08:52 12 August 2020
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    Der Vorfall in der Straße von Kertsch, als ukrainische Boote die russische Küstenwache provozierten, hat jetzt zu einem „lukrativen Nachspiel“ für die Ukraine und die USA geführt. Kiew erwarb laut Meldungen für 600 Millionen US-Dollar Militär-Boote und weiteres militärisches Equipment von der US-Regierung. Die Nato lobte diesen Schritt.

    Nach dem Zwischenfall in der Straße von Kertsch, „der zu einer Konfrontation (zwischen russischen und ukrainischen Booten Ende 2018, Anm. d. Red.) geführt hatte, verstärken die USA nun die Seestreitkräfte der Ukraine.“ Das berichtete vor wenigen Tagen „Defense News“, ein auf militärische Nachrichten spezialisiertes Online-Magazin, das der US-Regierung nahesteht.

    Wie aus Quellen der US Navy, also der US-Marine, hervorgehe, werde die Regierung der Ukraine „bis zu 16 schwer bewaffnete Patrouillenboote von den USA kaufen, was Teil eines größeren Programms zur Stärkung der ukrainischen Seestreitkraft ist“. Nach dem brisanten Zwischenfall „zwischen Russland und den ukrainischen Streitkräften im Dezember 2018 an der Mündung des Asowschen Meeres haben die Vereinigten Staaten ihre Hilfe für die ukrainischen Seestreitkräfte beschleunigt“, heißt es weiter.

    „Made in USA“ für Kiew: Bewaffnete Boote und ferngesteuerte Waffensysteme

    Bereits im Juni „gab das US-Außenministerium bekannt, den Verkauf von 16 Patrouillenbooten vom Typ 'Mark VI' an die Ukraine genehmigt zu haben.“ 

    Dem aktuellen Bericht zufolge ist „die 'Mark VI' ein schwer bewaffnetes Boot, das auch von der US-Marine eingesetzt wird. Dieses US-Produkt enthält zwei stabilisierte, ferngesteuerte sowie optisch geführte Waffensysteme vom Kaliber MK 50; zwei Waffensysteme des Typs MK 38 Mod 2 (25 mm), welches auch ferngesteuert werden kann dank eines fortschrittlichen Optiksystems und zwei Maschinengewehre mit Kaliber 50.“ Laut Angaben der US Navy wurde die „Mark VI“ dazu entwickelt, um in Flüssen und küstennahen Gewässern zu patrouillieren.

    „Die Hauptaufgabe der Mark-VI-Patrouillenboote besteht darin“, so die US-Marine, „in Missionen Küstengebiete jenseits geschützter Häfen und Buchten dauerhaft zu patrouillieren, um den Schutz befreundeter Streitkräfte (...) zu garantieren“.

    Langstrecken- und Infrarot-Systeme: „Zum Erkennen von Freund und Feind“

    Militärexperten zufolge wurden zwei Boote dieses Typs beispielsweise bereits 2016 bei Einsätzen des US-Militärs im Persischen Golf eingesetzt. „Zur Sicherung und Stabilisierung der Region“, so die Behauptung des US-Militärs.

    „Mark-VI-Boote können ein Feuergefecht von einer Dauer bis zu 45 Minuten aushalten“, zitierte „Defense News“ einen Sprecher der Vertriebsgesellschaft dieser US-Militärprodukte.

    Der US-ukrainische Deal umfasse demnach einen Wert von etwa 600 Millionen US-Dollar. Der Verkauf des US-Militärequipments an Kiew beinhalte darüber hinaus auch „MSI Seahawk A2-Waffensysteme“, mehrere elektro-optische und Infrarot-Radar-Systeme, 16 Langstrecken-Akustikgeräte, mehrere Lautsprechersysteme und 16 Identifikationssysteme „zum Erkennen von Freund oder Feind sowie 40 MK44 Kanonen (30mm) sowie nicht weiter spezifizierte Kommunikations- und Ausrüstungsgegenstände“.

    USA helfen Ukraine „bei Überwachung des Schwarzen Meeres“

    Washington und Kiew stünden aktuell außerdem in Verhandlungen über den Ver- bzw. Ankauf weiterer militärischer Boote.

    „Der bevorstehende Verkauf von 'Mark VI' ist nicht die einzige Verbesserung der maritimen Fähigkeiten der Ukraine“, so der Bericht.

    Darüber hinaus unterstütze die US-Marine die Ukraine weiterhin „bei der Entwicklung eines Geheimdienst- und Aufklärungsprogramms, um ihre Fähigkeit zur Überwachung der Gewässer im Schwarzen Meer und im Asowschen Meer zu verbessern. So eine mit dem Programm vertraute Quelle aus dem US-Militär. Das Programm würde der Ukraine auch dabei helfen, Beschaffungs- und Ausbildungsfragen für ihre Seestreitkräfte zu klären.“

    Kiew erhält „neuen Nato-Status“ 

    Die Ukraine habe außerdem im Juni den Status eines „Nato-Partners für erweiterte Chancen“ erhalten. Dieser Status beinhalte einen „verbesserten Zugang zu Interoperabilitäts-Programmen und -Übungen sowie einen besseren Informationsaustausch, einschließlich der gewonnenen Erkenntnisse“. Dies geht aus einer aktuellen Pressemitteilung der Nato hervor.

    Auch die Nicht-Nato-Staaten Australien, Finnland, Georgien, Jordanien und Schweden hätten demnach diesen Status inne.

    „Für die USA bedeutet diese Statusänderung eine tiefere Beziehung zwischen der Ukraine und der 6. US-Flotte, insbesondere wenn es um die Zusammenarbeit im Schwarzen Meer geht, wo die US-Marine regelmäßig patrouilliert“, schätzt „Defense News“ abschließend ein. Eine offizielle Stellungnahme aus Moskau zu diesen aktuellen Vorgängen ist laut russischen und internationalen Medien aktuell noch nicht verlautbart wurden. Bereits Mitte Juni kritisierte das russische Außenministerium den neuen Nato-Status der Ukraine als „destruktiv und eskalationsfördernd“ für die Region am Schwarzen Meer.

    Russischsprachige Medien zitierten einen hochranigigen ukrainischen Militär. „Wir müssen verstehen, dass wir diplomatisch nichts tun können, falls wir keine Streitkräfte auf See haben“, sagte der Stabschef der ukrainischen Seestreitkräfte, Andrej Tarasow. 

    In einem Sputnik-Interview vor Ort in Berlin vor zwei Jahren kommentierte die damalige Außenministerin Österreichs, Karin Kneissl, den Vorfall in der Straße von Kertsch.

    Die Meeresenge wurde damals zum Brennpunkt, als Schiffe der ukrainischen Marine im November 2018 Russlands Staatsgrenze zu Wasser illegal überquert und dadurch gegen das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen verstoßen hatten. Die ukrainischen Schiffe fuhren in geschlossenes Gebiet im russischen Hoheitsgewässer, führten dort stundenlang gefährliche Manöver durch und widersetzten sich allen Forderungen der russischen Küstenwache. Russische Küstenwachenschiffe rammten daraufhin einen ukrainischen Schlepper und gaben später auf begleitende Kanonenboote Schüsse zur Warnung ab.

    Der Vorfall führte dazu, dass die ukrainischen Besatzungsmitglieder mit ihren Booten in russisches Gewahrsam genommen wurden. Sowohl die Seeleute als auch die beschlagnahmten Boote konnten nach Monaten in die Ukraine zurückkehren.

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    Tags:
    Straße von Kertsch, NATO, Waffenlieferungen, Ukraine, USA