SNA Radio
    Аusland
    Zum Kurzlink
    106015
    Abonnieren

    Frankreich wird im Zuge der Corona-Krise und den damit einhergehenden Beschränkungen zunehmend von gewalttätigen Massenunruhen erschüttert. Bei einem Vorfall im Pariser Vorort Villeneuve-la-Garenne brannten Fahrzeuge und Mülltonnen. Auch in anderen französischen Vorstädten mit sozialen Brennpunkten kommt es zu Aufruhr.

    Nach Angaben von Sputnik France erhielten Polizisten der Region Ile-de-France den Befehl, Kontakte mit den Friedensbrechern zu vermeiden. Im Departement Yvelines wurden allen Polizisten per Funk angeordnet, „Zusammenstöße zu vermeiden“. Derweil verschärft sich die Lage in vielen Teilen Frankreichs – sogar im wohlhabenden Versailles, Stadtteil Jussieu. Dort wurden in Brand gesetzte Mülleimer auf die Straße gebracht. Als Polizisten vor Ort ihren Einsatzwagen verließen, wurden sie aus kurzer Entfernung mit selbstgebastelten Feuerwerkskörpern beschossen. Die Geschosse kamen aus einer Gruppe von 15 Menschen, die sich auf einem nahegelegenen Parkplatz aufhielten. Das Polizeifahrzeug wurde beschädigt. Ein Polizist wurde isoliert und wurde in dem Stadtteil so lange mit Feuerwerkskörpern unter Beschuss genommen, bis seine Kollegen ihm zu Hilfe kamen.

    ​Die Pariser Vororte Mantes-la-Jolie, Créteil, Conflans, Champigny, Trappes und nun auch Versailles wurden zum Hotspot der Straßenunruhen – brennende Autos, Mülleimer und sogar ein Versuch, eine Schule in Brand zu stecken, Feuerwerksgeschosse auf Polizisten. Im Departement Hauts-de-Seine wurden vereinzelt Krawalle festgestellt; nach Angaben der Präfektur ist ihre Zahl im Vergleich zu den vorherigen Nächten zurückgegangen.

    ​Die Situation hat zwar nicht das Niveau von 2005 erreicht, doch sie ist kritisch angesichts der Corona-Pandemie. Die Leitung der Polizei scheint sich nicht mehr sicher zu sein, ob ihre Kräfte den zunehmenden Auseinandersetzungen gewachsen sind. Diesen Eindruck vermitteln allein die Befehle zum polizeilichen Vorgehen auf der Straße. Sputnik France erhielt Einblick in die Anordnungen während der Unruhen in der Nacht auf den 22. April. Diese Befehle wurden an alle Departments gerichtet.

    „Kontakte, Zusammenstöße mit Friedensbrechern sind zu vermeiden, unter anderem, wenn es sich um Vorfälle handelt, die keine direkte Gefahr darstellen, um Verletzungen unter den Polizisten bzw. Straftätern zu vermeiden. Dazu müssen nicht-tödliche Mittel vernünftig eingesetzt werden“. 

    Die Polizisten im Einsatz waren überrascht vom Begriff „Friedensbrecher“, der von ihren Vorgesetzten gegenüber Rechtsbrechern, die mit Feuerwerkskörpern Polizisten angreifen, verwendet wurde. 

    ​Der ehemalige Präfekt Michel Aubouin sagte am 21. April in einem Sputnik-Interview, dass die Unruhen in vielen Stadtbezirken zunehmen werden. Ihm zufolge haben sich die Unruhestifter mit ihren Krawallen zum Ziel gesetzt, das Gebiet unter Kontrolle zu nehmen. In der Nacht auf den 22. April scheiterten die Polizisten trotz erheblichem personellen Aufgebot daran, die Grenze des Vororts Villeneuve-la-Garenne zu überqueren.  Dann entschieden sich die Behörden wohl nur dazu, die Unruhen nicht ausufern zu lassen – mehr taten sie nicht.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Protektive Corona-Antikörper nachgewiesen: Russische Forscher erzielen Durchbruch
    Sachsen kündigt Wende bei Corona-Einschränkungen an
    Weißrussland entdeckt zwei Ölvorkommen
    Tags:
    Versailles, Paris, Krawalle, Ausschreitungen, Isolierung, Coronavirus, Frankreich