02:43 25 Oktober 2020
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    Die Schweiz beabsichtigte noch am Freitag nicht, ihre Grenzen zu den Anrainerstaaten zu schließen, obwohl die Situation im Zusammenhang mit dem Coronavirus dort viel schlimmer ist, erklärte in Moskau vor der Presse der Botschafter des Landes, Yves Rossier.

    Das Land befinde sich in einer schwierigen Lage, erläuterte er. „Täglich haben wir gut eine Million Grenzüberquerungen. Wir sind ja von Schengen-Ländern umgeben. Viele unsere Nachbarn kommen zu uns geschäftlich. Unsere Bürger reisen in die Nachbarländer. Es besteht ein starker Güterverkehr. Der Schweizer Markt ist alles andere als kolossal. Wenn wir die Grenzen zu dem restlichen Europa schließen, ersticken wir vor allem selbst. Wir hätten dann keine Exportmöglichkeiten für unsere Waren.“

    Dennoch sehe man sich gezwungen, sorgfältige Grenzkontrollen durchzuführen, besonders im italienischsprachigen Kanton Ticino, der von vielen Gastarbeitern aus Norditalien besucht wird, unterstrich der Botschafter. „Unsere Kapazitäten können nicht dazu hinreichen, alle Erkrankten zu behandeln. Daher werden die Einreiseströme genau kontrolliert. Man wird sie eventuell einschränken müssen. Auf jeden Fall hat es mit Russland in keiner Weise zu tun“, versicherte er.

    Die Schweizer Botschaft in Moskau selbst halte sich verstärkt an die Hygieneregeln, so Yves Rossier.

    „Am Gebäudeeingang ist ein Gerät aufgestellt, mit dem, wer von der Straße kommt, sich die Hände desinfiziert. Wir empfehlen auch allen, von dem Besuch der vom Coronavirus schwer betroffenen Länder abzusehen, und halten uns dabei strikt an die Sicherheitsmaßregeln, die von der Verordnung des Moskauer Bürgermeisters vorgeschrieben sind, darunter hinsichtlich der 14-tägigen Quarantäne derjenigen, die unter dem Verdacht stehen, mit Infizierten im Kontakt gewesen zu sein. Wir steigen nach Möglichkeit auf Homeoffice-Arbeit um, machen Gebrauch von Skype und Videokonferenzen.“

    Yves Rossier sprach allerdings von der Wichtigkeit, vor allem für Unternehmer, einen direkten interaktiven Umgang miteinander zu haben, Produktionsstätten und Büroräume zu besuchen sowie persönliche Kontakte mit Investoren aufrechtzuerhalten. Über alle Vorbeugemaßnahmen werde die Schweizer Gemeinde in Moskau durch die Botschaft umgehend informiert, fuhr der Botschafter fort, wenngleich die Hauptstadt und Russland im Ganzen weniger als Europa von dem Coronavirus betroffen seien. „Allerdings sind die Schweizer in Russland nicht zahlreich, rund 900 Personen. Die meisten leben in Moskau. Viele haben eine doppelte Staatsbürgerschaft und Mischehen mit russischen Bürgern.“

    Der Schweizer Botschafter in Russland, Yves Rossier (Archivbild)
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Der Schweizer Botschafter in Russland, Yves Rossier (Archivbild)

    Wegen des Coronavirus musste die Botschaft bereits einige Veranstaltungen in Russland absagen, etwa die Konzerte des Militärorchesters von Ticino, weil dieses oft in Norditalien gastiert. Was sicher nicht gestrichen wird, sind die Tage der Schweiz in Norilsk im Norden der Region Krasnojarsk. Yves Rossier ist soeben von dort zurückgekehrt und überzeugt: „Mit dem Virus ist da alles in Ordnung. Der Flughafen ist verschneit. Da wird das Virus offensichtlich nicht überleben können!“

    Der Botschafter stellte auch fest, dass die beiderseitige Visumerteilung vom Coronavirus auf keine Weise beeinträchtigt worden sei. Man habe keine extra Papiere und ärztliche Bescheinigungen vorzulegen.

    „Der Reiseverkehr in beide Richtungen könnte jedoch problematisch werden, weil der Flugverkehr Russlands mit den Ländern Europas schon jetzt eingeschränkt wird. Flüge werden auch wegen der unzureichenden Auslastung der Maschinen gestrichen. So schrumpfen die Touristenströme in alle Länder. Der Moskauer Bürgermeister hat etwa den russischen Bürgern davon abgeraten, Frankreich zu besuchen.“

    Obwohl die Schweiz sich eines ausgesprochen hoch entwickelten Gesundheitswesens rühmen kann, wollte Yves Rossier über das Ende der ganzen Geschichte keine Prognose abgeben. Er meinte nur, dass „der Höhepunkt allem Anschein nach nahe bevorsteht und nicht sehr hoch sein wird. Allerdings wird es noch ziemlich lange bei diesen relativ hohen Werten verweilen. Zurzeit muss man sich in erster Linie um die Vorbeugung kümmern. Die Mortalität lässt sich momentan nur schwer ermitteln, da ungewiss ist, ob die Leute am Coronavirus oder an Begleitkrankheiten sterben, die durch dieses Virus ausgelöst worden sind.“

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