22:38 24 November 2020
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    Vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen mit dem Iran bringt Israel in der Nacht zu Montag einen neuen Spionage-Satelliten in den Weltraum. „Ofeq 16“ soll dabei laut Medien vor allem für das israelische Militär Informationen über den iranischen „Erzfeind“ sammeln. Der Iran hat bereits seit Ende April seinen ersten Militär-Satelliten im All.

    Der hebräische Begriff „Ofeq“ – die Bezeichnung für den neuen Spionage-Satelliten Israels – kann mit „Weite“ oder „Horizont“ übersetzt werden. Laut israelischen und internationalen Medien startete „Ofeq 16“ am frühen Montagmorgen (deutsche Uhrzeit) von Palmachim, einem Kibbuz und Raketen-Startplatz südlich und unweit von Tel Aviv, ins Weltall. Der Satellit soll nun im Kosmos spionagerelevante und sicherheitspolitische Informationen über andere Staaten – vor allem über Tel Avivs „Erzfeind“, den Iran – sammeln.

    Das Ofeq-Satellitenprogramm der israelischen Regierung begann bereits im Jahr 1988 und umfasst eine Serie von Aufklärungs-Satelliten. Der damalige Start von „Ofeq 1“ beförderte Israel unter die damaligen acht Staaten der Erde, die über Fähigkeiten zu solchen Weltraum-Operationen verfügten. Wie verschiedene Vorgängermodelle soll auch der neue Spionagesatellit „Ofeq 16“ zur verbesserten militärischen Aufklärung beitragen. Vor allem in der Region des Nahen und Mittleren Ostens.

    Spionage-Satellit soll „Israels militärische Aufklärung verbessern“

    „Israel hat seinen neuen Spionagesatelliten 'Ofeq 16' in die Erdumlaufbahn geschossen“, meldete die „Tagesschau“ am Montagvormittag. „Er soll die militärische Aufklärung verbessern. Nach einem Brand in einer iranischen Atomanlage hatten die Spannungen in der Region zuletzt wieder zugenommen.“

    Der Satellit „Ofeq 16“ sei in der Nacht zum Montag in eine Erdumlaufbahn gebracht worden, teilte demnach das israelische Verteidigungsministerium mit. Die Datenübertragung habe plangemäß begonnen. Vor Beginn des vollen Einsatzes seien aber noch mehrere Tests geplant.

    Gantz lobt „technologische Überlegenheit“ Israels

    Die israelische Regierung spricht laut der dortigen Tageszeitung „Haaretz“ von einer „technologischen Überlegenheit“ nach dem Start des Spionage-Himmelskörpers. Der Satellit „Ofeq 16“ diene der „qualitativ hochwertigen Überwachung für den militärischen Geheimdienst Israels und befinde sich bereits aktuell in seiner Umlaufbahn im Weltraum“.

    Israels Verteidigungsminister Benny Gantz lobte demnach kurz nach dem Start die „außergewöhnliche Errungenschaft für unseren Verteidigungsapparat. Technologische Überlegenheit und geheimdienstliche Fähigkeiten sind essenziell wichtig für die Sicherheit des Staates Israel.“

    Die Tatsache, dass Israel „eines der 13 Länder der Welt mit Satellitenstartfähigkeiten ist“, sei keine Selbstverständlichkeit. Die ersten vom Satelliten aufgenommenen Bilder würden in ungefähr einer Woche eintreffen.

    „Elektro-optischer Aufklärungs-Satellit“

    Nach Angaben der Tageszeitung mit Redaktion in Tel Aviv, die sich auf Informationen aus dem Militärkomplex Israels stützt, sei „Ofeq 16“ ein „elektro-optischer Aufklärungssatellit mit erweiterten Funktionen“.

    Er wurde ebenfalls mit dem lokal entwickelten „Shavit“-Startersystem ins All gestartet, mit dem ebenso frühere Ofeq-Satelliten in den Weltraum gebracht wurden.Demnach war das staatliche Unternehmen „Israel Aerospace Industries“ der Hauptauftragnehmer für das Projekt, die Nutzlast des Satelliten entwickelte die israelische Verteidigungsfirma „Elbit Systems“. Der neue elektro-optische Spionage-Satellit wurde außerdem in seiner Entwicklung vom israelischen Verteidigungsministerium und von der Israelischen Raumfahrtindustrie (IAI) getragen.

    „Israel hat seine Überwachungskapazitäten ausgebaut“, so die israelische Zeitung weiter, „um Feinde wie den Iran zu überwachen, dessen Atomprogramm es als große Bedrohung ansieht“.

    Eine israelische Reaktion auf ersten Militär-Satelliten des Irans?

    „Nach einem Brand in der iranischen Atomanlage Natans war unter anderem über einen ausländischen Cyberangriff spekuliert worden“, so deutsche Medien weiter. Manche Beobachter vermuten staatliche Dienste Israels hinter der möglichen Cyber-Attacke. „Israel befürchtet eine Eskalation der Spannungen mit Iran – und will unter anderem deshalb mit neuer Spionagetechnologie vorsorgen“, berichtete „Spiegel Online“ am Montag.

    Bereits Ende April hatte der Iran seinen ersten Militär-Satelliten überhaupt in den Kosmos gebracht. Der Satellit „Noor“ (Licht) wurde mittels der zweistufigen Trägerrakete „Ghased“ in die 425 Kilometer hohe Erdumlaufbahn gebracht, wie Sputnik berichtet hatte. Im Juni legte der religiöse Führer des Landes, Ali Khamenei, weitere Worte nach. Der iranische Staat sei demnach in der Lage, einen Satelliten in eine Umlaufbahn von 36.000 Kilometern Höhe zu schicken.

    „Einige Länder sagen uns immer wieder, dass wir (Iraner) es nicht schaffen“, sagte Khamenei. „Aber wir schaffen das. Wenn wir eine Trägerrakete mit einer Geschwindigkeit von 7500 Metern in der Sekunde ins All schießen (…) und unsere Verteidigungsindustrie beachtliche Fortschritte erzielt, könnten wir auch einen ökonomischen Durchbruch wagen.“

    Das für die Weltraumkontrolle zuständige 18. US-Geschwader ortete den ersten iranischen Militär-Satelliten kurz nach dem Start am 22. April. Mehrere westliche Länder, die über das Raketenprogramm Teherans besorgt sind, verurteilten damals den Start. Frankreichs Regierung wies darauf hin, dass die Handlungen des Irans der Resolution 2231 des UN-Sicherheitsrates zuwiderlaufen würden.

    Dagegen erklärte Irans Außenminister Dschawad Sarif, unter die Resolution 2231 fielen nur Raketen, die nukleare Gefechtsköpfe tragen könnten. „Aber Teheran hat keine Atomwaffen“, betonte der iranische Chefdiplomat damals.

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    Tags:
    Satellit, Spionage, Iran, Israel