19:06 14 Juli 2020
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    Russland und China sind laut US-Militär die Top-Konkurrenten Washingtons im Kosmos. Nicht nur deshalb treibt Präsident Donald Trump den Ausbau der US-Weltraumarmee „Space Force“ immer weiter voran. „Aktuell entwickeln die USA ein System zum Schutz des Planeten vor kosmischen Objekten“, melden auf militärische Nachrichten spezialisierte Medien.

    Die Zusammenarbeit zwischen dem US-Verteidigungsministerium im Pentagon und der „Space Force“ – dem Prestige-Projekt im Weltall von US-Präsident Donald Trump – wird in den kommenden Monaten und Jahren intensiver werden. Das berichtete das auf Weltraum-Politik und Raumfahrt spezialisierte US-Fachmagazin „Space News“ Ende Mai. Die Hauptquartiere der US-Armee, der Luftwaffe (Air Force), der Seeflotte (Navy) und des Marine Corps befinden sich bekanntermaßen im Pentagon. Bei der Space Force solle dies nicht anders werden.

    „Die Büros der Zentrale der Space Force im Pentagon werden im nächsten Jahr schrittweise erweitert, da neue Positionen besetzt werden und Offiziere des ehemaligen Air Force Space Command in den neuen Dienst versetzt werden.“ Zu diesen Offizieren der neuen US-Weltraumarmee gehöre auch die Brigadegeneralin DeAnna Burt, Direktorin für Operationen und Kommunikation der US-Raumstreitkräfte auf der Peterson Air Force Base in Colorado Springs.

    „Wir bauen langsam aber sicher das Büro für unseren sogenannten Chief of Space Operations, John Raymond, auf“, sagte die US-Militärangehörige dem Medium. Burt helfe dabei US-General Raymond, der aktuell den Aufbau für die Space Force hauptsächlich organisiert und leitet.  

    „Wenn Satelliten der USA angegriffen würden, dann…“

    Burt wurde laut dem Bericht „kürzlich für einen zweiten Stern und den Rang eines Generalmajors nominiert“. Zusammen mit Hunderten weiterer US-Luftwaffenoffiziere werde sie diesen Herbst die Luftwaffe verlassen und sich der neuen US-Raumstreitkraft anschließen, um dort „Weltraum-Karrieren“ zu verfolgen, wie es hieß. Das ursprüngliche Hauptquartier der Space Force werde zunächst etwa 200 Militärs umfassen, „was allerdings nur einem Bruchteil der Größe des Hauptquartiers der anderen Militärdienste entspricht. Die US-Generalin betonte, dass die Space-Force-Mitarbeiter aufgrund dieser geringen Zahlengröße erhebliche Unterstützung von der Luftwaffe benötigen werden.“

    Die Space Force werde künftig erwartungsgemäß rund 16.000 Mitarbeiter haben. Im Laufe des nächsten Jahres würden voraussichtlich Tausende US-Luftwaffen-Piloten in die Space Force und in weitere weltraumorientierte militärische US-Organisationen wechseln.

    Sputnik berichtete darüber bereits im April. Mehr als 1.800 Flieger aus 23 verschiedenen Luftwaffen-Organisationen der USA, die für das Weltall zuständig sind, könnten sich bald ebenfalls der Space Force anschließen, lautete die damalige Meldung. All diese Maßnahmen hätten einen rein defensiven Charakter, wie das Pentagon immer wieder betont.

    Wenn Satelliten der USA im All „angegriffen würden, würde es in der Verantwortung des US-Militärs liegen, darauf zu antworten“, so „Space News“. „Qualifiziertes Personal, Technik und Ausrüstung, die zum Schutz von US-Satelliten und zur Gegenreaktion gegen mögliche Kontrahenten im Weltraum erforderlich wären, würden dann von der Space Force bereitgestellt.“

    Die US-Luftwaffe „unterstützt seit langem die US-Raumfahrtbehörde Nasa bei der Planung und Beteiligung von Missionen mit Besatzung im All“, berichten weitere US-Medien momentan.

    „Planetare Verteidigung“: Wirklich nur zum Schutz gegen Asteroiden?

    Dazu passt eine weitere aktuelle Meldung: Am zweiten Juni veröffentlichte die offizielle Internet-Seite des Pentagon einen Report, wonach das US-Weltraumkommando gemeinsam mit der Space Force sowie der Nasa aktuell ein „Planetares Verteidigungssystem“ in Kooperation aufbauen wolle.

    „Es ist möglich, dass eines Tages ein Asteroid die Erde bedroht und die Bedrohung gemindert werden muss – möglicherweise durch die USA.“ Dieses Szenario entwarfen zwei US-Luftwaffenoffiziere bereits im Jahr 2002 in einem Aufsatz. Dies sei einer der Ausgangspunkte für die heutige Entwicklung gewesen.

