierung, die von der chinesischen Regierung nicht dementiert wurden, bereits erfolgreich bei rund 1500 Covid-19-Patienten in China angewendet.

    Kubas Gesundheitsminister verkündete in der Sendung „Mesa Redonda“ auch, dass bei „Bio Cuba Farma“, für das immerhin rund 20.000 Mitarbeiter tätig sind, an einem antiviralen Wirkstoff namens „cigb 210“ geforscht wird, der im weltweit renommierten Fachmagazin „Journal of Immunoassay and Immunochemistry“ 2019 als ein „vielversprechender Anti-HIV-Wirkstoffkandidat“ eingestuft wurde. Beide Medikamente, „cigb 210“ und „Interferon α 2B“ sind der Hoffnungsträger für die Kubaner, bei der Entwicklung eines Impfstoffs weltweit ganz vorne zu sein, der gegen Covid-19 eingesetzt werden könnte. Der Vorteil der zwei kubanischen Präparate ist, dass sie für die Behandlung von Atemwegserkrankungen bei HIV-Patienten bereits erfolgreich erprobt sind und sich sehr gut auch für Covid-19-Patienten anwenden lassen, die bekanntlich ebenfalls an einer Lungenerkrankung leiden.

    Entsprechend stolz verkündete schon am 6. Februar 2020 der kubanische Staatspräsident Miguel Díaz-Canel Bermúdez auf dem offiziellen Twitter-Konto des Präsidialamtes:

    „Das chinesisch-kubanische Werk Changheber in Jilin produziert ab dem ersten Tag des Chinesischen Neujahrsfestes das Interferon alpha (IFNrec) unter Verwendung kubanischer Technologie. Die Chinesische Gesundheitskommission hat unser Produkt unter denjenigen ausgewählt, die im Kampf gegen das Coronavirus eingesetzt werden.“

    ​Und einen Tag später twitterte Díaz-Canel auf seinem privaten Kanal:

    „Interferon Alpha 2B: Das in China verwendete kubanische Medikament gegen das Coronavirus. Unsere Unterstützung für die chinesische Regierung und die Bevölkerung bei ihren Bemühungen zur Bekämpfung des Coronavirus.“

    ​Dass das kubanische Gesundheitssystem zu solch bemerkenswerten Leistungen fähig ist, wird im Westen nur selten berichtet. Dabei ist beispielsweise die Kindersterblichkeit auf Kuba die niedrigste im gesamten lateinamerikanischen Raum und selbst die USA rangieren in diesem Punkt noch hinter Kuba. Die Leistungen kubanischer Chirurgen sind so gut, dass selbst US-amerikanische Patienten die kurze Tauwetterphase zwischen den USA und Kuba nutzten, um sich Operationen zu unterziehen, die keinen internationalen Vergleich zu scheuen brauchten.

    Die nach wie als sozialistisch firmierende Inselrepublik hat sich in Fachkreisen durchaus seit Jahren Respekt erarbeitet. In 56 Jahren haben mehr als 400.000 kubanische Gesundheitsfachkräfte in 164 Staaten für die medizinische Versorgung von Millionen Menschen gearbeitet, wie der kubanische Außenminister Bruno Rodriguez auf einer Sitzung des UNO-Menschenrechtsrates, am 25. Februar 2020 in Genf vorrechnete.

    Dort verurteilte er auch die Sanktionspolitik der USA gegen Kuba, die die medizinische Versorgung von mindestens 67 Millionen Menschen gefährdet, die von kubanischen Ärzten und Medizinern versorgt wurden, deren Regierungen aber auf Druck Washingtons die medizinische Zusammenarbeit mit Kuba einstellen mussten.

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    Tags:
    US-Sanktionen, China, Kuba, Coronavirus