03:50 14 Juli 2020
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    Nach dem Ausbruch der Lungenkrankheit Covid-19 Ende Februar hat Israel mehr als 200.000 Tests gemacht, doch die israelischen Araber, die rund 20 Prozent der Bevölkerung des Landes ausmachen, beschweren sich darüber, dass in ihren Städten und Dörfern weniger als 5000 Tests gemacht wurden.

    Israels Gesundheitsministerium warnte vor einem Anstieg der Corona-Fälle unter israelischen Arabern in einigen arabischen Städten und Dörfern.

    Die Einwohner von Deir al-Asad sowie einigen Nachbarstädten im Norden Israels wurden gebeten, zu Hause zu bleiben, weil die Behörden bereits mehr als 30 Infizierte bestätigten. In der arabischen Stadt Umm al-Fahm im Norden des Landes sind 55 Covid-19-Fälle registriert worden.

    In der vergangenen Woche veröffentlichte das Gesundheitsministerium Berichte über die in arabischen Gemeinden entstandene Situation, wobei darauf hingewiesen wurde, dass Jerusalem weiterhin Spitzenreiter nach der Zahl der infizierten israelischen Arabern mit mehr als 1600 Corona-Fällen sei. Tel Aviv-Jaffa und Haifa folgen auf Platz zwei und drei mit 413 bzw. 118 Infizierten.

    Zu spät?

    Laut dem Knesset-Abgeordneten der drittgrößten Partei „Gemeinsame Liste“, Yousef Jabareen, können diese Zahlen deutlich höher liegen. Der Politiker warf der Regierung vor, nicht genug für die Feststellung von infizierten arabischen Staatsbürgern des Landes zu tun.

    „Laut offiziellen Statistiken wurden für arabische Staatsbürger weniger als zehn Prozent der Tests auf nationaler Ebene gemacht, was deutlich weniger als ihr Prozentanteil an der Bevölkerung ist.“

    Seit Beginn der Pandemie Ende Februar machte Israel mehr als 200.000 Tests, im Durchschnitt 6000 Tests pro Tag. Obwohl die Zahl der Tests pro Tag weiterhin zunimmt und verkündet wird, dass Israel in den vergangenen Tagen sogar knapp 10.000 durchgeführt habe, beschweren sich die Araber darüber, dass in ihren Dörfern fast nichts getan werde.

    „Um ein präziseres Bild der Gesundheitslage in der arabischen Gesellschaft zu bekommen, muss Israel mehr Tests machen“, sagte der Abgeordnete Jabareen. Er rief die Behörden dazu auf, mehr medizinische Anlaufstellen für potenzielle Patienten einzurichten.

    Das einzige Problem besteht darin, dass diese Tests für viele Araber unzugänglich sind, weil sie in den entlegenen nördlichen bzw. südlichen Gebieten des Landes wohnen. Neben Deir al-Asad und Umm al-Fahm, wo die Behörden die Eröffnung von Testzentren ankündigten, sind  medizinische Anlaufstellen vor allem in den vorwiegend arabisch besiedelten Gebieten und Städten Nazareth, Rahat, Ostjerusalem, Iksal sowie in Haifa, Beer Sheba und Tel-Aviv-Jaffa mit gemischt jüdisch-arabischer Bevölkerung zu finden.

    Doch Jarabeen zufolge reicht das nicht aus, um die arabische Bevölkerung zu untersuchen, die rund 20 Prozent der Bevölkerungszahl Israels ausmacht, die neun Millionen Menschen umfasst.

    „Wenn medizinische Anlaufstellen  nahe der Wohnhäuser und nicht 30 Minuten Fahrt und sogar weiter entfernt liegen, wird es mehr Tests geben. Dasselbe betrifft die sprachliche Zugänglichkeit, weil es bei den  Anlaufstellen nahe arabischer Ortschaften sehr viele arabische Freiwilligen gibt, die den Menschen helfen können.“

    Maßnahmen ergreifen

    Solange Israel keine Wege zur Eindämmung der Pandemie findet, will die arabische Gemeinschaft ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen.

    „Wenn ihr spürt, dass das System euch abstößt, bleibt euch nur die Selbstorganisation“, sagt Jabareen, der sich zusammen mit anderen Mitgliedern der Partei „Gemeinsame Liste“ an verschiedene Ministerien und Gremien mit dem Aufruf wandte, die medizinische Versorgung für die arabische Bevölkerung zu verbessern, Publikationen über das Virus in die arabische Sprache zu übersetzen und die Krankenhäuser von Nazareth besser auszurüsten.

    Zudem wurde zu Hilfen für Notleidende aufgerufen, weil die Arbeitslosenquote in Israel bei mehr als 25 Prozent liegt – der höchste Stand in dem Land seit der Gründung des Staates  im Jahr 1948.

    Auch die Nichtregierungsorganisation Adala, die sich für die Gleichstellung von Juden und Arabern in Israel stark macht, wandte sich vor einigen Tagen an Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblitt mit der Bitte, dringend Frauen und Vertreter der arabischen Gemeinschaft in eine speziell für den Anti-Corona-Kampf eingerichtete Sonderkommission des Nationalen Sicherheitsrats aufzunehmen.

    Jabareen unterstützte diese Initiative. „Rund 20 Prozent der Ärzte, 25 Prozent der Krankenschwestern und fast 50 Prozent der Pharmakologen in Israel sind Araber. Doch diese Fachkräfte gehören nicht zu professionellen Strukturen, in denen die Beschlüsse in Israel getroffen werden. Im Ergebnis fehlt die Meinung unserer Gemeinschaft während dieser Ereignisse.“

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Araber, Coronavirus, Israel