    Sollte sich ein Objekt im Kosmos „auf Kollisionskurs mit der Erde befinden“, sei es mitunter Aufgabe des US-Militärs im All, diese globale Katastrophe abzuwenden. Das schrieb Air-Force-Generalmajor John Shaw als einer der Autoren. „Heute bekleidet Shaw im US-Militär als Kommandeur mehrere Funktionen. Neben dem US Space Command dient er auch als Commander of Space Operations in der neu geschaffenen Raumstreitkraft der USA, der Space Force.“

    Der Report zitiert ein von „Space News“ gesponsertes Online-Seminar vom 1. Juni, auf dem US-Militärs diese Verteidigungs-Planspiele für Planet Erde diskutierten. US-General Shaw beschrieb, was „planetare Verteidigung“ aus militärischer Sicht tatsächlich bedeute und umfasse: „Die Verteidigung des Planeten Erde – wenn wir heute in der Weltraumgemeinschaft darüber sprechen – bezieht sich auf die Verteidigung unseres Planeten gegen Asteroiden, also natürliche Bedrohungen, die möglicherweise mit katastrophalen Folgen auf die Erde stürzen könnten.“

    US-Militär, SpaceX und Nasa: „Notfall-Plan“ für die Erde

    Shaw ergänzte, die Nasa sei für die Katalogisierung von Objekten im Sonnensystem zuständig, die möglicherweise mit der Erde kollidieren könnten. „Wir freuen uns, diesbezüglich mit der Nasa zusammenzuarbeiten“, sagte der US-Militär.

    „Wenn ein kleiner Asteroid oder Meteorit die Erde treffen würde, würde es eine Art Notfallmanagement seitens unserer Nation geben, um die Weltgemeinschaft zu unterstützen. Wir prüfen dann, wo dieser gelandet ist – und das Verteidigungsministerium würde sich freuen, in dieser Hinsicht ein Teamkollege zu sein.“

    Die US-Weltraumstreitkräfte hätten sich die letzten zwei Jahre intensiv auf solche Szenarien vorbereitet. „Wir haben im letzten Jahr mit Boeing und SpaceX – insbesondere mit (dem privaten Weltraum-Unternehmen von Elon Musk, Anm. d. Red.) SpaceX – zusammengearbeitet“, betonte US-General Shaw. „Als wir Strategien, Taktiken, Techniken und Verfahren für dieses Rettungsszenario fertiggestellt haben.“

    Washingtons wirtschaftliche Interessen im All

    Doch nicht nur in militärischer und sicherheitspolitischer Hinsicht ist der Kosmos für die USA interessant. Auch wirtschaftlich scheint sich Washington Gedanken über den Weltraum zu machen.

    Laut einem Bericht des Militär-Fachblattes „Breaking Defense“ von Anfang Juni „haben die führenden US-Sicherheitskräfte im Weltraum zunehmend ihre Überzeugung zum Ausdruck gebracht, dass die Space Force die Aktivitäten potenzieller Gegner – insbesondere Chinas – bei der Erforschung des Mondes und des Orbits zunehmend im Auge behalten muss. Auch Himmelskörper wie Asteroiden müssten beobachtet werden. Darüber hinaus sollten Pläne zum Abbau von Ressourcen und Rohstoffen im Weltall weiter vertieft werden.“

    Die Trump-Regierung habe es sich daher zum Ziel gesetzt, US-Handelsunternehmen zu ermutigen, die Gewinnung von Ressourcen im Weltraum wie den Asteroidenabbau für Seltene Erden und Mineralien voranzutreiben.

    „Deklassifizierte US-Weltraumprogramme“

    Bereits Ende 2019 sprach die Staatssekretärin der US-Luftwaffe Barbara Barrett, – die auch Verantwortung für die Space Force trägt – von einer möglichen „Enthüllung und Offenlegung geheimer Weltraum-Programme“. Das berichtete damals „Defense News“ als weltweit erstes Medium. „Es wäre eine gute Idee, einige der derzeit noch unter Verschluss gehaltenen Weltraum-Projekte zu deklassifizieren, also freizugeben“, erklärte sie im Dezember letzten Jahres auf dem „Reagan National Defense Forum“. Und weiter: „Wir müssten vorsichtig sein, was wir freigeben, aber es gibt viel mehr klassifizierte Programme als nötig.“

    Barrett beglückwünschte gemeinsam mit Space-Force-General Raymond im April über 80 neue Kadetten für die Space Force an der Militär-Akademie der US-Luftwaffe in Colorado Springs.

    Der US-Politiker Mike Rogers, Abgeordneter für den US-Bundesstaat Alabama im Repräsentantenhaus, pflichtete ihr bei. Er sagte auf der damaligen Veranstaltung, er habe sich zuvor mit Barrett getroffen, um genau dieses Thema zu besprechen. Der Politiker der Republikanischen Partei nannte die Informationen über US-Raumfahrtprogramme „überwiegend klassifiziert, also unter Verschluss gehalten“.

    Konkurrenten im Kosmos: Russland und China

    Für ihn sei dies einer der Hauptgründe, warum es in den USA so schwierig sein würde, sowohl in der Öffentlichkeit als auch im US-Kongress mit anderen politischen Kräften Unterstützung für die „Space Force“ zu gewinnen.

    Die US-Weltraumarmee sei immerhin „der sechste Zweig des US-Militärs unter der Luftwaffe, der sich ausschließlich auf den Weltraum als Kriegsgebiet konzentriert“.

    Sowohl Barret als auch Rogers „waren sich einig, dass eine große Menge an Informationen über Amerikas militärische Raumfahrtprogramme freigegeben werden muss, um sowohl Feinde einzuschüchtern als auch die Unterstützung der Öffentlichkeit für die Space Force zu fördern“.

    Die Deklassifizierung und weitere Forcierung von US-Programmen im Weltraum sei nämlich einer der Schlüssel zur Bekämpfung von Versuchen ausländischer Mächte wie China und Russland, die US-amerikanischen Interessen im Kosmos zu stören, warnte US-Politiker Rogers damals.

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    USA, Weltraumtruppen