01:20 30 Oktober 2020
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    Die Opposition in Venezuela lässt nicht locker und will Präsident Nicolas Maduro stürzen. Dabei hofft sie unverhohlen auf Unterstützung seitens der USA. Aber den Oppositionellen hilft nicht nur das Weiße Haus. An einem Plan zum Machtwechsel in Caracas arbeiten auch Söldner Washingtons.

    Was für Szenarien des Machtwechsels infrage kämen und wie man daraus ein großes Geschäft machen kann, lesen Sie in diesem Beitrag.

    Ergreifen und in die USA bringen

    Was sich dieser Tage in Venezuela abspielt, ist nahezu hollywoodreif. Anfang Mai war eine Gruppe kolumbianischer Kämpfer in dieses Landeingedrungen, doch die Behörden konnten sie unschädlich machen. Die Gefassten behaupteten, dass sie von der kolumbianischen Regierung den Auftrag bekommen hätten, in Caracas Terroranschläge zu verüben und Präsident Maduros Umfeld zu töten. Dazu wäre Bogota seinerseits von Washington beauftragt worden. In Bogota dementierte man diese Behauptungen jedoch vehement.

    • Dokumente von angeblichen Söldnern, die am Einmarschversuch in Venezuela beteiligt waren
      Dokumente von angeblichen Söldnern, die am Einmarschversuch in Venezuela beteiligt waren
      © REUTERS / Miraflores Palace / Handout
    • Dokumente von angeblichen Söldnern, die am Einmarschversuch in Venezuela beteiligt waren
      Dokumente von angeblichen Söldnern, die am Einmarschversuch in Venezuela beteiligt waren
      © REUTERS / MIRAFLORES PALACE / HANDOUT
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    © REUTERS / Miraflores Palace / Handout
    Dokumente von angeblichen Söldnern, die am Einmarschversuch in Venezuela beteiligt waren

    Ein paar Tage später wurden in Caracas zwei Amerikaner festgenommen, die die Verschwörung angeblich organisiert hatten. Bei ihrer Identifizierung half plötzlich ein ehemaliger Kämpfer einer Spezialeinheit aus Florida namens Jordan Goudreau. Er behauptete, diese zwei Männer höchstpersönlich geschickt zu haben, um Maduro zu entmachten.

    Auch der venezolanische Präsident selbst meldete sich zu Wort: Auf einer Pressekonferenz sprach er über einige Einzelheiten der Festnahme der US-Söldner. Dabei stellte sich heraus, dass sich bereits 13 Personen hinter Gittern befinden.

    „Sie alle handelten im Auftrag Washingtons. Zwei von ihnen, Luke Denman und Airan Berry, sind Mitarbeiter des persönlichen Sicherheitsdienstes von Präsident Donald Trump“, so Maduro.

    Journalisten wurde ein Video vom Verhör der Kämpfer gezeigt. „Wir sollten nach Venezuela eindringen, Caracas erreichen und den dortigen Flughafen erobern. Wir wurden beauftragt, die Landung eines Flugzeugs zu kontrollieren und Präsident Maduro in die USA auszuführen“, erzählte Luke Denman. Er gab zugleich zu, für diesen Einsatz 50.000 bis 100.000 Dollar versprochen bekommen zu haben. Der Einsatz selbst sei seit Dezember vorbereitet worden. Den größten Auftraggeber will Denman nicht gekannt haben: „Darüber wurden wir nicht informiert.“

    Auch Präsident Trump kommentierte diese Situation. Nach seinen Worten hat das Weiße Haus damit überhaupt nichts zu tun.

    „Maduro und seine Komplizen ergreifen“

    Während sich Washington und Caracas auseinandersetzten, gaben auch Maduros Gegner die Einzelheiten dieses Sondereinsatzes bekannt. Der Chef des so genannten Strategischen Komitees, Juan Jose Rendon, zeigte den Journalisten ein Dokument, das Denmans Worte praktisch bestätigte. Die Verschwörung sei tatsächlich noch seit Herbst 2019 vorbereitet worden. Allerdings seien nicht die US-Behörden um Hilfe gebeten worden, sondern das US-amerikanische Privatunternehmen Silvercorp.

    An der Spitze dieser Firma steht der besagte Jordan Goudreau aus Florida. Er versicherte seinen Auftraggebern, Kontakte zu venezolanischen Militärs zu haben, die bereit wären, ihm zu helfen. Für seine Dienste soll er 212,9 Millionen Dollar verlangt haben. Der Einsatz bekam den Codenamen „Resolution“. Das Abkommen wurde auch schriftlich fixiert.

