02:25 04 Dezember 2020
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    Über zwei Milliarden US-Dollar wollen die Vereinten Nationen (UN) am Dienstag auf einer Geberkonferenz für das Krisenland Jemen sammeln. Auch die Kriegspartei Saudi-Arabien nimmt an dem Online-Treffen teil, was Kritiker auf den Plan ruft. Nur einer der Gründe für die Konferenz: Im Jemen breitet sich das Coronavirus weiter aus.

    Die Vereinten Nationen (UNO) veranstalten am Dienstag gemeinsam mit Saudi-Arabien – das als Kriegspartei am Konflikt im Nachbarland beteiligt ist – „eine internationale Geberkonferenz für den Jemen. In dem vom Krieg erschütterten arabischen Land herrscht nach UN-Angaben seit Jahren die größte humanitäre Krise weltweit. Für Lebensmittel, Medikamente und andere Hilfsgüter im Jemen würden in den kommenden sieben Monate 2,4 Milliarden US-Dollar (2,16 Milliarden Euro) gebraucht, teilte ein UN-Sprecher in Genf (am Montag, Anm. d. Red.) mit.“ Das meldet das christliche Online-Magazin „Evangelisch“ aktuell. Im Jemen leben laut Schätzungen nur wenige Tausende Christen bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 30 Millionen Menschen.

    „Knapp zweieinhalb Milliarden Dollar wollen die Vereinten Nationen während einer virtuellen Geberkonferenz sammeln, um wichtige Hilfseinsätze von Juni bis Dezember zu finanzieren“, berichtete am Dienstag die „Tagesschau“ der ARD. „Zum ersten Mal ist Saudi-Arabien Co-Ausrichter. Das Königreich war in den vergangenen Jahren einer der wichtigsten Geldgeber für UN-Hilfsoperationen im Jemen.“

    Vorwurf an Saudi-Arabien: Krieg im Jemen geschürt

    Das Pikante daran: Saudi-Arabien führt seit über fünf Jahren eine Militär-Koalition an, die auf Seiten der jemenitischen Regierung gegen die Huthi-Rebellen kämpft, die die Hauptstadt Sanaa besetzt halten. Im April hatte Saudi-Arabien angesichts der Corona-Pandemie zunächst eine Waffenruhe ausgerufen. Auch anderen Kriegsparteien vor Ort werden Verstöße gegen das Völkerrecht angelastet.

    Die UNO verteidigt laut Medienberichte die Zusammenarbeit mit den Saudis bei der Geberkonferenz, obwohl das Königreich an dem Krieg im Jemen beteiligt ist. Saudi-Arabien sei bisher der größte Geldgeber für die Jemen-Hilfe, hieß es aus Genf. Menschenrechtsorganisationen werfen Riad allerdings Kriegsverbrechen wie Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser im Jemen vor.

    Coronavirus im Jemen auf dem Vormarsch

    Anfang April wurde das Coronavirus zum ersten Mal im Jemen nachgewiesen. Seitdem wachse die Sorge, dass die Zahl der Infizierten auch dort rasant steigen könnte. Denn schon ohne das neuartige Virus würden bereits Millionen von Menschen im Land ums Überleben kämpfen. Mehr als 100.000 Menschen wurden im Land in den vergangenen Jahren getötet laut Angaben von internationalen Organisationen. Über zehn Millionen Menschen seien mittlerweile vom Hungertod bedroht. Schon ohne Coronavirus sei dies eine „katastrophale Situation“ für den Jemen, sagen Experten vor Ort.

    So sieht etwa die Hilfsorganisation „Care“ das Land „im Würgegriff von Hunger, Krieg, Cholera und Covid-19. Rund 19 Millionen Jemenitinnen und Jemeniten, 80 Prozent der Bevölkerung, sind auf Hilfe angewiesen. Das Gesundheitssystem ist völlig überlastet, viele Einrichtungen sind durch den Krieg beschädigt oder zerstört. Bis Freitag wurden 278 Corona-Infizierte im Jemen gemeldet, von denen 57 starben.“ Eine weitaus höhere Dunkelziffer werde befürchtet.

    Hinzu komme eine absolut mangelhafte Gesundheitsversorgung für den krisengeschüttelten arabischen Staat. Viele Menschen dort sind laut Medien krank oder verwundet, könnten sich aber keine Medikamente leisten.

    „Abstand halten auf dem Basar scheint unmöglich“

    „Das Angebot auf dem Markt vor dem Stadttor von Sanaa ist riesig. Menschen drängen sich durch schmale Gassen, stehen dicht an dicht vor den Händlern, feilschen um den Preis. Abstand halten ist hier nicht möglich.“ Das berichtet eine ARD-Auslandskorrespondentin aktuell aus der jemenitischen Hauptstadt. Die Lage im Jemen sei dramatisch: „Millionen Menschen kämpfen im Bürgerkrieg ums Überleben. Die Corona-Pandemie verschärft ihre Situation nochmals. Erstmals richtet die Kriegspartei Saudi-Arabien eine Geberkonferenz mit aus.“

    Seit gut fünf Jahren herrscht Krieg zwischen den Huthis, einem Clan aus dem Norden des Jemen, und dem Nachbarland Saudi-Arabien, das die vertriebene international anerkannte Regierung unterstützt. In diesem Jahr werde Saudi-Arabien eine halbe Milliarde Dollar für die UN-Programme bereitstellen, erklärte bereits der saudische Botschafter im Jemen. Wie viel Rüstungsausgaben das Königreich für den Krieg im Jemen ausgeben werde, wollte er allerdings nicht sagen.

    Der Aggressor und Kriegstreiber „Saudi-Arabien will sich jetzt als Helfer im Jemen inszenieren“, kritisiert Politologe Said AlDailami, selbst im Jemen geboren, in einem aktuellen Interview für das „Inforadio“ des „RBB“.

    In dem vom Krieg erschütterten arabischen Land herrscht nach UN-Angaben seit Jahren die größte humanitäre Krise weltweit. Die Corona-Pandemie habe die dortige Lage nun noch weiter dramatisiert und verschlimmert. Möglicherweise könnte die aktuelle Konferenz aber auch den Weg zu einem Frieden im Jemen ebnen. Bereits Mitte April betonten hochrangige UN-Sprecher, dass „mit einem Friedensbakommen in naher Zukunft“ gerechnet werden könne.

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    Tags:
    Konfliktlösung, Coronavirus, Uno, Saudi-Arabien, Jemen