08:56 30 September 2020
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    Während die Corona-Pandemie mittlerweile ein globales Problem ist, haben Länder wie Nigeria noch größere Notlagen. Viele Menschen mit systemrelevanten Berufen – wie beispielsweise Transportdienstleister – bleiben zu hause. Durch den Wegfall ihrer Arbeit könnte das Problem in Afrika von einer medizinischen Krise zu einer Hungerkrise wachsen.

    Weltweit nimmt das Coronavirus die Schlagzeilen ein: Die Krankheit Covid-19 ist zu einem globalen Problem geworden. In Afrika sind jedoch die Folgen, die aufgrund des Virus anstehen, vielfach schlimmer als erwartet. So sind es nicht die Infektionszahlen, die der Bevölkerung in beispielsweise Nigeria Angst machen, sondern die Ausfälle von LKW-Fahrern und Transportdienstleistern, die Nahrungsmittel liefern.

    Kein Transport – keine Käufer

    Auch wenn die Lieferung von Nahrungsmitteln vorgesehen wäre, bleiben viele Fahrer aus Angst zuhause, um sich selbst vor übereifrigen Polizisten zu schützen, welche sie trotz Fahrerlaubnis verhaften oder mit Bußen bestrafen könnten. So beschreibt es die internationale Nachrichtenagentur Reuters in einem Artikel. Laut dem Transportunternehmen „Kobo360“ sei 30 Prozent der Flotte in Nigeria, Kenia, Togo, Ghana und Uganda nicht aktiv.

    Säen im russischen Gebiet Krasnodar
    © Sputnik / Ilya Naimuschin
    Diese geminderte Transportleistung resultiert darin, dass das Getreide anfängt, zu verrotten. Laut Reuters beklagen Bauern, dass sie ihre Produkte nicht weiterverkaufen und die Müller ihren gemahlenen Reis nicht zu den Käufern bringen können. Dies treffe Millionen von Menschen in Regionen, die auf diese Weise nicht ihrer Nahrung erhalten könnten, so die Vereinten Nationen (Uno). Zu den Verlusten der regionalen Bauern kommt erschwerend hinzu, dass zudem der Reis-Import von Staaten wie Indien, Vietnam und Kambodscha zu einem großen Teil wegfällt. 

    Die Weltbankgruppe habe Besorgnis geäußert, dass die Subsahara-Regionen Afrikas statt einer gesundheitlichen in eine Krise der Nahrungsmittelversorgung rutschen. Auch die Vereinigten Nationen befürchten, dass die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus die Zahlen der Menschen ohne sicheren Zugang zu Nahrung verdoppeln könnten – Sie halten 265 Millionen Betroffene für wahrscheinlich.

    Staatliche Reserven vergrößern

    „Keine Frage, es gibt ein bevorstehendes Problem der Sicherstellung von der Nahrungsmittelversorgung, nicht nur in Nigeria, sondern weltweit in gewissen Staaten“, so der Nigerianische Landwirtschaftsminister, Muhammed Sabo Nanono, zu Reuters. Er berichtete auch davon, dass es rund 38.000 Tonnen Getreide gäbe, die der Staat als strategische Reserve kontrolliert. Vorgesehen sei, diese Reserve um 100.000 Tonnen zu vergrößern.

    Ob dies reichen wird, bleibt jedoch ungewiss. Laut einer Analyse des Landwirtschaftsministeriums der Vereinigten Staaten importiere Nigeria rund einen Drittel ihrer Nahrungsmittel aus anderen Staaten. Und auch wenn limitierter Export in gewissen Staaten wie Vietnam oder Kambodscha möglich ist, so hätte die Pandemie einen riesigen Einfluss auf die Preise. In Abuja und Lagos sei der Preis für einen importierten Sack Reis um 7,5 Prozent gestiegen. Reis bei lokalen Händlern wäre ebenfalls um sechs bis acht Prozent höher geworden. Dies stelle für ärmere Bevölkerungsschichten wiederum große Probleme dar. 

    Ostafrikanische Regionen ebenfalls betroffen

    Auch in Kenia sehe die Situation düster aus. Die staatlichen Reserven seien hier schon aufgebraucht und an Haushalte mit geringen Einkommen verteilt worden. Angenommen der Zustand der Importe bleibe unverändert, würde der Osten Afrikas unter 50.000-60.000 fehlenden Tonnen Reis leiden. Diese Zahlen kämen von Mital Shah, dem Geschäftsführer von „Kenya-based Sunrice“, dem regional größten Importeur von Reis. In diesem Sinne sei die Versorgung von Reis aus Staaten wie Nigeria umso wichtiger geworden, da in Ostafrika
    Heuschreckenplagen über die Region wüten und regionale Reisflächen zerstören.

    Hilfe der Regierung

    Nach einer Studie des nigerianischen Unternehmens „AFEX Commodities Exchange Limited” stehe den Bauern in Nigeria ungefähr 20 Prozent weniger Dünger zur Verfügung. Auch zeigt das Dokument, dass lediglich ein Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzt werden können statt der normalerweise die 30 Millionen. Grund dafür seien fehlenden Samen.

    Die Regierung Nigerias habe laut Reuters einen Arbeitsstab erstellt. Dieser solle dafür sorgen, dass landwirtschaftliche Schäden, die durch die Corona-Pandemie entstehen, so gering wie möglich gehalten werden. So sei bald möglich, dass LKW-Fahrer, die für Lebensmitteltransport zuständig sind, mit spezieller Identifikation ausgestattet werden. Damit würden sie willkürlichen Kontrollen von Polizisten nicht zum Opfer fallen. Außerdem bemühe sich die Stäbe darum, den Bauern genug Dünger zur Verfügung zu stellen. Die Weltbank beteilige sich ebenfalls, indem sie den Versuch unternehme, die finanziellen Mittel für afrikanische Landwirten zu erweitern.

    lm/rtr

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    Tags:
    Nigeria, Hungersnot, Nahrungssicherheit, Coronavirus, Osten Afrikas, Afrika