    „Eine Beratergruppe wird bei der Planung und Umsetzung der Festnahme bzw. Verdrängung Nicolas Maduros helfen und verpflichtet sich, den Präsidenten Juan Guaidó an die Macht zu führen“, heißt es in dem Dokument.

    Als Auftraggeber galt dabei der venezolanische Abgeordnete Sergio Vergara. Oppositionsführer Guaidó unterzeichnete nur den Teil des Vertrags, in dem es um die Kooperation mit der Privatarmee Silvercorp ging. Juan Jose Rendon, der das Abkommen den Journalisten präsentierte, war der informelle Betreuer des Deals im Namen der USA.

    „Nach Goudreaus Plänen sollten insgesamt 800 Kämpfer nach Venezuela eindringen und Maduro mit dessen Komplizen ergreifen. Er verlangte 1,5 Millionen Dollar als Vorschuss. Ich habe ihm 50.000 Dollar überwiesen“, erläuterte Rendon.

    Der Einsatz hätte noch Anfang dieses Jahres stattfinden sollen, aber zwischen Goudreau und Rendon soll es zu einer Auseinandersetzung gekommen sein: Der Amerikaner ließ sich den Vorschuss von nur 50.000 Dollar nicht gefallen und bestand darauf, dass das Weiße Haus darüber informiert werde, denn der Einsatz wäre immerhin enorm gefährlich. Rendon behauptete seinerseits, Washington wüsste ohnehin Bescheid, führte aber keine Beweise an. Zudem störte ihn das hektische und planlose Vorgehen Goudreaus.

    Trotz dieser Kontroversen begann der Einsatz im Mai. Aber sobald die US-Söldner venezolanischen Boden betreten hatten, wurden sie festgenommen. Jetzt beschuldigen die Teilnehmer dieses Deals einander und appellieren an Washington. Aber das Weiße Haus schweigt, soauch Juan Guaidó.

    „Es wird nicht leicht, sich wieder reinzuwaschen“

    Der Vertrag der venezolanischen Oppositionellen mit der US-amerikanischen Privatarmee rufe viele Fragen hervor, sagte die Expertin des russischen Zentrums für Erforschung von Gesellschaften in Krisen, Tatjana Russakowa. Sie zweifelt nach ihren Worten daran, dass Guaidó den Plan zur Entmachtung Präsident Maduros ernst genommen haben könnte.

    „Der Oppositionsführer hatte möglicherweise Kontakt zu diesen Personen, aber er verstand offenbar, dass ein Machtwechsel auf diese Art und Weise unmöglich wäre“, so die Politologin. „Die Formulierungen in dem Dokument sind sehr unpräzise. Wem wollte die Firma Silvercorp helfen? Den Amerikanern, die von den venezolanischen Behörden so leicht gefasst wurden?“

    Russakowa schloss nicht aus, dass die venezolanische Opposition tatsächlich eine Verschwörung vorbereitet. Aber die entscheidende Rolle würden dabei die venezolanischen Streitkräfte spielen.

    „Guaidó versucht, die Militärs auf seine Seite zu ziehen. Aber selbst wenn es unter ihnen Unzufriedene gibt, bleibt Maduro derjenige, der die Armeespitze kontrolliert. Und ohne die Unterstützung der Streitkräfte hat die Opposition keine Chance“, zeigte sich die Expertin überzeugt.

    Sie glaube außerdem nicht, dass die Trump-Administration mit dieser Situation nichts zu tun hat. Allerdings schloss Russakowa nicht aus, dass die Informationen über die Kontakte der venezolanischen Oppositionellen mit Silvercorp möglicherweise aus dem Weißen Haus „geleakt“ wurden.

    „Die Amerikaner sind in eine Sackgasse geraten. Guaidó vertrauen sie kaum noch. Möglicherweise sucht Washington nach einem Ersatz für ihn und hat gleichzeitig eine Kampagne zu seiner Diskreditierung begonnen. Denn Guaidó war immer gegen eine gewaltsame Entmachtung Maduros. Und jetzt stellte sich heraus, dass er so oder so mit Söldnern in Kontakt stand. Es wird ihm nicht leicht fallen, sich wiederreinzuwachsen“, so die Politologin.

    Vor allem schlussfolgerte sie: Die Amerikaner behalten die Situation in Venezuela im Auge und erwägen nach wie vor verschiedene Szenarien des Machtwechsels. Dabei hat Washington keine Günstlinge: Trump ist bereit, mit allen Kräften zu arbeiten, die das Maduro-Regime stürzenkönnten.

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    Tags:
    Juan Guaido, Donald Trump, Söldner, Umsturzversuch, Machtumsturz, Umsturz, Nicolás Maduro, USA, Venezuela